"Es war von Anfang bis Ende ein schmerzhaftes Rennen", resümiert McLaren-Pilot Oscar Piastri und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Denn für ihn war der Spanien Grand Prix bereits nach der ersten Kurve so gut wie gelaufen: Nach einem guten Start versuchte er sich rechts an George Russell vorbeizubremsen. Dabei zog Russell am Bremspunkt aber etwas zu weit nach rechts, weil er sonst mit Charles Leclerc kollidiert wäre. Piastri ging dadurch zwischen Russell und der Boxengassenwand der Platz aus, wodurch es zum Kontakt mit dem Mercedes-Piloten kam.
Piastri selbst beurteilte die Situation nach dem Rennen jedoch weniger neutral. "Ich wurde von Russell eingequetscht, wodurch mein Frontflügel gleich in der ersten Runden einen Schaden davontrug", meint ein sichtlich niedergeschlagener Piastri. "Ich war neben ihm und er hat mich einfach an die Wand gedrückt. Ich habe mit etwas mehr Platz gerechnet."
Piastri nach Startkollision in F1-Verkehr gefangen
Durch den Kontakt mit Russells Heck trug Piastri einen Schaden an seinem linken Frontflügel-Endplate davon und fiel direkt am Start auf die zehnte Position zurück. Die Formel-1-Stewards stuften den Vorfall als normalen Rennunfall und damit als nicht untersuchungswürdig ein. Piastris Rennen war dadurch jedoch von Kurve 1 an beeinflusst. Da McLaren entschied, das aerodynamische Defizit nur über Anpassungen an der Front zu mildern, musste er das gesamte Rennen mit dem beschädigten Element bestreiten. Doch nicht nur der Schaden machte dem Australier zu schaffen.

"Ich bin von Anfang an im Verkehr festgesteckt und konnte nicht wirklich viel tun", meint Piastri. Wie sich herausstellte, waren Überholmanöver in Madrid tatsächlich eine mehr als schwierige Angelegenheit, erst recht mit einem kaputten Frontflügel.
"Der Schaden am Frontflügel hat Oscar ein paar Einheiten an Aerobalance gekostet, das war definitiv messbar", erklärt McLaren-Teamchef Andrea Stella. "Wir waren ziemlich besorgt, dass das viel Graining verursachen könnte, weil das Vorderende viel Abtrieb verloren hat. Tatsächlich und zum Glück waren die harten Reifen aber hart und widerstandsfähig genug."
Vom virtuellen Safety-Car in Runde 14 konnte Piastri dadurch zwar nicht profitieren, die harten Reifen erwiesen sich aber als so zuverlässig, sodass er und zehn weiteren Piloten mit diesem Compound über 40 Runden lang ohne großen Zeiteinbruch fahren konnten. Piastri selbst wechselte erst nach 42 Runden auf die Medium-Pneus. Nach dem Stopp ordnete er sich allerdings hinter einer Vierergruppe ein und steckte erneut im Verkehr fest.
"Der Medium-Reifen war einfach furchtbar", klagt Piastri. Zwar konnte er den auf deutlich älteren Reifen fahrenden Arvid Lindblad kurz nach dem Stopp überholen, bei Franco Colapinto im Alpine war jedoch Endstation. "Ich glaube, die einzige Strecke, wo man noch schlechter überholen kann, ist Monaco", kritisiert der McLaren-Pilot, der sich durch dieses eine Überholmanöver immerhin wieder in die Punkteränge manövrierte.
Am Ende profitierte Piastri davon, dass Gabriel Bortoleto und Pierre Gasly noch ihren Pflichtboxenstopp absolvieren mussten. Dadurch rückte er um zwei Positionen vor und rettete immerhin den achten Platz und damit vier WM-Zähler ins Ziel.
Piastris Problem: Das Vertrauen in den McLaren-Boliden
Das Rennen in Madrid war dennoch ein weiterer Rückschlag für den Australier, der seit Saisonbeginn mit seiner Form kämpft. Vor allem seine Startplätze lassen zu wünschen übrig: Nach 14 Rennen liegt seine durchschnittliche Qualifying-Position bei 5,6. In Madrid ging er nur von Startplatz sieben ins Rennen - deutlich unter seinem Saisondurchschnitt und im Schatten von Teamkollege Lando Norris, der die Pole-Position einfuhr.
Teamchef Andrea Stella ist überzeugt: "Madrid wäre auch ohne Schaden an Oscars Auto ein schwieriges Rennen gewesen. Er muss sich einfach besser qualifizieren und gleich von Beginn an näher an den Podiumsplätzen dran sein. Dazu muss er aber den MCL40 besser verstehen und mit ihm im Einklang sein."
Das Hauptproblem sei laut Stella Piastris Fahrstil, der sich aktuell noch nicht optimal mit der Charakteristik des MCL40 deckt. Dadurch müsse Piastri im Auto noch zu viel nachdenken. "Wenn du denkst und fährst, dann macht dich das langsamer in Entscheidungen und somit auch über eine Runde", erklärt der Teamchef. "Unsere Aufgabe für die zweite Saisonhälfte ist also klar. Wenn wir es hinbekommen Fahrer und Auto in Einklang zu bringen, werden wir wieder einen starken Oscar sehen."



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