Am 8. Mai kündigte die FIA an, dass man zu einer 'grundsätzlichen Einigung' in Bezug auf die Überarbeitung der aktuellen Motorregeln gekommen sei. So soll die Power-Verteilung zu Gunsten von mehr Verbrenner-Anteilen und zu Lasten der Elektroenergie adaptiert werden.
Eine höhere Benzindurchflussmenge soll dem Verbrennungsmotor 50 Kilowatt mehr spendieren, während der Elektro-Antrieb 50 Kilowatt verliert. Anstelle von circa 53 zu 47 Prozent wäre damit die Verteilung bei 60 zu 40 Prozent. Das Ziel des Ganzen: Die Fahrer wären nicht mehr von der Energiemenge so eingeschränkt und könnten ihre Autos wieder erfolgsversprechender am Limit bewegen.
So weit, so gut. Allerdings sind die Maßnahmen immer noch nicht abgesegnet und am Kanada-Wochenende kamen gehörige Zweifel auf, dass diese 'grundsätzliche Einigung' im Moment überhaupt mehrheitsfähig ist. Mehrere Motorhersteller sträuben sich offenbar derzeit aus strategischen Überlegungen heraus, dem Vorschlag der FIA zuzustimmen.
Nicht dazu gehören Red Bull und Mercedes. Bei den Bullen ist das überhaupt nicht verwunderlich, da sie mit Max Verstappen den wohl größten Kritiker der aktuellen F1-Motoren in ihren Reihen haben und den Niederländer auch halten wollen.
Zum Wohle des Sports: Mekies und Wolff lobbyieren für Formel-1-Regeländerung
"Wir unterstützen jeden Schritt, den der Sport machen will, um näher am Limit im Qualifying und im Rennen zu fahren. Als Red Bull Ford Powertrains unterstützen wir diesen Schritt", sagte Teamchef Laurent Mekies schon am Freitag in Montreal. Dass die Anpassung der Motor-Regeln ein direktes Kriterium Verstappens für einen Formel-1-Verbleib ist, stellte dieser am vergangenen Donnerstag klar.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff brachte seine Unterstützung nach dem Montreal-Rennen zum Ausdruck. Wolff erklärte: "Ich denke, die Veränderungen, um mehr Leistung zu bekommen und dabei dem Energie-Management zu helfen, sind der richtige Weg." Wolff sieht darin einen guten Mittelweg, um die Interessen aller abzudecken. "Es bedeutet, dass alle Motor-Hersteller einen Kompromiss eingehen, aber es sieht nach einer vernünftigen Herangehensweise aus."
Beide betonen aber auch, dass aktuell noch keine abschließende Einigung erzielt wurde. "Wir haben noch nicht darüber abgestimmt", betonte Wolff. Mekies zeigte sich optimistisch, dass diese Abstimmung das gewünschte Ergebnis, also eine Anpassung der Leistungsverteilung, zutage bringen wird. "Ich bin optimistisch, dass wir eine Mehrheit finden werden, die sich für eine Verbesserung des Racings ausspricht", so der Franzose.
Er glaubt, dass das Wohl des Sports letztendlich bei allen Entscheidungsträgern gegenüber den politischen Überlegungen überwiegen wird. "An einem gewissen Punkt werden wir alle darüber hinwegsehen, welche Auswirkungen es möglicherweise auf unsere relative Konkurrenzfähigkeit hat und einen Schritt in die richtige Richtung für den Sport machen", ist er sich sicher.
Wer blockiert den Vorstoß bei den Formel-1-Motoren?
Bei den anderen Motor-Herstellern erscheint es fraglicher, wie ihr Standpunkt zu den Regeländerungen ist. Sowohl Allan McNish als Vertreter von Audi als auch Fred Vasseur als Ferrari-Teamchef stellten sich am Sonntagabend nach dem Kanada-GP aus organisatorischen Gründen nicht der Presse, und konnten demnach auch nicht dazu befragt werden. Beide Power-Unit-Hersteller gelten als Befürworter der Beibehaltung des Status Quo.
Honda gab sich neutral. HRC Trackside General Manager Shintaro Orihara sagte: "Wir respektieren die Entscheidung der FIA, also warten wir ab." Auch auf Nachfrage ließ er sich nicht in die Karten schauen, wie man im Falle eines Votings abzustimmen gedenke.
Eine denkbare Kompromisslösung könnte darin bestehen, dass das Motoren-Gleichgewicht zwar zu Gunsten des Verbrenners verschoben wird, aber eben nicht in dem ursprünglich angekündigten Ausmaß von 50 Kilowatt. Mekies ließ durchklingen, dass er solch einer potenziellen Lösung skeptisch gegenübersteht, da diese sich als temporär erweisen könnte: "Ich denke, wir sollten das ein für allemal lösen, damit es nicht zu einem wiederkehrenden Thema wird."
Während über die Power-Verteilung Uneinigkeit herrschen mag, scheinen sich in einem Punkt alle Teambosse und auch die meisten Fahrer einig zu sein: Die Zweikämpfe in der neuen Formel-1-Regelgeneration sind ein Gewinn für den Sport. "Ich denke, wir sehen fantastische Kämpfe auf der Strecke. Es gibt viele positive und großartige Aspekte an dem, was wir sehen", hebt etwa Mekies hervor. Aber nicht jeder teilt diesen Enthusiasmus, auch nicht Red Bulls Topfahrer Max Verstappen, der einen bissigen Vergleich anstellte. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen:



diese Formel 1 Nachricht