FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem brachte im Rahmen des Formel-1-Wochenendes in Silverstone erneut die Abkehr von den V6-Hybriden auf den Tisch. Der Emirati sagte, dass die Königsklasse schon 2029 mit V8-Motoren fahren könnte, die mit nachhaltigem Treibstoff angetrieben werden.

Das geht aus einer Meldung von Reuters hervor. Demnach nannte Ben Sulayem als Argument für einen Schritt in diese Richtung vor allem die Kosten. "Die derzeitigen Motoren sind so kompliziert und sie sind sehr teuer", so Ben Sulayem. "Die Forschung und Entwicklung erreicht Kosten von 200 Millionen US-Dollar (ca. 170 Mio. Euro) und der Motor kostet etwa 1,8 bis 2,1 [Millionen Dollar, d. Red]", rechnete er vor.

Ben Sulayem geht davon aus, dass mit einem Umstieg auf V8-Antriebe die Kosten auf etwa die Hälfte reduziert werden könnten. Rufe des FIA-Präsidenten nach einer Kehrtwende bei den Power Units in der Königsklasse sind nichts Neues. Im Februar brachte er einen Umstieg auf V10-Antriebe ins Spiel, was auf viel Widerhall stieß und eine breit angelegte Debatte über die Zukunft der Formel-1-Motoren anregte.

Diese ging sogar soweit, dass im Rahmen des Bahrain-GPs ein großer Motorengipfel abgehalten wurde, an dem neben Ben Sulayem und Nikolas Tombazis als FIA-Vertreter auch F1-Boss Stefano Domenicali und alle Formel-1-Motorenhersteller teilnahmen. In diesem wurde die bereits beschlossene Einführung der zu 50 Prozent von Hybrid angetriebenen V6-Motoren ab 2026 bestätigt.

Ben Sulayem drückt bei Motor-Frage auf das Tempo: Wir müssen es schnell tun

Allerdings mit dem Kompromiss, dass man die Dauer der neuen Antriebsgeneration möglicherweise verkürzen könnte. Eigentlich besitzt das Motor-Reglement bis Ende 2030 Gültigkeit, je nach den ersten Erfahrungen 2026 könnte das Ende aber schon vorgezogen werden. 2029 gilt als der frühestmögliche Termin, um davon Gebrauch zu machen.

Deshalb nennt Ben Sulayem wohl auch diese Jahreszahl: "Wir müssen es schnell tun", fordert er. "Man benötigt drei Jahre, also hoffentlich haben wir 2029 etwas." Dass die Idee von V10 inzwischen auf V8 zurückgeschraubt wird, könnte ebenfalls ein Ergebnis des Bahrain-Treffens sein. Denn diese Antriebsform soll dort mehr Anklang gefunden haben.

Genauere Details, wie ein V8-Reglement in der Formel 1 aussehen könnte, nannte Ben Sulayem noch keine. In dem schon genannten Bahrain-Gipfel wurde auch unterstrichen, dass ein gewisses Maß an Elektrifizierung auch über die kommende Motorengeneration hinaus Teil der Königsklasse bleiben sollte - vor allem aus kommerziellen Gründen. Ben Sulayem glaubt, dass aber auch die V8-Motoren kommerziell Anklang finden würden. "Viele der Hersteller bauen V8-Antriebe in ihre Autos ein, also ist es kommerziell richtig", erklärte er.

In Hinblick auf 2026 hält sich nach wie vor beständig Kritik an dem neuen technischen Reglement der Königsklasse, bei dem das Chassis-Reglement vorwiegend an die Erfordernisse der Motoren angepasst wurde. Lance Stroll verschaffte jüngst vor dem Großbritannien-GP nach negativen Erfahrungen im Simulator seiner Meinung Luft. In Österreich hatte schon Charles Leclerc Kritik geäußert. Es waren aber beileibe nicht die ersten Aussagen in diese Richtung.

Zwölftes Formel-1-Team aus China: FIA-Boss wiederholt alte Forderung

Ben Sulayem beließ es in Silverstone nicht bei seiner Motor-Forderung, sondern wiederholte auch die Möglichkeit eines zwölften Teams in der Formel 1, das aus China kommen sollte. Allerdings hat er dabei im Gegensatz zur Power-Unit-Frage keine Eile. "Die Zeit wird kommen, in der wir glauben, dass es richtig ist, eine Interessenbekundung zu eröffnen."

Einen neuen Streit mit der FOM und den derzeitigen F1-Teams, wie er im Rahmen der Cadillac-Bewerbung aufgekommen ist, will er dabei aber tunlichst vermeiden. "Wir sind nicht hier, um andere Teams zu ärgern. Wir werden nicht einfach hingehen und es tun, nur weil wir es tun wollen. Es muss sich für uns lohnen. Das Team muss einen Mehrwert schaffen, um das Geschäft der Formel 1 aufrechtzuerhalten", betonte der FIA-Präsident.

Am 12. Dezember stellt sich Ben Sulayem als Amtsinhaber der Wahl zum FIA-Präsidenten. Wie ebenfalls in Silverstone bekanntwurde, hat er dabei aber Konkurrenz. Der US-Amerikaner Tim Mayer brachte sich als Gegenkandidat in Stellung. Alles dazu könnt ihr hier nachlesen: