Der Monaco-GP der Formel 1 geht weiter. Mit Mercedes hat sich das vierte Team in die großflächige Protest-Schlacht um die falsch gemessenen Tempolimits in der Boxengasse gestürzt. In ihrem Fall mit einem Right of Review gegen ein bereits erfolgreiches Right of Review. Der kuriose Protest-Kniff wurde rechtzeitig eingereicht und wird nun am 13. Tag nach dem Zieleinlauf des Rennens am nächsten Samstag verhandelt werden.
Damit bemüht Mercedes einen anderen Rechtsweg als McLaren und Red Bull. Diese beiden hatten am Dienstag vor dem Internationalen FIA-Berufungsgericht ein offizielles Berufungsverfahren in Gang gesetzt, waren also in die nächste Instanz gegangen. Sie fordern unmissverständlich, dass Pierre Gaslys zwei eigentlich für nichtig erklärte 5-Sekunden-Strafen rechtens waren und wieder aufaddiert werden müssen, wodurch Gasly sein Podium erneut verlieren würde.
Für Mercedes sind die Ziele aber schwammiger. Was genau will das Team? Ihr Problem ist schließlich, dass George Russell wie Gasly wegen der falsch vermessenen Timing-Schleife in der Boxengasse basierend auf der Logik der Alpine-Entscheidung zu Unrecht für eine Übertretung des Tempolimits bestraft wurde. Da man dann allerdings das Absitzen dieser Strafe verpeilte, bekam Russell obendrauf eine Durchfahrtsstrafe.
Was genau plant Mercedes mit dem Right of Review jetzt?
In der Theorie sind dann aber wie bei Gasly auch die Russell-Strafen alle ungerechtfertigt. So ist es nur verständlich, dass Mercedes nun gerne wissen will, wie genau man das Rücknehmen von ausgewählten Strafen vonseiten der FIA-Stewards rechtfertigt. Toto Wolff erklärte in Barcelona vage, dass er und sein Team "einfach mit am Tisch sitzen wollen, wenn die Entscheidungen getroffen werden." Ohne genaue Ziele des eigenen Right of Reviews zu nennen.
Dass auf ein Right of Review mit einem weiteren Right of Review reagiert wird, ist grundsätzlich möglich, weil der Internationale Sportkodex der FIA solche Verfahren sowohl gegen reguläre als auch gegen außertourliche Stewards-Entscheidungen (wie es die Gasly-Entscheidung war) erlaubt. In der Theorie könnte man also Right of Reviews unendlich weiter ziehen.
In der Praxis schränkt natürlich ein, dass für ein erfolgreiches Right of Review Mercedes jetzt neue, signifikante und für den Fall relevante Beweise vorbringen muss, welche den Stewards zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht zugänglich waren. Welche das sind, wo doch das erste Verfahren bereits großflächig Telemetriedaten (einschließlich von Mercedes) einzog und Vertreter von FIA und der F1-Zeitnahme befragte, ist unklar.
Mangels Details über die Ziele der die Beweise von Mercedes bleibt nur das Abwarten bis zum Samstag. Um 09:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurde die erste virtuelle Anhörung angesetzt. Bei dieser wird nur entschieden, ob die Mercedes-Beweise überhaupt zulässig sind. Sollten sie das sein, so ist mit einer direkt anschließenden Verhandlung und Entscheidung noch am selben Tag zu rechnen.
Etwaige dabei entstehende Ergebnis-Änderungen könnten das weitere Vorgehen anderer Teams beeinflussen. Sollte die Gasly-Strafe zurückgenommen werden, darf man wohl davon ausgehen, dass Alpine ein Berufungsverfahren starten wird. Sollte - so absurd das auch klingen mag - gar eine Ergebnis-Korrektur zugunsten von Russell stattfinden, wären weitere Berufungen von McLaren, Red Bull und potenziell noch mehr Teams wohl unvermeidlich.



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