"Erst einmal ein großes Lob", spricht Formel-1-Experte Christian Danner im AvD Motorsport Magazin an Lewis Hamilton aus. Der Co-Rekordweltmeister lieferte beim Großen Preis von Kanada mit Platz zwei sein bestes Ferrari-Ergebnis ab und hatte seinen Teamkollegen Charles Leclerc in nahezu jeder Session fest im Griff. "Das war schon eine klasse Leistung. Er ist tapfer und hart durchs Wochenende gegangen. Das sind alles Erfolgserlebnisse, die mich für ihn persönlich sehr gefreut haben", so Danner.
Das Rennen auf dem Circuit Gilles Villeneuve, einer Paradestrecke von Hamilton, zeigte für den Experten, dass der siebenfache Weltmeister die Formel 1 nicht verlernt hat. "An der Motivation scheitert es bei ihm auch nicht", widersprach Danner einer häufigen Sorge der letzten Jahre. Auch wenn der Experte selbst Hamilton schon oft kritisierte, wünschte er sich stets, dass der Brite zu alter Form zurückfindet.
Man dürfe Hamiltons zweites Podium in Rot aber nicht überbewerten, schließlich fiel George Russell in der ersten Rennhälfte aus und die beiden McLarens nahmen sich durch eine Strategie-Fehlentscheidung selbst aus der Rechnung. "Der Realitätsblick ist wichtig. Hamilton würde auf seine normale Position bei P4 oder P5 zurückfallen", meinte der Experte. Was er zur verkorksten Reifenwahl der Papaya-Piloten sagte, erfahrt ihr hier:
Danner lobt Hamiltons Old-School-Zugang: Wie Michael Schumacher!
Ein großes Thema am Kanada-Wochenende war Hamiltons Beziehung zum Simulator in Maranello. Schon am Donnerstag verkündete er, auf das Hilfsmittel verzichtet zu haben und sich lediglich mit den Daten auseinanderzusetzen. "Da musste ich schon irgendwie lachen", gestand Danner. "Ich kann das sehr gut nachvollziehen, weil wenn ich einen Simulator anschaue, wird mir schon schlecht."
Der ehemalige F1-Pilot versteht den Anreiz des simulierten Plattform-Boliden, aber der habe auch Grenzen. Vor allem, wenn die Arbeit für die Formel 1 zur Hälfte von WEC-Piloten betrieben wird. Bei Ferrari sind zwar erfolgreiche Fahrer wie Antonio Giovinazzi, Antonio Fuoco oder auch Arthur Leclerc am Simulator tätig, aber keiner von ihnen fährt Formelsport. Der einzige Vertreter ist F2-Pilot Dino Beganovic. "Ob das die optimale Besetzung ist, um Lewis Hamilton durch einen Formel-1-GP zu leiten, wage ich zu bezweifeln", gab Danner zu bedenken.
Im Simulator wird in der aktuellen Saison viel am Energiemanagement gearbeitet. Die Fahrer finden heraus, an welchen Stellen sie die so kostbare Energie am besten rekuperieren und einspeisen. "Dafür ist so ein Simulator schon ganz gut", so Danner. Hamilton hatte über das Wochenende in Zweikämpfen am Funk öfter nach "mehr Energie" verlangt. Das Ergebnis, vor allem im Vergleich zum Horror-Wochenende seines Teamkollegen, spricht aber für sich. "Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass es offensichtlich auch ohne Simulator geht", freute sich der Deutsche.
"Hamilton ist eine andere Generation als die Jungspunde, die schon im Kindesalter im Simulator saßen", führte Danner fort. Die "nicht mehr ganz so frische" Generation wolle immer das Maximum mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln herausholen. Wenn der Simulator nicht hilft, dann lasse man es eben. Das sei schon bei Michael Schumacher und Fernando Alonso so gewesen. "Damals war der Simulator groß im Kommen, aber sie konnten nichts für sich rausholen. Das muss man wahrhaben wollen und trotzdem weiterkämpfen. Das gefällt mir bei Hamilton. Wenn es mit der Methode nicht geht, dann machen wir es halt anders. Geht nicht, gibt es nicht", beschrieb Danner.
Duell Verstappen vs. Hamilton beeindruckt Danner: Genau darum geht's!
Ein weiteres Highlight von Hamiltons Wochenende war sein Duell gegen Max Verstappen auf den letzten Runden des Grand Prix. Hamilton sprach über einen Zweikampf mit "einem der Großen" und meinte: "Darum dreht sich mein ganzes Leben!" Auch F1-Experte Christian Danner war beeindruckt: "Das ist das, wofür man an den Start geht." Überraschend war vor allem der respektvolle Umgang zwischen den zwei Weltmeistern und Ex-Erzrivalen.
Danner erinnert sich da an andere Zeiten. Stichwort: 2021, Silverstone, Copse-Kurve. "Da mochten sie sich gar nicht. Aber da zeigt sich: Ein ordentliches Mannsbild, ein ordentlicher Charakter, der kommt da drüber hinweg. Der erkennt auch an, mit wem er es zu tun hat. Die Wertschätzung des Gegners ist wichtig, das ist wie eine Blutsbrüderschaft. Wenn zwei sich wertschätzen und taff gegeneinander fahren, dann ist es eigentlich ein schönes Gefühl. Und ich fand, dass es nach dem Rennen schön zu sehen war", so der Experte.



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