Der Bereich rund um den Auspuff hat sich in der Formel 1 2026 zu einem neuen aerodynamischen Schlachtfeld entwickelt. Nach dem Vorbild von Ferrari bauen inzwischen alle Teams hier Flügelchen in den Luftstrom. Ein neues Mercedes-Design sorgte in Madrid am Freitag für große Aufmerksamkeit. Dass das Team das Flügelchen dann aber gar nicht einsetzte, ging unter.

Konzeptuell jagen hier alle Teams Ferrari. Die Scuderia kam bereits bei den Testfahrten mit diesem "Flick Tail"-Konzept an, und bei keinem anderen Auto im Feld hat dieses so einen großen Umfang. Das liegt vor allem auch daran, dass die Ferrari-Designer eben die Pioniere waren und die ganze Heckpartie mit Auspuff, Getriebe und Crash-Struktur auf das Konzept auslegten und die aerodynamischen Elemente direkt integrierten.

Das Auspuff-Flügelelement von Ferrari hervorgehoben
Ferrari war Vorreiter bei angeblasenen Auspuff-Flügeln, Foto: IMAGO / PsnewZ

Inzwischen hat das Ferrari-Design sehr umfangreiche Züge angenommen, mit einem großen zentralen Element, das auch über das Auspuffrohr hinaus gewachsen ist und mit dem Design der zwei zentralen Heckflügel-Säulen, der Aufhängungsteile und mit den zusätzlichen Flicks der Diffusor-Oberkante zusammenspielt.

Die Idee hinter diesem Design ist nicht einfach nur, die Elemente mit dem Auspuff anzublasen. Es spielt auch eine Rolle für die gesamtheitliche Struktur des Luftflusses am Heck. Die Luft wird nach oben gelenkt, und interagiert mit der unterhalb aus dem Diffusor kommenden Luft. Ein erhöhter "Upwash"-Effekt erhöht Volumen und Ausfluss vom Unterboden. Das alles in Kombination bringt gut umgesetzt sehr guten Abtriebs-Gewinn, wie von F1-Technik-Journalist Giorgio Piola erklärt.

Kaum hatte die Konkurrenz begriffen, was hier Sache war, rüstete sie nach. An der Spitze adaptierten Mercedes, McLaren und Red Bull in Miami nach der Frühjahrspause geschlossen ihre Endrohre und platzierten kleine aerodynamische Elemente im Luftstrom. Im Rahmen ihrer technischen Möglichkeiten, da sie ihre Heckpartien anders als Ferrari eben nicht darauf ausgelegt hatten. McLaren und Mercedes platzierten kleine Flügelchen auf der Crash-Struktur unterhalb des Endrohres. Red Bull baute erst nur ein Element ins Endrohr, eine spätere Evolution veränderte dessen Form und kombinierte es mit der Crash-Struktur.

Auspuff-Flügelelemente am McLaren
McLarens Lösung im Auspuff-Bereich, Foto: IMAGO / PsnewZ
Der Auspuff von Red Bull
Red Bulls erste Lösung in Miami, Foto: IMAGO / PsnewZ
Die Auspuff-Elemente von Red Bull
Red Bulls zweite Lösung nach Updates, Foto: IMAGO / PsnewZ

Mercedes sorgt mit nächster Evolution in Madrid für Aufsehen

In Madrid tauchte Mercedes dann mit einer komplett neuen Lösung auf. Das untere Element verschwand. Stattdessen wurde zuerst einmal ein Element direkt in die untere Hälfte des Endrohres gesetzt - aber das kannte man schon von McLaren und Red Bull . Viel spannender waren die oberhalb montierten zwei Elemente in Pfeilform.

Spannend besonders aufgrund der Art und Weise, wie sie montiert wurden. Zuerst einmal wurden neue tiefere Heckflügel-Säulen eingeführt. Von ihnen weg verläuft parallel zum Auspuff ein am Ende nur mehr schmales Element. Mit zwei Stäbchen werden an diesem dann die Flügelchen eingehängt.

Auspuff-Flügelelemente am Mercedes in der alten und in der neuen Konfiguration
Die Miami-Lösung von Mercedes und das Madrid-Konzept, Foto: IMAGO / PsnewZ
Nahaufnahme des neuen FTM-Konzepts von Mercedes in Madrid
Das Madrid-Design von Mercedes im Detail, Foto: Motorsport-Magazin.com

Warum das aggressive Mercedes-Design in Madrid verschwand

Doch während dieser Idee am Freitagmittag vor dem 1. Training viel Aufmerksamkeit inklusive kleinerer Legalitätsfragen zuteilwurde, ging etwas unter, dass es in der vollständigen Konfiguration kaum gefahren wurde. Schon in FP2 montierte Mercedes das obere Flügelchen und das neue Element im Auspuffrohr wieder ab und setzte das alte Doppel-Element auf der Crashstruktur wieder ein.

Die Änderungen im Auspuff-Bereich von Mercedes von Freitag auf Samstag in Madrid
So fuhr der Mercedes im Verlauf des Madrid-Wochenendes, Foto: giorgiopioladesign.com

Ab Samstag tauchte das neue Design nicht mehr auf, auch nicht für Qualifying und Rennen. Nur die Heckflügel-Säulen blieben in ihrer neuen, tieferen Konfiguration mit den nach hinten gezogenen Spitzen.

Hintergrund ist, dass diese Auspuff-Aufbauten nicht einfach nur Gratis-Rundenzeit sind. Sie beeinflussen das Aufbauen des Ladedrucks und die Motorleistung. Mercedes kam nach den Vergleichstests am Freitag zum Schluss, dass der aerodynamische Zugewinn diese Nachteile nicht ausreichend wettmachte. Auf die Rundenzeiten wirkte sich das neue Design fast nicht aus. Also kehrte man zum alten Flügelchen zurück und verbreiterte stattdessen die zentrale Heckflügel-Erweiterung zum Ausbalancieren des Autos.

Ob das Design damit schon komplett verworfen wurde, ist unklar, aber beim Team sieht man es ohnehin als nicht mehr als ein kleines Detail. Ein deutlich größeres Update-Paket, mit deutlich größeren Auswirkungen, wird erst in zwei Rennen in Malaysia erwartet.