Wann wird eine Frau wieder in der Formel 1 antreten? Mit dieser Frage sieht sich die Königsklasse des Motorsports immer häufiger konfrontiert. Der Anteil der weiblichen Fans stieg 2025 auf 25 Prozent, 2017 waren es nur zehn. Dazu sind drei von vier neuen Fans weiblich, wie das Global F1 Fan Survey 2025 zeigt. Frauen spielen im Motorsport also eine immer größere Rolle. Daher wird auch der Ruf, eine Fahrerin in einem F1-Cockpit zu sehen, stetig lauter. Diejenige, die diesem Ziel derzeit am nächsten kommt, ist Mercedes-Entwicklungsfahrerin Doriane Pin.

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Alle Frauen, die in der Formel 1 antraten:

NameSaison(s)TeamTeilnahmeStartsPunkte
Maria Teresa de Filippis1958 - 1959Maserati
Behra-Porsche
530
Lella Lombardi1974 - 1976March
RAM
Williams
17120,5
Divina Galica1976, 1978Surtees
Hesketh
30-
Desiré Wilson1980Williams10-
Giovanna Amati1982Brabham30-
Lella Lombardi
Lella Lombardi ist die einzige Frau, die in der Formel 1 WM-Punkte sammelte, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Doch die amtierende F1-Academy-Meisterin kündigte nun an, dass sie sich vorerst anders orientieren möchte. "Mein Ziel ist es, die erste Frau in der Hypercar-Klasse zu werden", sagte sie gegenüber Motorsport-Magazin.com im Rahmen der 6 Stunden von Spa-Francorchamps. Eine Überraschung ist das nicht. Pin startete ihre Karriere nach dem Karting auf der Langstrecke, erst später kam sie über Mercedes zu Monoposto-Serien.

Nach ihrem Titel in der Frauen-Nachwuchsserie verließ sie den Formelsport wieder und tritt 2026 in der European Le Mans Series mit DUQUEINE an. Mit ihren Teamkollegen Richard Verschoor und Giorgio Roda führt sie derzeit die Klassen-Wertung der LMP2 PRO/AM an. Dazu ist sie neben ihrer Verpflichtung bei Mercedes auch beim Formel-E-Team von Citroën sowie im WEC-Programm von Peugeot Entwicklungsfahrerin.

Richard Verschoor, Doriane, Pin und Giorgio Roda auf dem Podium bei den 4h Barcelona
In ELMS war Pin dieses Jahr schon zweimal auf dem Podium, Foto: IMAGO / PsnewZ

"Mit einem Hersteller und einem erfahrenen Hypercar-Team zu arbeiten, ist eine große Chance für mich, um Erfahrung zu sammeln. In naher Zukunft möchte ich Hypercars erreichen", so Pin. Sie trat bereits 2023 (LMP2, PREMA) und 2024 (LMPGT3, Iron Dames) in der WEC an, aber nie in der Hauptklasse. Den ersten Vorgeschmack auf die stärkeren Boliden wird sie schon beim Rookie-Test in Bahrain dieses Jahr bekommen, in dem sie den Peugeot 9X8 zum ersten Mal auf der Strecke pilotieren wird.

Formel 1 komplett abgeschrieben? Das sagt Doriane Pin

Dennoch schreibt Pin die Formel 1 nicht ab. Vor kurzem war sie die erste Frau, die ein modernes F1-Auto fahren konnte. "Ich hoffe, das öffnet ein paar Türen für die Zukunft", meinte sie danach in der Silver Arrows Radio Show. "Ich hoffe, das war erst das erste Kapitel und ich werde noch mehr Möglichkeiten haben, ein Formel-1-Auto zu fahren. Ich möchte mich Schritt für Schritt weiterentwickeln, um hoffentlich eines Tages in der F1 zu sein."

Die nächste Stufe für Pin wäre die Teilnahme an einem Freien Training. Die letzte Frau, die im Rahmen eines Grand Prix hinter dem Steuer saß, war Susie Wolff, heutige Managing Director der F1 Academy und Ehefrau von Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Sie fuhr 2014 als Williams-Entwicklungsfahrerin zwei Trainingssessions, davor gab es 22 Jahre keine Pilotin außerhalb von Tests. Wenn Frauen einen Platz in einem Formel-1-Team bekommen, dann als Entwicklungs- oder Testfahrerinnen ohne Streckenzeit an Rennwochenenden.

