Normalerweise treten die Top-3 nach einem Formel-1-Rennen gemeinsam zu einer ungefähr 20-minütigen Pressekonferenz an. Doch in Barcelona tauchte Rennsieger Lewis Hamilton erst mit 10 Minuten Verspätung auf und hängte dann eine 18-minütige Einzelsession mit Fragen nur an ihn an. Sein erster Sieg mit Ferrari ist ein monumentales Ereignis für ihn, für das Team und für die Formel 1.
Es geschieht an einem geschichtsträchtigen Ort. Vor 30 Jahren feierte Michael Schumacher ebenfalls hier in Barcelona seinen ersten Sieg. Eine Tatsache, an die sich Hamilton am Sonntag gleich zurückerinnert: "Ich saß zuhause, habe wie so viele zugeschaut, mit einem Teller mit einem Sandwich, oder mit Hühner-Nudelsuppe, ich weiß nicht, ich war 12 - und habe auf das rote Auto geschaut und mich gefragt, wie es ist, da in diesem roten Cockpit."
Diese emotionale Verbindung zu Ferrari konnte Hamilton nie verleugnen, bis er 2025 schließlich trotz seines fortgeschrittenes Rennfahrer-Alters tatsächlich den Wechsel nach Maranello wagte. "Da wusste ich schon, wie es ist, da drin zu sitzen. Aber in diesem roten Anzug auf dem ersten Platz zu stehen, vor dieser unglaublichen Crew, die singt..."
"Wahnsinn, das zu sehen, ich wurde fast ohnmächtig vor Freude, nachdem ich sie umarmt habe, mein Herz ist vor Freude explodiert", beschreibt es Hamilton. Tatsächlich musste er nach dem ersten Feiern im Parc Ferme erst einmal bei der FIA-Waage in die Knie, ehe er diese letzten Formalitäten vor dem ersten Feiern ganz oben auf dem Treppchen hinter sich bringen konnte.



Sieg der letzte Beweis von Lewis Hamilton: Dieses Können verlierst du nicht
Fahrerisch war das Wochenende eine Glanzleistung von Hamilton. Die Pole verpasste er nur knapp. Im Rennen war er anfangs Zweiter. Dann ergriffen er und Ferrari die strategische Initiative. Mit einem aggressiven Dreistopp-Plan und richtig schneller Pace setzten sie Mercedes zur Rennmitte bereits mächtig unter Zugzwang. Dann kam zur richtigen Zeit auch noch ein Virtuelles Safety Car, was Hamiltons Führung erst recht garantierte.
Wie stark die Ferrari-Pace wirklich war - und dass er womöglich sogar ohne die VSC-Hilfe gewonnen hätte - zeigte Hamilton aber im Anschluss, als er die Mercedes komplett abschüttelte und über die letzten 22 Runden bis ins Ziel 19,561 Sekunden Vorsprung auf George Russell aufbaute. Für Hamilton ist dieses Rennen der ultimative Beweis, dass er es auch mit 41 noch kann.
"Nach einem Jahr wie dem letzten gab es definitive Momente, wo ich mir dachte, puh, vielleicht stimmt es und du verlierst es an einem Punkt, aber ich habe bewiesen, dass das nicht der Fall ist", so Hamilton. "Es braucht Arbeit, Durchhaltevermögen, den Glauben an sich selbst, um dein inneres Selbst auszureizen. Und du musst fit sein, und ich fühle mich physisch hervorragend, ich fahre gegen hervorragende 19-Jährige."
Den Glauben an sich selbst zu behalten war nach dem ehrlich schlechten letzten Jahr gar nicht so einfach. "Letztes Jahr war ich auch verletzt, das passierte hier sogar, das zog sich über Monate", verrät Hamilton nebenbei, ohne ins Detail zu gehen. Möglicherweise eine Folge eines Unfalls bei einem Reifentest. "Aber es ging darum, nie zu zweifeln. Du musst weiter absolut daran glauben. Ich konnte ein paar Dinge bei meiner Mentalität re-implementieren. Ich habe mich mental wieder aufgebaut, um dorthin zurückzukommen, wo ich war."
"Ich glaube wirklich, dass mich meine Fans letztes Jahr gerettet haben", glaubt Hamilton. "Auch meine Familie, meine Freunde, die immer zu mir gehalten haben. Ich bin in die neue Saison gestartet, mit vielen Änderungen im Hintergrund, die es mir erlaubt haben, dorthin zu kommen, wo ich heute bin."

Ferrari 2026 jetzt das, was Lewis Hamilton für Siege braucht
Schon das ganze Jahr über hat Hamilton Ferrari dafür gelobt, auf seine Verbesserungsvorschläge von 2025 eingegangen zu sein. Auch nach dem Sieg macht er damit weiter: "Es ist noch so früh in der Saison, um diesen Punkt zu erreichen. Diese Jungs haben wirklich zugehört, haben hart gearbeitet, um Performance zu finden und innovativ zu sein."
"Dieses Jahr ist eine Frage der Innovation, und wir kamen mit dem Auspuff-Flügel, dem Macarena-Flügel, das ist das, was ich letztes Jahr gefordert habe", lobt Hamilton. Top-Team plus Top-Fahrer ergibt eben Sieg. "Wenn der Glaube daran fehlte, dann ist der jetzt wieder voll da. Das war hoffentlich ein überzeugendes Rennen, aber es ist schon über die letzten Rennen hinweg passiert."
"Ich habe das richtige Team, das richtige Auto, jetzt kann ich tun, worin ich am besten bin", strotzt Hamilton vor Selbstvertrauen. Auch wenn er die Idee eines achten Titels bei 41 Punkten Rückstand noch nicht in den Mund nehmen will. Das Mantra bleibt vorerst: Rennen für Rennen arbeiten. Wie stark der Ferrari dank der letzten Updates wirklich ist, lässt sich nach diesem einen Ergebnis noch nicht verlässlich sagen.
Das mildert aber sicher nicht die Freude: "Es war ein tolles Gefühl, ganz oben zu stehen. Wahrscheinlich schlafe ich in diesem roten Shirt! Es ist ein tolles Gefühl, das Pferd ganz oben zu haben." Deutlich weniger gut lief es für Teamkollege Charles Leclerc. Mehr zu seinem Rennen gibt es hier:



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