Das allererste Formel-1-Rennen auf dem Madring war – nett gesagt – langweilig. Wie erwartet waren Überholmanöver auf dem engen Stadtkurs eine Rarität, nur zehn Stück waren auf der Strecke zu sehen. Extremes Gegenbeispiel: Letzte Woche in Monza schaffte Kimi Antonelli allein 26 Manöver. Besonders anschaulich wurde das Problem, als Lando Norris in Runde 42 auf Max Verstappen auflief.

Der McLaren hatte eindeutig mehr Pace, der amtierende Weltmeister fuhr in den Runden davor teils eine halbe bis zu einer Sekunde schneller als sein letztjähriger WM-Rivale. Doch Norris kam trotz Overtake-Mode nicht am RB22 vorbei. "Ich bin einfach in der Mitte der Strecke gefahren, das funktioniert hier gut", meinte Verstappen nach dem Rennen zu seiner Verteidigungsstrategie. "Das war kein Duell, weil du hier nicht überholen kannst", sind sich beide Fahrer einig.

Die Piloten waren nach dem Grand Prix durchweg unbeeindruckt von der Strecke. "Ich bin fast eingeschlafen", meinte Gabriel Bortoleto. Das Qualifying sei spannend und aufregend, ein richtiger Adrenalin-Kick, doch das Rennen enttäusche. Das hört sich verdächtig bekannt an. "Es ist wie Monaco, nur schneller, aber genauso langweilig", zog der Audi-Fahrer einen unschönen Vergleich. Als wäre die Langeweile nicht genug, ist der Kurs auch körperlich anstrengend.

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Madring verursacht Kopfweh: "Veranstalter müssen etwas ändern!"

Anders als beispielsweise in Singapur, wo die Hitze auch in der Nacht das Rennen zur Herausforderung macht, machen besonders die Kerbs in den Kurven fünf und sechs den Fahrern das Leben schwer. "Wenn du 50 Runden lang über den Randstein springst, dann bekommst du ganz schöne Kopfschmerzen", schildert Bortoleto.

George Russell bestätigt: "Es ist gar nicht angenehm. Nachdem ich 60 Runden über den Kerb gekracht bin, tat mein Kopf weh." Für die ideale Rennlinie in der engen Schikane lenken die Fahrer nur leicht ein und räubern dadurch zweimal heftig über den hohen Randstein. Nach zwei Stunden macht sich das bemerkbar, selbst bei den gut trainierten Nackenmuskeln der Formel-1-Piloten.

"Die Veranstalter müssen etwas ändern", verlangt Russell daher. Natürlich nicht nur wegen der Kopfschmerzen, sondern vor allem wegen des überholfeindlichen Charakters des Madrings. "Es muss nach der Geraden zumindest eine Möglichkeit geben. Aber hier hast du nur enge Schikanen und Kurven." Ein großer Kritikpunkt von Verstappen war, dass in allen Kurven gleichzeitig gebremst und eingelenkt werden muss. Um eine Divebomb zu ermöglichen, bräuchte es gerade Bremszonen. Seine sowie Norris' und Kimi Antonellis Kritik, die sie nach dem Rennen wiederholten, könnt ihr hier nachlesen:

Umbau am Madring: Besitzer planen Änderungen bis 2027

Wie 'The Race' nun berichtet, haben die Besitzer des Madrings den Kritikpunkten der Fahrer Gehör geschenkt und tatsächlich schon Pläne, wo sie bis zum nächsten Spanien-GP 2027 ansetzen wollen. In den nächsten Wochen soll es dazu Gespräche zwischen den Vertretern der Strecke, der FIA sowie den Fahrern und Teams geben, um die Änderungen zu fixieren. Dabei fokussieren sich die Veranstalter vor allem auf drei Stellen.

Wie von vielen Fahrern vorgeschlagen, soll der Eingang zur zweiten Schikane (Kurven 5 bis 6) breiter gemacht werden, um eine Überholmöglichkeit zu kreieren. Die Piloten kommen dort mit über 300 km/h an und bremsen dann auf etwa 100 km/h runter. Es wäre also ein geeigneter Ort für Divebombs, wenn die Strecke hier nicht so eng wäre.

Im Rennen haben mehrere Autos versucht, hier Seite an Seite durchzufahren, was aber zu einem von zwei Ergebnissen führte: Entweder der eine musste über die Auslaufzone abkürzen – wie im Fall Verstappen vs. Hamilton – oder es kam zur Kollision – wie im Fall Sainz vs. Alonso. Die Strecke wurde ursprünglich so eng gebaut, da sich dieser Abschnitt um einen Kreisverkehr schlängelt und durch den Tunnel unter der öffentlichen Autobahn geführt werden muss.

Oscar Piastri in der Schikane
An den schwarzen Markierungen ist zu sehen, wo die Fahrer über den Kerb fahren, Foto: IMAGO / Eibner

Veranstalter wussten bereits vorher von Überholproblematik

Die zweite Passage, die bis 2027 geändert werden soll, ist Kurve 13. Der mittelschnelle Linksbogen nach der überhöhten "La Monumental" wurde im offiziellen Strecken-Guide als Überholmöglichkeit bezeichnet. Aber wie die Realität zeigte, dass der Bremspunkt nicht hart genug ist, um selbst mit Windschatten-Bonus zu überholen. Der Plan sieht vor, den Radius enger zu machen, um für mehr Kämpfe zu sorgen.

Fernando Alonso in Madrid
In dieser Kurve soll nächstes Jahr gekämpft werden, Foto: IMAGO / Eibner

Schließlich soll an Kurve 20 Hand angelegt werden. Die engste Stelle der Strecke könnte mit ihren 117 Grad auf dem Papier eine gute Haarnadel sein, die engen Wände machen aber jegliches Manöver unmöglich. Laut 'The Race' sollen der Eingang und die Barrieren erweitert werden. So sollen die Fahrer überholen können, ohne den Einlenkpunkt zu verpassen und in der Mauer zu landen.

Esteban Ocon in Spanien
Diese enge Stelle war zum Überholen gedacht, Foto: IMAGO / Eibner

Die Veranstalter wussten angeblich schon vor dem Wochenende, dass Überholen ein Problem werden würde. Die vorgeschlagenen Änderungen seien nicht neu, sondern lediglich wegen Zeitdrucks beim Streckenbau und dem komplizierten Homologationsprozess auf nächstes Jahr verschoben worden. Die Umgestaltungen könnten zumindest zwei bis drei Überholmöglichkeiten schaffen und das Rennen damit um einiges spannender machen. Viel langweiliger geht es nämlich kaum.

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