Nach elf Saisonrennen geht die Formel 1 in ihre traditionelle Sommerpause. Besonders einer kann in den nächsten zwei Wochen vollkommen entspannen und das heiße Wetter genießen: Kimi Antonelli. Der Mercedes-Pilot führt mit 50 Punkten Vorsprung die WM-Tabelle an und hat sich eine Pause nun mehr als verdient. Aber was bedeutet die Sommerpause eigentlich genau für die Fahrer, Teams und Fabriken? Und warum gibt es sie überhaupt? Motorsport-Magazin.com hat nachgeforscht und liefert euch hier die Erklärung zum sogenannten Formel-1-Shutdown im August.
Warum gibt es den 14-tägigen Shutdown?
Die verpflichtende Sommerpause wurde aus mehreren Gründen eingeführt. Einerseits soll sie den Teams helfen, Kosten einzusparen. Andererseits erstreckt sich der Formel-1-Kalender mittlerweile über neun Monate. Früher - bei einem noch weniger vollgestopften Terminplan - arbeiteten die Teams über den Sommer und über Weihnachten nahezu ununterbrochen.
Um die Dauerbelastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verhindern und den Teams und Fahrern zumindest eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, wurde 2014 der verpflichtende Shutdown eingeführt. So soll sichergestellt werden, dass die Teams auch wirklich die Seele baumeln lassen und neue Energie tanken können. Zusätzlich zur Sommerpause schreibt das FIA-Reglement auch eine verpflichtende neuntägige Ruhezeit nach Weihnachten vor.
Wann startet die Sommerpause für die Formel-1-Teams?
Ein einheitliches Datum für den Shutdown gibt es nicht. Jedes Team muss der FIA jedoch spätestens 30 Tage vor Saisonbeginn mitteilen, wann es die verpflichtende 14-tägige Pause absolviert.
Laut FIA-Reglement muss der Shutdown insgesamt an "vierzehn aufeinanderfolgenden Kalendertagen während der Monate Juli und/oder August" erfolgen. Da im Juli drei Rennwochenenden stattfanden, blieb in diesem Jahr nur das Zeitfenster zwischen dem Ungarn GP und dem Grand Prix der Niederlande in Zandvoort als möglicher Termin übrig.
Welche Tätigkeiten müssen stillgelegt werden?
Die Grundregel ist einfach: Alle Tätigkeiten, die zur Performance-Steigerung der F1-Boliden beitragen könnten, sind strikt untersagt. Dazu gehören:
- Windkanal: Der Betrieb oder die Nutzung eines Windkanals zu F1-Zwecken
- CFD-Simulationen: Die Nutzung von Computerressourcen für aerodynamische Simulationen
- Prototypenbau: Die Produktion oder Entwicklung von Windkanalteilen, Autoteilen, Testteilen oder Werkzeugen
- Montage: Das Bauen von Autoteilen oder Montieren an Autos
- Personalstopp: Jegliche Arbeitstätigkeit von Mitarbeitern, Beratern oder Subunternehmern aus den Bereichen Design, Entwicklung oder Produktion. Es ist sogar untersagt, Formel-1-spezifische E-Mails zu verschicken.
Auch wenn die Fabriken und Laptops geschlossen bleiben müssen - den Designern und Ingenieuren das Denken zu verbieten, ist schier unmöglich. Ideen entstehen schließlich nicht nur im Büro. Adrian Newey hat oft genug bewiesen, dass dafür manchmal schon ein Zeichenbrett und ein Bleistift genügen. Gut möglich also, dass manche Teams nach der Sommerpause mit völlig neuen kreativen Konzepten zurückkehren.
Was darf trotz Pause gemacht werden?
Angesichts der langen Verbotsliste bleiben nur wenige Ausnahmen. Grundsätzlich erlaubt sind Tätigkeiten ohne Bezug zur Entwicklung des Formel-1-Autos sowie administrative Arbeiten. Laut FIA-Artikel F3.1.4 zählen dazu:
- Reparaturen/Wiederaufbau nach Unfällen: Arbeiten an einem Auto, das vor der Pause schwer beschädigt wurde (nur mit ausdrücklicher Genehmigung der FIA)
- Showcars: Wartung und Zusammenbau von statischen oder fahrenden Show-Fahrzeugen (ohne Verwendung aktueller F1-Teile)
- Fremdprojekte & Anlagenwartung: Windkanal- oder CFD-Nutzung für Projekte außerhalb der Formel 1, für andere Teams (die sich gerade nicht im Shutdown befinden) oder reine Software- und Anlagen-Upgrades
- Fabrik & Logistik: Wartungsarbeiten an den Werksanlagen und IT-Netzwerken, Vorbereitung von Seefracht (ohne Autokomponenten) sowie die reine Bestandsaufnahme und Inventur für finanzielle Zwecke
- Mitarbeiter-Wohlbefinden: Aktivitäten, die ausschließlich dem Teambuilding oder der Unterhaltung des Personals dienen
Was machen die Fahrer während der Pause?
Da sich die Vorschriften in erster Linie auf den Werksbetrieb und die technische Entwicklung beziehen, gilt der strikte Shutdown nicht im gleichen Maße für die Piloten selbst. Dennoch nutzen die Formel-1-Stars die zweiwöchige Pause primär zur Erholung, für Reisen oder Zeit mit Freunden und Familie.
George Russell nutzt die freie Zeit zum Beispiel schon zum Jet-Ski-Fahren und Max Verstappen wurde in der Pause bereits beim Inline-Skaten mit seiner Stieftochter Penelope gesichtet. Ganz ohne Arbeit geht es für die Piloten allerdings auch nicht: Fitnesstraining steht weiterhin auf dem Programm. Manche Piloten analysieren außerdem gerne die erste Saisonhälfte, um optimal vorbereitet für die weiteren Rennen zu sein.
Wann geht es mit der Formel 1 weiter?
Sobald die Teams ihre vorgeschriebenen 14 Tage Pause absolviert haben, erwachen die Fabriken wieder zum Leben. Die Designbüros und Entwicklungsabteilungen öffnen ihre Türen, die Ingenieure werten die Erkenntnisse der ersten Saisonhälfte aus und bereiten die nächsten Update-Pakete vor.
Damit ist die Zeit zum Durchatmen wieder vorbei, denn das nächste Rennwochenende lässt danach nicht lange auf sich warten: Bereits am 21. August starten die Formel-1-Fahrer in ihr erstes Freies Training auf dem Circuit Zandvoort in den Niederlanden.



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