Nach nur einer einzigen strategischen Entscheidung zum Start des Kanada-GPs war McLaren am letzten Sonntag bei der Formel 1 bereits ruiniert. Beide aus der zweiten Reihe losfahrenden Fahrer begannen das Rennen auf Intermediates, obwohl die Strecke kaum feucht war und sofort abtrocknete. Für F1-Experte Christian Danner die Konsequenz eines falschen Entscheidungs-Prozesses.
McLaren hatte sich am Sonntag nach dem Regen für die Strategie verteidigt. Zum letztmöglichen Entscheidungs-Zeitpunkt - gut sieben Minuten vor dem Start - schien die Strecke leicht feucht, und zusammen mit den kalten Temperaturen und mit leichtem Nieseln hielt man Intermediates nach Rücksprache mit den Fahrern für die richtige Wahl. Alles von Teamchef Andrea Stella und Co. gibt es hier:
Zwei zusätzliche Formationsrunden nach einem Startabbruch sowie ein sich unglücklicherweise nicht ausweitendes, sondern vielmehr aufhörendes Nieseln wurden von Stella letztendlich als Rechtfertigung bemüht, warum die Rechnung nicht aufgehen. Im 'AvD Motorsport Magazin' hält F1-Experte Christian Danner dagegen: "Ganz klar Slick."
McLaren-Fahrer für F1-Experte Danner zu wenig beteiligt
Die Intermediates waren für Danner in Kanada am Start immer nur ein Poker. Für Audi, Cadillac und Carlos Sainz, die es ebenfalls versuchten, lässt sich das in seinen Augen noch rechtfertigen: "Es macht unter Umständen Sinn mit einem Auto, das nicht aus eigener Kraft aufs Podium kommt." Aber Lando Norris und Oscar Piastri fuhren von den Startplätzen 3 und 4 los.
"Für mich ist das ein Beispiel, wo wir inzwischen mit dieser Datengläubigkeit hingekommen sind", findet Danner. "Jetzt gibt es einmal eine Entscheidung, die nur der Fahrer treffen kann und muss. Nämlich: Kann ich Slicks fahren oder nicht? Da nützt es nichts, dass dann datengestützt, Wetterbericht, und dann, und dann."
"Der Fahrer fährt raus in die Startaufstellung, da sieht man ja schon ziemlich genau, wie es draußen aussieht", meint Danner. In den darauffolgenden gut 20 Minuten bis zum Start solle man den Prozess dann auf keinen Fall verkomplizieren. Das gilt nicht nur für die Entscheidung vor dem Start. Auch wenn das Feld einmal mit der Formationsrunde beginnt und der Fahrer merkt, es wurde ein Fehler begangen, dann sollte man sofort auf den Fahrer hören.
"Dann sag ich meinem Team, hey Leute, falscher Reifen, ich komm rein", stellt Danner klar. "Wenn dann die Daten sagen, es könnte ja ein Safety Car geben, fasse ich mir an den Kopf. Das kann nicht wahr sein. Da muss der Fahrer drüberstehen und sagen, das ist mir völlig Jacke wie Hose was ihr mir da erzählt, jetzt bin ich dran, ich möchte Slicks, und ich möchte sie gleich."
Kanada Wasser auf die Mühlen der McLaren-Strategie-Kritiker
"Einem Verstappen wäre das nicht passiert", glaubt Danner. "Der hätte gesagt, erzählt mir was ihr wollt, ich will gerne Slicks. Da sehen wir glaube ich ein bisschen, wo die aktuellen Fahrer noch ein bisschen Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen dazugewinnen sollten. Das macht halt den Unterschied. Team hat gesagt, deswegen leider nicht vorwärtsgekommen, dumm gelaufen. Aber man kann auch Nein sagen."
Strategische Entscheidungen von McLaren stehen inzwischen eigentlich schon seit dem Comeback des Teams im Spitzenfeld der Formel 1 permanent in der Kritik. Scheinbar unnötig verkomplizierte Denkweisen treten immer wieder auf. 2024 war das Team für oft konservative Abwarte-Taktiken wiederholt kritisiert worden. Im Regenrennen von Silverstone traf man mangels klarer Kommunikation mit Lando Norris über den Streckenzustand gleich eine Reihe falscher Entscheidungen.
2025 blamierte man sich berühmterweise beim ungewöhnlichen Katar-GP, in dem aus Angst vor Reifenschäden eine maximale Rundenzahl pro Stint vorgegeben wurde. Als ein frühes Safety Car perfekt kam, um das Rennen mit zwei Boxenstopps zu beenden und dabei durch die Neutralisierung massiv Zeit zu sparen, war McLaren das einzige Team gewesen, das diese Umstände nicht erkannt hatte, weiterfuhr und einen Sieg verschenkte.
Auch 2026 hatte es vor Kanada bereits Kritik gegeben. Lando Norris hatte die Passivität in Miami genervt, wo er eine Sieg-Chance verlor, weil ihn seine Strategen gegen einen Undercut von Kimi Antonelli exponiert hatten. Andrea Stella versichert nach Kanada dennoch: Die WM ist noch offen.



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