Die Formel 1 dreht den Benzinhahn auf. Schon 2027 gibt es wieder mehr Sprit für die Motoren. Die Details des F1-Reglements müssen noch ausgearbeitet werden, aber im Prinzip ist man sich einig. Das sind hervorragende Neuigkeiten für unseren geliebten Sport.
Auf den ersten Blick ist es nur eine kleine Kurskorrektur. Aber ich glaube, dass die Auswirkungen immens sein werden. Statt 53/47 wird die Aufteilung zwischen Verbrenner und Elektro-Motor in etwa bei 60/40 liegen. Das ist mehr als nur Kosmetik. Nach nur vier Rennen hat man eingesehen, dass man auf einem Irrweg war.
Natürliche Entwicklung reicht bei diesem Reglement nicht
Das ist noch immer nicht die Formel 1, die wir uns wünschen. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ein mittelgroßer, ein schneller und der einzig richtige. Die natürliche Entwicklung richtet diese Motoren-Farce nicht. Physik und Mathematik sagen, dass es nicht funktionieren kann. Mit dieser Hardware ist schlicht zu wenig Energie vorhanden. Miami war ein Mini-Schrittchen in die richtige Richtung, mehr nicht. Hardware-Änderungen müssen her.
Rekuperation an der Vorderachse und größere Batterien würden das Gewicht nur wieder nach oben treiben. Deshalb war das Aufdrehen des Benzinhahns die einzig richtige Lösung. Ich hielt diesen Schritt immer für richtig, hätte ihn aber nicht erwartet, zumindest nicht so schnell.
Wo die Defizite des aktuellen Reglements im Detail liegen, könnt ihr in der neuen Print-Ausgabe nachlesen. Dort gibt es einen ausführlichen Hintergrundartikel zum Thema Energiemanagement, Superclipping und Co.
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Warum? Weil die Änderungen nicht so trivial sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Benzinhahn auf und alles gut? Nein, denn ein Verbrennungsmotor, der plötzlich 12,5 Prozent mehr Benzin und Leistung bekommen soll, braucht umfassende Änderungen.
Die Vorlaufzeiten bei Verbrennungsmotoren sind besonders lang. McLaren-Teamchef Andrea Stella rechnete frühestens 2028 mit einem solchen Schritt. Selbst dafür, so Stella, müsse man schon bald Entscheidungen treffen.
Wer mehr Benzin verbrennen darf, braucht einen größeren Tank. Der Tank sitzt im Monocoque. Das ein oder andere Team wollte das Chassis aus Kostengründen sicher übernehmen. Jede Änderung in der Formel 1 zieht üblicherweise einen Rattenschwanz nach sich.
Gegenargumente zählen nicht: F1 braucht Kurskorrektur
Dann kommt in der Regel das Argument Geld, wie teuer diese Änderungen doch wären. In Zeiten einer Budgetobergrenze, die auch für Motorenhersteller gilt, ist das lächerlich. Jeder gibt ohnehin all das aus, was er hat - oder in der Regel das, was er darf.
Dieser 08. Mai 2026 ist ein guter Tag für die Formel 1. Aber ich will noch nicht zu euphorisch werden. Man ist sich "grundsätzlich" einig, hieß es im Statement der FIA. Verabschiedet sind die Änderungen noch nicht. In den Expertengruppen werden sicherlich wieder viele Einwände gefunden. Kein Einwand kann aber groß genug sein, um eine deutliche Verbesserung des Sport zu verhindern.
Und dann hoffe ich, dass diese Änderung ein Zwischenschritt zur Rückkehr zu richtigen F1-Motoren ist. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem, Mercedes-Boss Toto Wolff und Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies waren sich beim V8-Konzept mit viel Verbrenner-Power überraschend einig. So ganz traue ich dem Braten aber noch nicht…
Unserem Formel-1-Experten Christian Danner dürften die Änderungen ebenfalls gefallen. Er hat sich im Video schon sehr deutlich für eine Richtung ausgesprochen:



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