Selbst der stellenweise recht ereignislose Spanien-GP hat der Formel 1 neuen Diskussionsstoff geliefert. Der Grund: Lando Norris, der von der Pole Position gestartet und im Rennen klar der schnellste Pilot auf der Strecke war, verlor den möglichen Sieg durch ein ungünstig getimtes Virtuelles Safety Car (VSC). Die spanische Mundo Deportivo titelte treffend: "Der Madring war grausam zu Norris und belohnte Kimi."
Sollte die Formel 1 künftig also auch sportliche Fairness in den Prozess einbeziehen? F1-Experte Christian Danner, der auf den Tag genau vor 41 Jahren sein erstes Formel-1-Rennen (Belgien 1985) bestritt, hat dazu eine klare Meinung: "Je mehr in das Renngeschehen eingegriffen wird, desto weniger mag ich das." Was war in Madrid passiert? Als Lance Stroll ausrollte und feststand, dass er das Rennen nicht wieder aufnehmen konnte, rief die Rennleitung in Runde 14 das VSC aus, um den Aston Martin gefahrlos zu bergen.
Lando Norris mag das Rennen in Madrid entrissen worden sein, aber es besteht kein Zweifel: Er war der beste Fahrer der Formel 1 - mit Abstand. Hier gibt's das gesamte Fahrer-Ranking:
Im Moment der VSC-Aktivierung war Lando Norris, der das Rennen zu diesem Zeitpunkt anführte, bereits an der Boxeneinfahrt vorbeigefahren. Während die gesamte Konkurrenz stoppen konnte und massiv profitierte - der Zeitverlust bei einem Boxenstopp halbiert sich in etwa unter VSC - wurde die Neutralisierung exakt in dem Moment aufgehoben, als Norris in der letzten Kurve vor der Boxengasse ankam. Dass der amtierende F1-Weltmeister in Madrid schuldlos das Nachsehen hatte, hält Danner für bitter. Zugleich stellt er klar, dass es im Motorsport nie zu 100 Prozent gerecht zugehen kann, sobald ein Safety Car oder VSC im Spiel ist.
"Stell dir vor, du liegst mit 20 Sekunden Vorsprung in Führung und dann kommt Bernd Mayländer raus. Da kriegst du im Auto auch einen Vogel. Das ist ungerecht – gar keine Frage. Aber ich muss ganz ehrlich sagen: Dann ist das halt so", erklärte Danner im AvD Motorsport-Magazin . Schau dir das ganze Video an und erfahre, was Danner zum Madring selbst und den anderen Top-Themen vom Spanien GP zu sagen hat.
F1-Reglement-Anpassung in der Diskussion
Um Vorfälle wie in Madrid künftig zu vermeiden, schlug Norris zwei mögliche Alternativen vor: Das VSC müsste entweder für mindestens eine komplette Runde aktiviert bleiben, damit jeder Fahrer die Chance auf einen Stopp hat, oder es wird ein generelles Boxenstopp-Verbot unter VSC ausgesprochen. Das Prinzip der geschlossenen Boxengasse ("Closed Pit Lane") nutzen bereits mehrere Rennserien wie die amerikanischen IMSA-Sportwagenmeisterschaft. In der IndyCar Serie, in der Mick Schumacher fährt, wird in einer Gelbphase ("Full Course Yellow") die Boxengasse sofort geschlossen.
Doch welche Vorgehensweise ist die richtige? Auch McLaren-Teamchef Andrea Stella zeigte sich nach dem Spanien GP hin- und hergerissen, ob die Formel 1 künftig den Faktor der sportlichen Fairness stärker in das Reglement einbeziehen sollte. Auf jeden Fall sieht er Gesprächsbedarf im sogenannten "Sporting Advisory Committee"– jenem Gremium, in dem Teammanager und FIA-Vertreter Anpassungen des Sportlichen Reglements debattieren, ehe diese der F1-Kommission vorgelegt werden.
"Wir werden im nächsten Fahrerbriefing sicher darüber sprechen, ob man da etwas anpassen kann", betonte auch Max Verstappen nach dem Rennen. Danner bleibt jedoch bei seiner Linie: VSC und Safety Car müssen reine Werkzeuge für die Sicherheit bleiben. Das Virtuelle Safety Car wurde 2015 nach dem tragischen Unfall von Jules Bianchi beim Japan-GP 2014 eingeführt. Die Unfallkommission der FIA empfahl damals die Einführung des VSC auf der Grundlage eines "Slow Zone“-Systems, wie es etwa bei den 24 Stunden von Le Mans eingesetzt wurde.
Während einer VSC-Phase erscheint auf dem Display am Lenkrad jedes Fahrers eine Delta-Zeit, über welcher er bleiben muss. Sie sorgt dafür, dass die Geschwindigkeit um etwa 30 bis 40 Prozent unter die normale Renngeschwindigkeit gedrosselt wird. Überholmanöver sind während des VSC strikt untersagt. Danners Fazit steht deshalb fest: "Die Rennleitung sollte diese Tools einsetzen, um die Sicherheit zu erhöhen ohne Rücksicht darauf, ob das jetzt das Rennergebnis in irgendeiner Art und Weise verändert."
Madrid erfüllte für Formel-1-Redakteur Markus Steinrisser alle negativen Erwartungen. Er fasst das Slapstick-Wochenende in seinem F1-Kommentar zusammen:



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