Nach vier Niederlagen in Serie konnte George Russell beim Sprint-Qualifying der Formel 1 in Kanada endlich mal wieder gegen Kimi Antonelli zurückschlagen. An den letzten drei Rennwochenenden hatte der Italiener im Qualifying immer das bessere Ende im Mercedes-Duell für sich gehabt, genauso wie in der Qualifikation für den Sprint von Miami.
Es war Trendbruch mit Ansage, denn schon im Rahmen der letzten beiden Grands Prix hatte Russell darauf aufmerksam gemacht, dass ihm die jeweiligen Strecken nicht unbedingt liegen. Der Circuit Gilles Villeneuve ist hingegen einer von Russells besten Formel-1-Kursen, auf dem er in den letzten beiden Jahren jeweils von der Pole Position ins Rennen startete - und morgen im Sprint gleich ein drittes Mal en suite.
"Es fühlt sich gut an, auch wenn es nur ein Sprintrennen ist. Aber [es kommt] nach einem harten Wochenende in Miami", zeigte sich Russell erleichtert. Er gab sich aber trotzdem unaufgeregt: "Ich wusste, dass es mir hier besser liegen würde, so wie letztes Jahr, also war es schön, diese Bestätigung zu erhalten."
Doch wiegt sich der Brite dabei ein bisschen zu sehr in Sicherheit? Denn unter dem Strich war er im Sprint-Qualifying nur 0,068 Sekunden schneller als Andrea Kimi Antonelli. Das liest sich auf einer seiner Fabelstrecken schon nicht mehr so überragend. Erst recht, wenn man den Weg der beiden Pole-Anwärter dorthin direkt vergleicht.
Hat Kimi Antonelli so die Sprint-Pole verspielt?
Antonelli war mit seinem Qualifying alles andere als zufrieden. "Die Runde war ziemlich schlecht, um ehrlich zu sein. Die Session war überhaupt nicht sauber", analysierte der aktuell Führende der Formel-1-WM, der im einzigen Training des Wochenendes zu Mittag noch die schnellste Zeit gesetzt hatte.
"Ich beging einen Fehler in SQ2, der mich etwas aus der Bahn warf. Dann entschied ich mich [in SQ3] auf dem Soft die erste Runde ohne eine Vorbereitungsrunde zu fahren und die Reifen waren ein bisschen kalt", zählte Antonelli auf. Das machte sich über die ganze Runde bemerkbar, denn verteilt über die erste Schikane, die schnelle Schikane im Mittelsektor und die Haarnadel riss er über eine halbe Sekunde Rückstand auf.
Den zweiten Run ging er dann mit einer besseren Reifentemperatur an, und war praktisch gleichauf mit Russell. Nur zwei Zehntel Verlust in den Kurven 8/9 kosteten Antonelli die potenzielle Pole Position. "Es war einfach eine unsaubere Session, aber das Potenzial war auf jeden Fall da", zeigte sich der dreifache Saisonsieger deshalb optimistisch.
Mercedes und das große Zittern: Hauen die Rennstarts jetzt hin?
Im Qualifying am Samstagnachmittag bekommt Antonelli die Chance, seine Pole-Serie nach ersten Startplätzen in China, Japan und Miami weiter auszubauen. Allerdings steht davor noch der Sprint an, und damit der nächste Lackmus-Test für die große Schwachstelle des 19-jährigen Shootingstars der Formel 1: Der Rennstart. Diesen bekommt er seit dem Saisonbeginn nicht hin, wodurch er sich das Leben in praktisch allen Rennen und Sprints bisher schwieriger gemacht hat, als es sein hätte müssen.
In Montreal bekam Antonelli deshalb einen neuen anders geformten Kupplungshebel ans Lenkrad. "Nur um mir zu helfen, dass ich ein bisschen konstanter beim Loslassen bin", erklärte Antonelli. Außerdem habe das Team sehr hart an der Software gearbeitet, um dort nach mehr Performance zu suchen.
Auch Teamkollege Russell sieht für den Sprint die größte Gefahr beim Start. Denn auch wenn die Starts des WM-Zweiten im Schnitt besser waren als jene von Antonelli, fehlte noch einiges auf Ferrari oder McLaren. "Im Moment ist das für uns wie ein Münzwurf, bei dem wir auf das Beste hoffen. Wir machen Babyschritte in diesem Zusammenhang, aber wir sind weit davon entfernt, wo wir sein müssten."



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