In der erzwungenen Aprilpause legte die Formel 1 Hand am Regelwerk an und adressierte eine Reihe von entdeckten Problemen am neuen Reglement. Einerseits wurde das Lift-and-Coast-Problem im Qualifying entschärft, indem die maximal rekuperierbare Batterieladung von 8 auf 7 MJ reduziert wurde, andererseits im Rennen der Boost-Knopf gedrosselt, um zu hohe Geschwindigkeitsunterschiede zu vermeiden.
Wie konkret die Regelanpassungen aussehen, könnt ihr hier nachlesen:
Im Fahrerlager fällt das Stimmungsbarometer dennoch nach wie vor geteilt aus. Dabei sind sich der Großteil der Piloten tatsächlich in einem Punkt einig, nämlich dass sie in die Kommunikation rund um den Regelumbau gut eingebunden wurden. Sogar Max Verstappen äußerte sich wohlwollend: "Das Positive ist, dass wir einige gute Meetings mit der Formel 1 und der FIA hatten und ich denke, das ist hoffentlich ein Startpunkt für die Zukunft."
George Russell warnt: Nächster Schritt wäre Formel 2
In der Vergangenheit hatten sich die F1-Fahrer bei vielen Belangen oft überhört gefühlt, bei den jetzigen Regeldiskussionen wurden sie offenbar vorbildhaft miteinbezogen. Doch nach diesem Punkt hört die Einigkeit dann bald wieder auf. Die Meldungen reichen von 'marginalen Verbesserungen' über 'Schritt in die richtige Richtung' bis hin zu 'Problem gelöst.'
Zur letzteren Gruppe zählt wenig überraschend George Russell. Der Mercedes-Pilot, der schon seit Monaten als Hauptverteidiger des Reglements auftritt, zählte auf: "Ich denke, die größte Sorge bereitete das Lift-and-Coast auf den Qualifying-Runden. Großer Geschwindigkeitsverlust am Ende der Geraden. Das [Problem] ist nun verschwunden. Die Reduktion der Geschwindigkeitsunterschiede beim Überholen. Das [Problem] ist nun verschwunden."
Die Conclusio aus Russells Standpunkt ist simpel: Problem gelöst. "Die FIA hat alles gelöst, worüber geklagt wurde. Aber natürlich wird es immer noch Leute geben, die darüber unglücklich sind, vor allem weiter hinten im Feld." Alle Ideen zu einer weiteren Reduktion der Motorleistung schießen seiner Ansicht nach über das Ziel hinaus: "Wenn Menschen das wollen, dann sollten sie es mal mit Formel 2 probieren."
Max Verstappen: "Wird nicht die Welt ändern"
Die Bruchlinien verlaufen aber wieder an bekannten Grenzen. Verstappen sah nur eine minimale Veränderung. "Es ist eher nur ein Kitzeln. Jeder hat sein Bestes gegeben, um etwas zu tun, aber es wird nicht die Welt ändern", so sein Standpunkt. Er sieht einen Aspekt gänzlich anders als Russell: "Es ist nicht das, was wir benötigen, um voll zu fahren." Von erhofften weitrechenden Besserungen in dieser Saison hat er sich schon verabschiedet und hofft auf einen Regelumschwung im kommenden Jahr.
Lewis Hamilton berichtete, dass er bei seiner Arbeit im Simulator keinen großen Unterschied gespürt habe, er will sich bis zu einer finalen Meinungsbildung aber noch Zeit lassen: "Es wird interessant zu sehen, wie es sich anfühlt, wenn wir im Qualifying auf der Strecke sind." Aston-Martin-Fahrer Fernando Alonso befindet sich ebenfalls im Lager seiner beiden Vielfach-Weltmeister-Kollegen: "Ich denke nicht, dass sich viel an dem ändern wird, was wir in den ersten Rennen gesehen haben."
Da es Lando Norris ähnlich sieht, sind sogar alle noch aktiven Champions einer ähnlichen Meinung. Er glaubt, dass es überhaupt nicht mehr Spielraum für Regelanpassungen gab: "Ich denke, es ist schwierig, recht viel weiterzugehen. Wenn man beginnt, einige Probleme abzudecken, entdeckt man andere Probleme."
Mit den Software-Anpassungen des Aprils wird es nicht getan sein, ist er überzeugt. "Einige Dinge sind Hardware", so Norris. Änderungen daran erfordern deutlich mehr Vorlaufzeit und sind komplizierter, unter anderem da sie mehr Potenzial besitzen, direkt in das Kräfteverhältnis einzugreifen. Während der Saison sind diese also praktisch undenkbar.
Einen positiven Punkt streicht Norris hervor: "Das Qualifying sollte ein bisschen mehr Vollgas sein, was gut ist." Wir halten also fest: Fast alle Fahrer sind der Ansicht, dass die Regeländerungen eine Verbesserung darstellen, nur beim Ausmaß gehen die Einschätzungen wild auseinander.
Während Russell als praktisch einziger schon jetzt eine vollständige Lösung der Probleme zu erkennen glaubt, scheint der Konsens eher dahin zu gehen, dass man Babyschritte macht. Aber immerhin Babyschritte in die richtige Richtung. Interessanterweise zählt dazu auch Andrea Kimi Antonelli, der dem Optimismus seines Mercedes-Teamkollegen dahingehend etwas Wind aus den Segeln nimmt. Der WM-Führende sagt: "Es wird nicht alles plötzlich viel besser sein, aber es ist ein guter erster Schritt."



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