Die Formel 1 kämpft mit ihren neuen Regeln, und dabei vor allem mit dem Fallout von Entscheidungen, die bereits vor Jahren, lange vor dem Beginn der tatsächlichen Entwicklungen, in Absprache mit den großen Auto-Herstellern getroffen wurden. Der Elektro-Trend hat Spuren hinterlassen, und viele Fragen über den reellen Mehrwert dieser Entscheidungen. Dem muss sich der Automobil-Weltverband FIA jetzt stellen.

Die Probleme mit den aktuellen Motoren waren schließlich absehbar, anhand der technischen Vorgaben. Die Autos sollten 2026 leichter werden. Das schränkte bei aber der Batterie ein. Neueinsteiger wollten die komplexe hitzebasierte Energie-Rückgewinnung über die MGU-H nicht entwickeln müssen, also wurde diese gestrichen. Zugleich war das explizite Ziel aber ein neuer Hybrid-Motor mit einem 50-50-Split von Verbrenner und Elektro.

"Wir wussten das vom ersten Tag dieser Regeln an, und wir haben denke ich daran gearbeitet, viele dieser Kompromisse abzumildern", sagt Nikolas Tombazis, Technik-Chef der FIA-Formelabteilung. Die FIA hatte vor einem Jahr schon versucht, Deployment von Elektro-Energie stärker zu beschränken, war aber an den Teams gescheitert. Letztendlich waren Pace und Abtriebszahlen der neuen Autos dann etwas höher als erwartet, was die Rückgewinnung auf der Bremse auch noch erschwerte.

Die Folgen sind nun das, was aktuell auf der Strecke fährt, viel Kritik ausgesetzt ist und nach drei Rennen doch Anpassungen im komplexen Energie-Reglement erforderte. Gut ist die Stimmung nicht, und das hängt auch über den Diskussionen für den nächsten F1-Motor. Die müssen jetzt schon beginnen, für den Fall, dass man die aktuelle Motorgeneration schon mit 2030 wieder abstoßen muss. Dabei drängt sich die Hersteller-Frage sofort wieder auf.

Elektro-Fokus in der Formel 1 2026 unvermeidbar - aber in Zukunft nicht mehr?

Vonseiten der FIA und auch von den kommerziellen Rechteinhabern Liberty Media und ihrem F1-CEO Stefano Domenicali wurde in den letzten Wochen bei der Kritik an den Regeln wiederholt unterstrichen, dass die Formel 1 keine so große Hersteller-Deckung mit fünf Motoren hätte, wenn man die Regeln für 2026 nicht in diese Richtung gebracht hätte. "Sonst würden wir nicht über die Formel 1 sprechen, wir hätten keine Hersteller", meinte Domenicali zuletzt gegenüber 'The Race'.

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Doch inzwischen hat sich der Kontext in der Industrie doch etwas geändert. "Als wir die aktuellen Regeln diskutiert haben, meinten die beteiligten Autokonzerne zu uns, dass sie nie wieder einen neuen Verbrennungsmotor entwickeln würden", sagt FIA-Techniker Tombazis. "Sie würden alle ausrangieren, und ab irgendeinem Jahr wären sie vollelektrisch, zum Beispiel."

"Das ist offensichtlich nicht passiert", stellt Tombazis nüchtern fest. "Ohne hier die Wichtigkeit der globalen Elektrifizierung zu unterschätzen, aber es ist wie gesagt nicht so umfangreich passiert. Zum anderen - und das ist etwas, das ist nicht sehr sichtbar und wird nicht oft diskutiert - haben wir jetzt komplett nachhaltige Treibstoffe. Das ist ein recht gutes Ergebnis."

Neuer Kurs für die Formel-1-Regeln der Zukunft?

Gerade über die nachhaltigen Treibstoffe kam in den letzten Jahren immer wieder der Gedanke zurück in die Formel 1, dass man so doch die Hybrid-Komponente minimieren oder ganz abschaffen und wieder zu traditionellen V8- oder V10-Motoren zurückkehren könnte. Ein reiner Fokus auf ein sportliches Spektakel. Selbst FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem thematisierte solche Ideen in der jüngeren Vergangenheit wiederholt.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist hier, dass die aktuellen Hybrid-Motoren aufgrund ihrer Komplexität extrem teuer zu entwickeln und einzusetzen sind. Das birgt weitere offensichtliche Gefahren. Sollte einer der aktuell beteiligten Konzerne in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, oder auch der ganze Automobil-Sektor, so würden die unvermeidlich folgenden Ausstiege die Formel 1 sofort und hart treffen.

Konzerne sind für oft abrupte Entscheidungen bekannt. Das hat die Vergangenheit wiederholt gezeigt. "Wenn es um die Zukunft geht, müssen wir den Sport vor der makroökonomischen Lage schützen", warnt Tombazis daher. "Wir dürfen also keine Geiseln von Autoherstellern sein, die entscheiden, ob sie Teil unseres Sportes sind oder nicht."

"Wir wollen sie als Teil unseres Sportes, ganz klar, deswegen haben wir so hart daran gearbeitet, neue an Bord zu bekommen", sagt Tombazis. "Aber wir dürfen auch in keiner Position sein, in der wir plötzlich verwundbar sind, wenn sie sich entscheiden, dass sie nicht hier sein wollen. Und wir müssen daran arbeiten, die Kosten zu drücken."

"Es mag also etwas seltsam klingen, solche Dinge nach den ersten paar Rennen eines neuen Zyklus schon zu diskutieren, aber das ist der natürliche Zyklus solcher Diskussionen", so Tombazis. Wohin geht die Reise? Werden die aktuellen Motoren tatsächlich nach vier Jahren schon wieder ausrangiert werden? Die nächsten Monate werden bereits richtungsweisend sein.

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