Aprilia hatte zu Beginn der Saison die MotoGP-Welt auf den Kopf gestellt und die Dominatoren von Ducati mit drei Triumphen in Folge in den Schatten gestellt. Zum Europa-Auftakt in Jerez hat Borgo Panigale nun mit dem ersten Saisonsieg im Grand Prix zurückgeschlagen. Dennoch war auch dieser Erfolg ungewöhnlich, denn die Speerspitzen der Desmosedicis tragen nicht mehr Rot. Die Kunden sind derzeit König im Hause Ducati.

Ducati gutes Motorrad: Marc Marquez muss 'einfach besser fahren'

Alex Marquez sorgte mit einem dominanten Auftritt für die erste Aprilia-Niederlage. Fabio Di Giannantonio ist der bestplatzierte Pilot in der MotoGP-Fahrerwertung und konnte bisher als einziger Konstanz an den Tag legen. Damit sind die beiden Kunden-GP26 im Feld dem Werksteam voraus. Rot ist derzeit eine Farbe der Krise.

Marc Marquez vor dem Rennen in Jerez
Marc Marquez ist derzeit nicht auf der Höhe, Foto: IMAGO / NurPhoto

Bei Francesco Bagnaia ist das ehrlicherweise nichts Neues, doch auch Weltmeister Marc Marquez musste bei seinem Heimrennen feststellen, dass er selbst mit verbesserter Fitness nach langer Trainingszeit derzeit einfach zu langsam ist. "Ich fuhr komfortabel, aber nicht schnell im Trockenen. Ich hatte die Erwartung, etwa um Platz drei oder vier zu kämpfen. Das wäre meine Platzierung gewesen", gab er offen zu, nachdem er früh und unerklärlich gestürzt war. Dem Material will er dafür aber dezidiert nicht die Schuld geben: "Ich glaube immer noch, dass die Ducati eines der besten Motorräder im Feld ist, wenn nicht das Beste. Ich muss einfach besser fahren."

Alex Marquez gewinnt, hat aber keine Erklärung für Ducatis Formschwankungen

Sieger Alex Marquez fand keine klare Erklärung für den Wechsel der Kräfteverhältnisse: "Das ist schwer zu beantworten. Ich glaube, das hängt von der Strecke ab. Wir haben einige Momente gesehen, in denen Marc sehr stark war. Auch Pecco [Bagnaia] hatte ein paar Highlights. Es stimmt aber, dass Fabio der Fahrer war, der die Pace konstanter brachte. Es ist also eine gute Frage."

Alex Marquez fuhr der Konkurrenz davon, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Alex Marquez fuhr der Konkurrenz davon, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Letztlich sei wohl einfach der Faktor Fahrer und das richtige Gefühl momentan entscheidend: "Ich glaube aber, dass wir vier alle auf einem ähnlichen Niveau sind. Nur haben Fabio oder Marc es häufiger an den Wochenenden dieses Jahres geschafft, dieses Potential auch zu nutzen. Ich und Pecco hingegen hatten etwas größere Probleme. Das wird interessant zu sehen, wie sich das die nächsten zwei, drei Rennen entwickelt." Dem entsprechend spürt der Gresini-Pilot auch keinerlei Sicherheit, seinen Erfolg reproduzieren zu können. Mehr dazu hier:

Nur Fabio Di Giannantonio konstant, doch er hadert mit MotoGP-Setup

Fabio Di Giannantonio war bisher eindeutig der konstanteste Ducatisti. Der VR46-Fahrer sieht darin vor allem einen Beweis für die gute Arbeit seiner Mannschaft: "Ich bin sehr glücklich und stolz darüber, was uns in diesem ersten Teil der Saison gelungen ist. Ich glaube, dass wir einen klaren Fortschritt in unserer Kommunikation und unserer Arbeitsmethode erreicht haben. Ich bin meinem Team sehr dankbar. Sie geben mir alles, was ich brauche, um schnell zu sein."

Dementsprechend würden es der Römer und seine Crew derzeit einfach am besten verstehen, so viel wie möglich aus dem Paket herauszuholen. In Jerez gelang das trotz erneutem Podestplatz aber nicht zur Gänze. "Während des Rennens litt ich ein bisschen unter Untersteuern. Gestern [am Samstag] hatte ich etwas dagegen gefunden, aber heute Morgen [im Warm Up] habe ich dann wieder mein Basis-Setup verwendet. Ich fühlte mich damit besser als im Sprint, also blieb ich dabei. Aber am Nachmittag [im Rennen] war es dann wieder schlechter. Wenn du auf diesem Niveau ankommst, dann machen kleine Dinge den Unterschied aus. Ich muss lernen, wie ich dieses Untersteuern loswerde", gab 'Diggia' eine Fehlentscheidung bei der Setup-Wahl zu.

Fabio Di Giannantonio bejubelt Rang drei in Jerez mit seinem VR46-Team
Diggia sieht sein Team als Erfolgsfaktor, Foto: IMAGO / ZUMA Press

Marc Marquez bestätigt das Ducati-Problem: Es hapert weiter an der Front

Doch zumindest scheint er jedoch deutlich weniger Probleme zu haben als die Kollegen des Werksteams. Marc Marquez wurde im Bezug auf den Test am Montag erstmals etwas konkreter, was die größte Baustelle ist: "Wir müssen versuchen, das Gefühl für die Front zu verbessern, ohne dabei Speed zu verlieren. Es wird einen Kompromiss brauchen. Wenn die Rundenzeit kommt, dann haben wir eine gute Lösung gefunden."

Marc Marquez fehlt Gefühl für die Front, Foto: Ducati Media
Marc Marquez fehlt Gefühl für die Front, Foto: Ducati Media

Seine zu häufig gewordenen Ausfälle sind mit dieser Unsicherheit am Vorderrad verbunden: "Aus irgendeinem Grund kann ich momentan nicht dasselbe Gefühl aufbauen wie letztes Jahr. Im Vorjahr fiel das Fahren leicht und ich hatte immer eine gute Position auf dem Motorrad. Dieses Jahr kann ich das nicht und ich stürze zu oft. Es gibt sicher einige Dinge, die ich verstehen lernen muss."

Am Ende gehen die Ducati-Piloten weiterhin wenig ins Detail, aber die Puzzlestücke passen zusammen. Wie bereits in den Aussagen nach Austin zu hören war, bleibt die Front der GP26 das Problem. Fabio Di Giannantonio und in Jerez dann auch Alex Marquez haben sich daran einfach besser angepasst. Dauerhaft gelöst haben sie die Probleme aber auch nicht. 'Diggia' haderte mit Untersteuern und der Vizemeister weiß nicht, warum er plötzlich dominierte. Es bleibt also viel Arbeit für Gigi Dall'Igna, auch wenn die Kunden derzeit Hoffnung machen.

Alex Marquez und Fabio Di Giannatonio könnten Ducati aber beide für 2027 abhandenkommen. Der Wechsel des Vizemeisters zu KTM wird fest erwartet, aber auch 'Diggia' könnte es in Richtung Mattighofen ziehen. Mehr dazu hier: