Die Formel 1 will 2027 zurück zu einem stärkeren Verbrennungsmotor. Die FIA verkündete bereits, dass sich alle Beteiligten 'im Wesentlichen darüber einig sind', den Benzinhahn aufzudrehen, um bei gleichbleibender Systemleistung den Verbrenner-Anteil von derzeit rund 53 auf 60 Prozent zu erhöhen. Doch ganz so einfach ist es - wie immer im Haifischbecken Formel 1- nicht.

Während die Sache für die FIA offenbar klar zu sein scheint, herrscht bei den Herstellern der F1-Motoren noch Diskussionsbedarf. Und auch bei den Teams regt sich Widerstand. Haas-Teamchef Ayao Komatsu warnte vor einer Kostenexplosion. Mehr Benzin erfordert einen größeren Tank, der wiederum ein größeres Chassis.

Weil nicht jedes Team jede Saison ein neues Chassis entwickelt, sorgt das Thema für Ärger bei einigen Teamchefs. Racing-Bull-Teamchef Alan Permane verriet nun am Rande des Kanada GP: "Das ist eine ziemlich klare Angelegenheit. Auf Chassis-Seite haben wir das schon besprochen und sind auf Ebene der Teamchefs schon zu einer Vereinbarung gekommen."

Vorbild Monaco: Rennen im Notfall kürzer

Und wie sieht diese Vereinbarung aus? "Wenn jemand sein Chassis aus der Vorsaison übernimmt und deshalb der Tank nicht groß genug ist, um die Renndistanz von 310 Kilometer zu bestreiten, dann würden wir einzelne Rennen wenn es wirklich notwendig wäre, um ein, zwei Runden verkürzen und die Sichtungsrunden in die Startaufstellung auf eine begrenzen."

Als die FIA vor wenigen Wochen ihre Pressemitteilung schickte, klangen die Änderungen für den 2027er Motor sehr wahscheinlich:

Fix! F1 dreht Benzinhahn 2027 auf! V8-Rückkehr wahrscheinlicher (22:22 Min.)

Aktuell ist der maximale Energiefluss von 3.000 Megajoule pro Stunde der limitierende Faktor für die Verbrennerleistung. Umgerechnet entsprechen 3.000 MJ rund 75 Kilogramm Benzin pro Stunde, die bei 10.500 Umdrehungen maximal durch die Injektoren gejagt werden dürfen. Will man die Leistung des V6-Motors um 50 kW anheben, wären rund 15 Prozent mehr Benzinfluss nötig.

Da der Motor aber nicht permanent auf Volllast läuft, würde die Spritmenge, die für eine GP-Distanz benötigt wird, um weniger als 15 Prozent ansteigen. Trotzdem müssten die Tanks und folglich auch die Monocoques dafür angepasst werden.

Durch etwas kürzere Rennen und weniger Sichtungsrunden könnte man diese Benzinmenge einsparen. Bei allen Rennen wäre das aber nicht nötig. Die Tankgröße wird immer auf den Worst Case ausgelegt. Das sind Strecken mit besonders hohem Vollgas-Anteil. Auf anderen Strecken wie zum Beispiel Budapest oder Singapur wird der Tank nicht ganz gefüllt. In Monaco ohnehin nicht, da das Rennen im Fürstentum mit lediglich 260 Kilometer schon heute eine Ausnahme bildet.

Sichtungsrunden kosten Tank-Kapazität

Bei den Sichtungsrunden vor dem Grand Prix könnte man ohne große Probleme Benzin einsparen. Vor Sprint-Rennen dürfen die Piloten schon heute nur eine Sichtungsrunde fahren. Vor dem Grand Prix ist die Boxengasse zehn Minuten geöffnet, in denen die Piloten so oft durch die Boxengasse fahren können, wie sie wollen.

Weil zwischen Sichtungsrunden und Rennstart nicht nachgetankt werden darf, muss das Benzin für die Renndistanz plus Sichtungsrunden reichen. Das Beschränken auf eine einzige Sichtungsrunde würde also das Problem erheblich abmildern.

"Da stimme ich zu. Aus technischer Sicht ist das absolut machbar", meint McLaren-Teamchef Andrea Stella. Die Entscheidung liegt nun bei den Motorenherstellern. Dort ist Eile gefragt. Aus Motorensicht ist es schon 5 nach 12. Auch wenn der Benzinfluss nur geringfügig steigen würde, so hätte das gravierende Auswirkungen für die Motorenbauer. Weil Motorkomponenten besonders lange Vorlaufzeiten haben, bezweifeln viele inzwischen, ob es wirklich schon 2027 zum höheren Verbrenner-Anteil kommt.

Hintergrund der Diskussion: Der extrem hohe Elektro-Anteil am derzeitigen Antriebsstrang sorgt für Motorsport-untypische Geschwindigkeitsprofile, weniger Spaß für die Fahrer und extremes Energiemanagement. Durch einen höheren Verbrenner-Anteil und die gleichzeitige Minderung des Elektro-Power von 350 auf 300 kW könnten die Probleme stark abgemildert werden. Seit der Einführung der aktuellen Antriebseinheiten zu Beginn dieser Saison gibt es große Kritik von Fahrern, Fans und auch vereinzelt von Verantwortlichen.

Im Fahrerlager gibt es durchaus Zweifel, ob der Benzinhahn wirklich 2027 aufgedreht wird...

Doch nicht fix? Warum die neuen F1-Motoren 2027 wackeln (19:42 Min.)