Das Regel-Update rund um die derzeitigen Formel-1-Motoren am letzten Wochenende in Miami wurde im Paddock querbeet positiv aufgenommen. Manche halten es für einen durchschlagenden Erfolg, in den Augen der meisten Fahrer war es immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Doch das impliziert immer auch, dass noch weitere Schritte notwendig sind, um die Problemaspekte (vor allem Qualifying/Speed-Unterschiede) der aktuellen Regelgeneration zu retten.
"Es ist hart, noch weiter zu gehen", merkte etwa Lando Norris vor dem Miami-Wochenende an und spielte dabei darauf an, dass man während der Saison nur die Softwareparameter anpassen kann. Für weitergehende Maßnahmen sind aber Hardware-Upgrades nötig, so der allgemeine Konsens im Paddock, den auch der amtierende Weltmeister wiedergibt.
McLaren-Teamchef Stella: Hardware-Anpassungen erforderlich
McLaren-Teamchef Andrea Stella schlägt in dieselbe Kerbe wie Norris und stellt sich klar auf die Seite seines Fahrers: "Ich persönlich denke, dass Hardware-Anpassungen erforderlich sind, um die Formel 1 allgemein zu verbessern." Die Hoffnung vieler Regelkritiker liegt auf der Formel-1-Saison 2027. So auch jene von Chef-Kritiker Max Verstapen, der sagte: "Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr große [Änderungen] haben können."
Aber sobald es um die Hardware geht, ist der Faktor Zeit ein noch viel drängenderer. Denn Motorentwicklung benötigt bekanntermaßen viel Vorlaufzeit. Stella glaubt, dass es für nächstes Jahr schon zu spät ist. "Wenn ich mir die Dinge aus der Perspektive eines Power-Unit-Herstellers anschaue, dann schaut es für 2027 schwierig aus", schätzt er.
"Die Auswirkungen der Batteriegröße und die Auswirkungen rund um eine höhere Benzindurchflussmenge würden normalerweise eine längere Vorlaufzeit benötigen, als wir verfügbar haben, ehe wir in die Saison 2027 gehen", erklärt Stella.
Doch genau diese beiden Punkte seien die Stellschrauben, an denen die Formel 1 ansetzen könne, ist er sich sicher: "Realistischerweise werden sie [die Regelanpassungen, d. Red] mit dem Benzinfluss zu tun haben, um die Power des Verbrennungsmotors zu erhöhen. Ich denke, sie können damit zu tun haben, dass man mehr Power harvesten kann, als man tatsächlich einsetzt", zählt er zwei Möglichkeiten auf.
Beides erfordert groß angelegte Hardware-Umbauten an der Power Unit. Konkret ist es eine häufig genannte Lösungsvariante, dem aktuellen Reglement seine viel kritisierte temporäre Leistungsarmut auszutreiben, indem man die ungefähre 50/50-Verteilung zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor aufgibt. Diese war mehreren Herstellern wie etwa Audi, Honda oder Mercedes beim Ausverhandeln des neuen 2026er-Reglements ein wichtiges Anliegen. Jetzt scheint aber mehr Gesprächsbereitschaft zu herrschen.
Power Unit: Hardware-Regeländerung frühestens 2028, Stella rät zur Eile
Die zweite Variante wäre, dass die Rekuperationsleistung nach oben gekurbelt wird. Mit dem aktuellen Stand der Technik ist man damit bereits am Anschlag, weitgehende Änderungen wären nötig, damit das mehr wird. "Ich denke, dazu brauchen wir größere Batterien", weiß Stella. Anstatt 350 Kilowatt könnte es dann möglich sein, 400 oder 450 Kilowatt zu harvesten. Und genau damit wären wir an den eingangs erwähnten Punkten: Batterie und mehr Verbrenner-Anteil. Beides Punkte, die laut Stella mehr Vorbereitungszeit brauchen als ein Jahr.
Als Teamchef eines Kundenteams ist Stella darin natürlich nicht direkt involviert. Er rät den Verantwortlichen aber aufgrund der langen Vorlaufzeiten bereits mit Blick auf 2028 zur Eile. "Ich möchte dringend dazu aufrufen, dass diese Gespräche bis zur Sommerpause abgeschlossen sein sollten, damit wir es rechtzeitig für 2028 umsetzen können", so Stella.
Das aktuelle Formel-1-Reglement hat eine vorgesehene Laufzeit bis inklusive der Saison 2030, wobei sich die FIA und auch die F1-Teams die Möglichkeit offengelassen haben, wenn nötig schon ein Jahr früher in die neue Ära zu starten. Wie die nächsten Power Units aussehen werden, ist noch Gegenstand von Diskussionen, aber in den letzten Wochen verdichteten sich die Wortmeldungen für eine Rückkehr von V8-Antrieben.
FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem gilt als treibende Kraft hinter diesem Vorstoß, der in seinen Augen schon 2030 durchgeführt werden sollte. Während des letzten Formel-1-Wochenendes in Miami erhielt er Rückendeckung von Mercedes-Teamchef Toto Wolff und dessen Red-Bull-Gegenstück Laurent Mekies. Wolff warnte aber, dass eine gewisse Elektro-Komponente Teil des Antriebs bleiben müsse. Mehr dazu hier:



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