Das Weltmeisterteam von McLaren hat sich in den letzten Jahren den Ruf als Update-König der Formel 1 erarbeitet. Was aus Woking ans Auto kommt, funktioniert auch. In Ungarn haben sie dies mit dem ersten Saisonsieg durch Lando Norris dank eines verbesserten Unterbodens erneut bewiesen. Doch am Anfang eines neuen Reglements legt auch die Konkurrenz fleißig nach. Der Teamchef der Titelverteidiger sieht seine Mannschaft für das Update-Rennen aber gerüstet, und gibt die Saison 2026 trotz großem Punkterückstand nicht auf.

McLaren macht MCL40 siegfähig, doch Andrea Stella warnt: Alle Top-Teams mit erfolgreichen Updates

"Im ersten Teil der Saison konnten wir nur bei ein paar Rennen um gute Positionen kämpfen. Ich erinnere mich an Miami, den Freitag in Kanada und auch Suzuka, aber immer war Mercedes besser als wir. Ich glaube das war nun das erste Mal in dieser Saison, dass wir eine echte Chance auf die Pole-Position hatten. Ich glaube immer noch, dass Ferrari etwas mehr Potential gehabt hätte, aber Lando [Norris] war erster in Q1, Q2 und Q3. Das ist das Resultat der Upgrades am MCL40", zeigte sich Andrea Stella stolz über die Leistung in Ungarn. Nach Pole-Position und Sieg durch den Weltmeister konnte McLaren doch noch mit gutem Gefühl in die Sommerpause gehen, auch wenn das Rennen für das zweite Auto von Oscar Piastri im doppelten Pech endete. Mehr dazu in unserem Video vom Rennsonntag:

Sainz schießt Piastri fast bei Überrundung ab! Nächste Hamilton-Strafe bei Ferrari-Pleite (09:41 Min.)

Mit erfolgreichen Neuerungen am Auto ist der britische Traditionsrennstall im jungen Reglement aber keine Ausnahme. Ein Alleinstellungsmerkmal will Stella daher auf keinen Fall sehen und warnt vor dem Entwicklungstempo der Konkurrenz: "Ich muss zugeben, dass die Top-Teams dieses Jahr immer erfolgreich ihre Upgrades gebracht haben. Das liegt daran, dass dieses Regelwerk noch relativ unausgereift ist und die Chancen bei der Weiterentwicklung des Autos beinahe leichte Beute sind. Ich glaube nicht, dass McLaren irgendeinen bedeutenden Vorteil darin hat, dass alles, was wir bringen, erfolgreich ist. Alle machen nun einen guten Job in Sachen erfolgreicher Upgrades. Es geht also mehr darum, wie viele Upgrades die Top-Teams liefern können."

In diesem Wettlauf der Fabriken soll McLaren keineswegs ins Hintertreffen gelangen. Es steckt noch einiges in der Pipeline: "Die Updates von hier [in Ungarn] sind Teil eines Schwungs von Updates, die über einige Rennen verteilt werden. Das war der erste Teil und da werden noch einige Dinge über die nächsten Rennen kommen." Unter anderem soll bald auch der rotierende 'Macarena-Flügel' kommen, mit dem Ferrari für Aufsehen sorgte. Im FP1 am Hungaroring gab es bereits einen ersten Test am MCL40.

Der Macarena-Flügel am McLaren
Der 'Macarena'-Flügel wurde in Ungarn bereits getestet, Foto: Motorsport-Magazin.com

Wahnsinniges Wettrüsten trotz Budgetcap: McLaren hat Ressourcen aufgespart

Viele Beobachter fragen sich, wie die Top-Teams dieses Entwicklungstempo angesichts der Budgetobergrenze gehen können. Mercedes-Boss Toto Wolff schoss deswegen bereits gegen Ferrari. Andrea Stella betont, dass bei McLaren von Anfang an ein langes Wettrüsten erwartet worden war: "Was das Budget-Cap angeht, so wussten wir, dass 2026 nicht um den Start ins Jahr geht, sondern um das Update-Rennen. Wir wollten also genug Spielraum in unseren Budgetplanungen lassen, sodass wir Geld in die Weiterentwicklung des Autos stecken können."

McLaren-Teamchef Andrea Stella nimmt Auto unter die Lupe
Andrea Stella sieht kein Problem beim Budget, Foto: IMAGO/Every Second Media

Doch nicht nur beim Geld gibt es bekanntlich Restriktionen. CFD- und Windkanalzeiten sind ebenfalls beschränkt, besonders für die erfolgreichsten Teams. Im Gegensatz zum Finanziellen deutet der Italiener hier an, dass auch im McLaren Technology Center (MTC) gehaushaltet werden muss: "Für manche Teams wird es zu einem gewissen Zeitpunkt auch einfach eine Frage dessen, auf welche Saison du dich konzentrieren möchtest. Es ist ja nicht nur durch das Budget limitiert, sondern auch aus dem Blickwinkel der Designer. Welches Auto stellst du in den Windkanal? Das nächste Auto oder das aus diesem Jahr?"

Formel-1-Saison 2026 nicht aufgegeben: Müssen eine halbe Sekunde finden!

Bei McLaren wird wohl auch das aktuelle Modell noch das ein oder andere Mal dort stehen. Auf den Auftritt in Ungarn will sich Stella nicht als Barometer für die Zeit nach der Sommerpause verlassen: "Wir sind erst bei Saisonhalbzeit. Es ist viel zu früh, um zu sagen, ob das jetzt ein Wendepunkt für McLaren war, oder nicht." Stattdessen kündigt er weiter Vollgas im Entwicklungsrennen an: "Wenn wir in dieser Position bleiben wollen, dann müssen wir das Auto weiter verbessern und vermutlich noch eine halbe Sekunde von jetzt bis zum Saisonende finden. Das ist unser Ziel, denn wir wollen diese Saison nicht schon nach der Hälfte aufgeben."

Kimi Antonelli und Lando Norris geben sich nach seinem Sieg die Hand
Norris(l.) liegt 91 Punkte hinter Antonelli(r.), Foto: IMAGO / PsnewZ

In der Fahrerwertung liegt Lando Norris 91 Punkte hinter Kimi Antonelli. In der Teamwertung sind es 159 Zähler auf Mercedes. Das klingt nach zu viel, aber McLaren hat im Vorjahr am eigenen Leib erfahren, dass eine Aufholjagd möglich ist. Nach großem Vorsprung zur Halbzeit, brachte Norris am Ende nurmehr zwei Pünktchen gegenüber Max Verstappen ins Ziel. Nun will McLaren selbst die WM nochmal spannend machen und legt sich dafür an der Update-Front ins Zeug.

Nicht nur bei McLaren tut sich etwas. Nach blamablem Saisonstart zündete Aston Martin in Ungarn die B-Version, mit der ein deutlicher Fortschritt gelang. Nun soll auch Motorenlieferant Honda nachlegen. Der erste Test steht schon in den Startlöchern: