Wie schnell sich das Blatt in der Formel 1 wenden kann, zeigt gerade Lewis Hamilton. Es ist noch nicht lange her, dass ihn Journalisten zu einem möglichen Ruhestand befragten. Nun wird er als großer Held gefeiert und sogar als potenzieller WM-Kandidat 2026 gehandelt.
Auch wenn F1-Experte Christian Danner Hamiltons 106. GP-Sieg nicht schmälern will, so ruft er doch in Erinnerung: "Auch Sebastian Vettel und Fernando Alonso haben einen Sieg mit Ferrari gefeiert." Vettel stand beim Malaysia GP, seinem zweiten Rennen in Rot, auf dem Siegerpodest.
Alonso gelang dieses Kunststück sogar in seinem ersten Rennen. Trotzdem scheiterten beide daran, Ferrari wieder an die Spitze der Königsklasse zu führen. "Entscheidend ist jetzt, wie es weitergeht, und daran wird Lewis letztendlich auch gemessen werden", betont Danner im AvD Motorsport-Magazin.
Vergleich: Sebastian Vettel, Fernando Alonso und Lewis Hamilton bei Ferrari
| Fahrer | Saison | Rennstarts | Pole Positions | Podien | Siege |
| Fernando Alonso | 2010-2014 | 96 | 4 | 44 | 11 |
| Sebastian Vettel | 2015-2020 | 118 | 12 | 55 | 14 |
| Lewis Hamilton | seit 2025 | 31 | 0 | 4 | 1 |
Hamilton nur Passagier oder der Kontrolleur?
Natürlich wurde nach dem GP Barcelona-Catalunya auch debattiert, ob Hamilton ohne das Virtual Safety Car (VSC) gewonnen hätte. Für Danner steht fest: Das VSC hat Lewis Hamilton Leben auf jeden Fall leichter gemacht. "Man hat feststellen können, wie die Autos angefangen haben, zu rutschen. Ich sage einmal, wahrscheinlich wegen der Oberflächenüberhitzung der Reifen. Das ist natürlich beim Hinterherfahren echt blöd [...]. Ich will nicht ausschließen, dass er trotzdem gewonnen hätte, aber es ist ihm schon deutlich leichter gemacht worden", meint Danner.
Für ihn ist jedoch nicht das VSC das Interessanteste am Rennwochenende gewesen, sondern vielmehr, wie sich Hamilton vom FP2 - wo er mit über einer Sekunde Rückstand auf Platz neun zu finden war - nach vorne kämpfte, sich im Qualifying fast die Pole sicherte und im Rennen den Sieg holte. Genau hier stellt sich laut Danner die alles entscheidende Frage: War der 41-Jährige nur Passagier in einer Entwicklung, die zu seinen Gunsten ausfiel, oder hatte er die Kontrolle und hat sein Schicksal selbst bestimmt?
"Denn nur wenn sie wussten, was sie machen, und das zu diesem Ergebnis geführt hat, kann man es reproduzieren. Und das Reproduzieren ist ja das Entscheidende. Österreich ist wieder eine ganz andere Strecke und da muss er natürlich, wenn es jetzt so weitergehen soll, wieder dieselben Hebel finden, die dazu geführt haben, dass das Auto und er so gut zusammengepasst haben", so Danner.
Jedoch spielen auch andere Faktoren eine Rolle in Hamiltons Ferrari-Aufschwung. Das Team vollzog eine umfassende Neuorganisation des Ingenieurs-Setups rund um Hamilton, einschließlich des viel beachteten Wechsels seines Renningenieurs. Erst kürzlich bezeichnete Hamilton Carlo Santi als seinen "italienischen Bono" und das Setup als "eine Million Mal besser als im vergangenen Jahr". Zusätzlich nahm Ferrari technische Anpassungen vor und setzt bei Hamilton seit dem Japan GP auf Bremsscheiben von Carbone Industrie, demselben Lieferanten, den er bereits bei Mercedes und McLaren genutzt hatte.
Hamilton dankt Ferrari-Teamchef
Auch wenn das sogenannte Bremsgefühl (Pedal Feel) für Außenstehende schwer greifbar ist, ist es für die Leistung eines Fahrers von entscheidender Bedeutung - nicht nur beim eigentlichen Bremsvorgang und Verzögern des Autos, sondern auch dabei, das Fahrzeug optimal in die Kurve zu bringen und die Grundlage für den gesamten weiteren Kurvenverlauf zu schaffen.
Entsprechend bedankte sich Hamilton nach seinem ersten Ferrari-Sieg bei Teamchef Fred Vasseur dafür, dass er ihn unterstützt hat, während er hinter den Kulissen "sehr, sehr deutlich" und "unerbittlich" auf bestimmte Veränderungen bei Ferrari gedrängt habe. Doch laut Danner dürfe man nicht den Fehler begehen zu glauben, dass Hamilton Maranello völlig umgekrempelt habe.
"Ferrari ist und bleibt Ferrari", weiß Danner. "Ich glaube nicht, dass Ferrari jetzt so funktioniert, wie Mercedes das für Hamilton getan hat. Es gibt da ein paar Kleinigkeiten, die man ändern kann, wie den Ingenieur und solche Sachen, ein bisschen Kommunikationssachen. Aber ich bin der Meinung, dass sich Lewis angepasst hat – und da muss man ihm schon auch noch ein Extralob geben."



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