Doriane Pin an der Seite von Toto Wolff
Bei Formel-1-Rennen schaut Pin Toto Wolff über die Schulter, Foto: IMAGO / PsnewZ
Susie Wolff war Williams-Entwicklungsfahrerin, Foto: Williams F1
Susie Wolff war Williams-Entwicklungsfahrerin, Foto: Williams F1

"Es ist schwer, das höchste Level zu erreichen", erklärte Pin. "Es braucht Zeit, bis du ganz oben bist. Es ist wichtig, zu zeigen, dass wir die Pace haben, Profis sind und Teil der Weltspitze sind, die mit der Weltspitze fährt. Dann geben sie uns eine Chance. Die erste Option, mit der sie uns zum Teil des Teams machen können, ist die Rolle als Entwicklungsfahrerin. So finden sie heraus, dass wir gut sind, jemand, der dem Team beim Wachsen hilft. Dann werden sie uns die Chance geben, Stammfahrerinnen zu werden. Hoffentlich wird das bald so sein."

Frauen im Motorsport: "Haben Hindernisse, die Männer nicht haben"

Obwohl sich die Situation mit jedem Jahr verbessert, ist der Weg in den Motorsport für Frauen immer noch schwierig. "Wir haben Hindernisse, die Männer nicht haben. Wir wollen die gleichen Möglichkeiten und wir müssen doppelt so hart arbeiten, um sie zu bekommen", so Pin. Beispielsweise würde Fahrerinnen nicht die gleiche Pace zugetraut werden wie ihren männlichen Konkurrenten. Auch die physischen Anforderungen werden häufig als Argument gegen Frauen genannt.

Durch diese und weitere Faktoren steigen Mädchen im Schnitt viel früher aus dem Kartsport aus als Jungs. Eine Studie von David Coulthards Initiative 'More Than Equal' aus dem Jahr 2023 fand heraus, dass 13 Prozent der Teilnehmer im Kartsport weiblich sind, aber nur sieben Prozent im GT- und Formelsport. Die durchschnittliche Karriere eines Fahrers dauert 12 Jahre, Fahrerinnen treten hingegen nur 1 bis 5 Jahre an. "Es ist ein männerdominierter Sport. Wir sehen uns dort nie, also glauben wir auch nicht, dass es möglich ist", erklärte die Mercedes-Fahrerin.

Deshalb ist es ihr so wichtig, ihre Geschichte in den Medien zu teilen, um junge Mädchen zu inspirieren: "Wir zeigen ihnen, dass es mit harter Arbeit und Durchhaltevermögen möglich ist." Der Sport habe schon angefangen, sich zum Positiven zu verändern, allein weil die Denkweisen sich ändern würden. "Wir beweisen, dass wir mit unserer Arbeit und unserer Expertise ein Teil des Teams und gemeinsam erfolgreich sein können. Warum auch nicht? Egal, welches Geschlecht, wir verdienen unseren Platz."

Doriane Pin lässt Speed für sich sprechen

In der WEC gibt es zwar mehr Plätze als in der Formel 1, doch die Ansprüche seien andere: "Du repräsentierst einen Hersteller, du musst als Fahrer vollständig sein. Technisch gut, auf eine Runde schnell, aber auch über lange Zeit, sechs bis 24 Stunden. Es gibt noch immer nicht viele Frauen im Motorsport, aber es kommen immer mehr." Pin hat eine unkomplizierte Taktik, um die Teams auf sich aufmerksam zu machen: "Ich versuche, auf der Strecke immer schnell zu sein. Der Speed soll für sich selbst sprechen, dann muss ich nicht mehr tun."

Peugeot konnte sie schon überzeugen, jetzt liegt ihre volle Konzentration auf der ELMS: "Um Mercedes und vor allem Peugeot zu zeigen, dass ich genug Pace in einem Prototyp habe, um danach in die Hypercar-Klasse aufzusteigen." Als nächstes Highlight stehen die 24h Le Mans (13. bis 14. Juni) an. Zusammen mit Verschoor und Julien Andlauer wird sie in der LMP2-Klasse für DUQUEINE an den Start gehen. "Das ist ein sehr gutes Fahreraufgebot, um vielleicht über den Klassen-Sieg in Le Mans nachzudenken. Wir werden dafür kämpfen", lautete ihre Ansage.