Das kannte er aus der Superbike-WM noch anders. Auch in seinem geliebten Misano erlebte Toprak Razgatlioglu das Schema F der bisherigen MotoGP-Karriere. Sein brustschwaches Motorrad schickt ihn in ein immerwährendes Renn-Jojo und die einzige Lösung des Problems will derzeit überhaupt nicht gelingen.
Superbike-Erfolge in Misano sind Vergangenheit: Der ewige Kampf des Toprak Razgatlioglu
"Ich kenne die Strecke, aber das war keine Hilfe auf einem anderen Motorrad und anderen Reifen", seufzte der Pramac-Pilot nach Rang 12 am Sonntag. Was sich auf dem Papier gar nicht so schlecht anhört, wird bei nur 14 Piloten im Ziel schnell wieder relativiert. Seine acht Siege in der Superbike WM auf dem World Circuit Marco Simoncelli blieben nur schöne Erinnerungen. Egal ob bekannter Kurs oder nicht: 'El Turco' macht derzeit immer wieder die gleiche deprimierende Erfahrung.

"In der Superbike habe ich das hier genossen, denn ich lag immer vorn. Jetzt kann ich mich nicht freuen, denn ich muss kämpfen", sagt uns Raztaglioglu. Dann beschreibt er uns seinen aussichtslosen Kampf: "Auf den Geraden ist das Bike nicht schnell und dann müssen wir in den Kurven pushen. Im Rennen kämpfen wir dann immer gegen diese Lücke an. Auf den Geraden ziehen sie [die Konkurrenten auf anderen Motorrädern, Anm. d. Red.] weg, dann müssen wir auf der Bremse und in der Kurve pushen, um die Lücke wieder zu schließen. So läuft das Rennen immer ab."
Überholverbot im MotoGP-Jojo verschleiert wahre Rennpace: So schnell wie Quartararo!
Der V4-Motor bei Yamaha ist weiterhin ein gewaltiges Handicap und treibt den Königsklassen-Neuling in ein ewiges Jojo-Spiel, das er auf Dauer nur verlieren kann. "Das ist hart, weil ich so nie jemanden überholen kann. Ich fahre nur ran, dann ziehen sie wieder weg und ich fahre wieder ran. Jede Runde ist es so und am Ende baut mein Vorderreifen dadurch ab. Besonders in Rechtskurven wird das Abbremsen nicht mehr einfach, da fängt die Front zu blockieren an", konstatiert der dreifache Superbike-Champion.

Dabei wäre sein Potential in Sachen Rundenzeiten an sich gar nicht schlecht im Renntrimm. "Die Pace war sehr ähnlich zu der von Fabio [Quartararo], da ist uns ein guter Fortschritt gelungen", meint Razgatlioglu. Doch es gibt das große 'Aber': "Mein großes Problem ist: Ich starte als Letzter. Würde ich als Zwölfter oder Elfter starten, dann könnte ich womöglich sogar leicht in den Top 10 bleiben." Tatsächlich stützen die Daten den Türken. Ihre schnellste Rennrunde war je eine 1:31.7. Die knapp fünf Sekunden Rückstand auf Fabio Quartararo im Ziel sind leicht durch die deutlich schlechtere Startposition zu erklären. Der Franzose ging neun Plätze weiter vorne aus ins Rennen.

Letzte Startreihe fast gebucht: Qualifying-Probleme auf Yamaha bisher ungelöst
Doch das ist eben auch der Punkt. 'El Diablo' beweist regelmäßig, dass eine halbwegs ordentliche Startposition auch mit der M1 ab und zu möglich sein kann. Toprak Razgatlioglu war erst einmal im Q2, und da half ihm der Regen von Brasilien. Ansonsten sind meist die letzten beiden Startreihen Programm. In Misano stand er gar ganz hinten. "Das Wichtige ist für mich also das Qualifying, aber das fällt mir schwer. Ich versuche eine bessere Zeit mit dem weichen Reifen zu erzielen, aber die Rundenzeit kommt einfach nicht", verzweifelt der 29-Jährige weiter an der Kerndisziplin der modernen Königklasse.
Abwarten bis zur Einführung der ihm bekannten Pirelli-Reifen zur nächsten Saison will er aber nicht. "Ich habe darüber schon oft mit dem Team diskutiert. In Österreich werden wir uns am Freitag diesem Problem ausgiebig widmen", kündigt 'El Turco' Arbeit für das kommende Wochenende an. Es wäre dringend nötig, denn sonst drohen weitere Frust-Rennen.
Auch wenn das Rennen frustrierend war, so kam Toprak Razgatlioglu in Misano wenigstens ins Ziel und damit 26 und eine halbe Runde weiter als Lokalheld Marco Bezzecchi. Alles zum Aprilia-Desaster beim Heimspiel gibt es in unserem neuesten Video:



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