Die MotoGP nähert sich mehr und mehr dem Beginn einer neuen Ära. Fast alle Hersteller haben in den vergangenen Wochen bereits private Testfahrten mit ihren ersten Prototypen der neuen 850ccm-Motorräder durchgeführt und Ende Juni wartet in Brünn bereits der erste offizielle Test für diese neue Generation an MotoGP-Bikes. Im Jerez-Test am Montag waren daher eigentlich keine größeren Neuerungen für die auslaufenden 1000ccm-Modelle erwartet worden. Doch falsch gedacht, denn Aprilia sorgte auf dem Circuito de Jerez - Angel Nieto sehr wohl für Aufsehen.

Aprilia überrascht im Jerez-Test mit neuem Flügelkonstrukt am Heck

Die erste faszinierende Innovation aus Noale wurde bereits beim Blick in die Garage von Testfahrer Lorenzo Savadori, der schon das vergangene Wochenende in Jerez als Wildcardpilot bestritten hatte, ersichtlich. Am Heck seiner RS-GP prangte eine völlig neue Konstruktion, die nichts mehr mit jenen Heckflügel-Variationen gemein hatte, die wir 2026 bislang zu sehen bekommen hatten. Seht hier selbst:

Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)
Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)
Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)
Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)

Der nächste aerodynamische Geniestreich der Truppe um Technikdirektor Fabiano Sterlacchini? Ja, vielleicht. Allerdings nicht so, wie der ein oder andere jetzt denken mag. Denn im Renneinsatz werden wir dieses Bauteil am Heck der RS-GP wohl nicht zu Gesicht bekommen. Es handelt sich dabei nämlich nicht um einen Heckflügel im klassischen Sinne, sondern lediglich um ein aerodynamisches Messgerät.

"Wir sammeln mit Lorenzo jetzt noch mehr Daten. In der kurzen Pause bis zum nächsten Rennen [dem Frankreich-GP am 10. Mai, Anm.] werden wir sie dann zuhause analysieren und versuchen zu verstehen, was wir in den nächsten Rennen noch besser machen können", wollte Teammanager Paolo Bonora im Gespräch mit MotoGP-Reporter Kiko Giles noch nicht so richtig mit der Sprache rausrücken, aber Savadori bestätigte den Verdacht. "Es ist ein aerodynamisches Messgerät", verriet er in seiner Medienrunde am Montagnachmittag. Vermutlich will Aprilia damit also den Luftfluss rund um das Heck der RS-GP noch genauer messen und herausfinden, ob ihre Computersimulationen mit der Realität übereinstimmen.

Ganz interessant: Bonora verkündete im MotoGP-Format 'Midday Live' zunächst noch, dass die Stammfahrer im Jerez-Test nicht in den Genuss dieses neuen Messgeräts kommen würden. Am Nachmittag rollte WM-Leader Marco Bezzecchi dann aber doch mit der Konstruktion am Heck seiner RS-GP aus - nur um dann bereits in seiner ersten fliegenden Runde im schnellen Rechtsknick von Kurve elf zu Sturz zu kommen. Das Motorrad musste der Italiener an der Unfallstelle zurücklassen, wurde per Scooter von einem Yamaha-Mitarbeiter zurück ins Paddock gebracht - mit dem Messgerät in der Hand. Man darf also vermuten, dass dieses Teil keine unwichtige Bedeutung für die Aprilia-Crew hat und nicht für längere Zeit unbeaufsichtigt bleiben soll.

Foto: Motorsport-Magazin.com
Foto: Motorsport-Magazin.com

Haifischzähne an der Seitenverkleidung! Will Aprilia noch näher an den Boden?

Damit aber nicht genug, denn zur Mittagszeit tauchte auch noch eine zweite, höchstinteressante Neuerung an der RS-GP von Jorge Martin auf. Am unteren Ende der Seitenverkleidung wurden hier kleine Anbauteile entdeckt, die im Aussehen an die Zähne von Haifischen erinnerten. In seiner Medienrunde von Motorsport-Magazin.com darauf angesprochen, hielt sich der 'Martinator' bedeckt. "Ich war beeindruckt, das war auch für mich neu. Das ist Aprilia-Zeugs. Ich glaube nicht, dass das irgendetwas bewirkt am Motorrad. Sie probieren einfach ein paar Dinge aus", kommentierte er geheimnisvoll.

Hier könnt ihr euch selbst ein Bild von diesen Haifischzähnen am unteren Ende der Seitenverkleidung machen:

Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)
Foto: Ronny Lekl (gp-photo.de)

Was Noale hiermit wohl bezwecken will? Es gibt im MotoGP-Fahrerlager unterschiedliche Theorien. Eine besagt beispielsweise, dass es sich dabei um Lasermessgeräte handeln könnte, die den Abstand zum Asphalt messen. Eine weitere Theorie behauptet, dass mit diesen Bauteilen der Luftfluss im unteren Bereich des Motorrads gemessen werden soll, um den 'Ground effect' besser beurteilen zu können. Die wahrscheinlichste Variante besagt jedoch, dass es sich dabei schlicht um Blöcke handelt, die beim Kontakt mit dem Asphalt abgeschliffen werden können. So könnte Aprilia herausfinden, wie viel Abstand in Schräglage noch zwischen Seitenverkleidung und Boden gegeben ist. Ziel könnte es dann sein, diesen Abstand so weit wie möglich zu verringern, um den 'Ground effect' zu maximieren.

Was meint ihr, was Aprilia mit diesen beiden technischen Neuerungen erreichen will? Sagt es uns in den Kommentaren!

Was im Jerez-Test sonst noch so los war, könnt ihr derweil in unserem Bericht zum Tagesgeschehen nachlesen: