Bis zum Formel-1-Rennen in Barcelona hatte Mercedes noch eine perfekte Siegausbeute in dieser Saison zu verzeichnen. Bei sechs Rennen und drei Sprints stand jeweils ein Silberpfeil ganz oben. Nach dem Barcelona-GP ist es allerdings vorbei mit dieser sagenhaften Bilanz und Teamchef Toto Wolff hat gleich aus mehreren Gründen einen dicken Hals.
Wolffs Bilanz im ORF-Interview besteht aus einem zusammengesetzten Wort: "Scheißrennen." Oder, wie er es in etwas mehr Worten gegenüber Sky Deutschland ausdrückte: "Ich bin gar nicht zufrieden. Über nichts heute." Zunächst ist da einmal der Ausfall von Kimi Antonelli in der 62. Runde, der Wolff sauer aufstößt. Bei dem WM-Führenden hatte sich offenbar plötzlich das Auto ausgeschaltet, just eine Runde, nachdem er Position 2 von Teamkollege George Russell übernommen hatte.
Toto Wolff nach nächstem Mercedes-Defekt: So kann man nicht um die WM fahren
Der technische Grund für den Ausfall ist noch nicht bekannt, aber optisch erinnerte der Defekt sehr stark an jenen von Russell in Kanada, bei dem sich ebenfalls das Auto plötzlich ausknipste. Damals war die Batterie ausgefallen und hatte zu einem Motorschaden geführt. Dass nun zum zweiten Mal innerhalb von drei Grands Prix ein Mercedes im Rennen kaputtgeht, darf es laut Wolff nicht geben. "Es kann natürlich nicht sein, dass du um die WM fährst und dann abwechselnd mit irgendeinem Auto ausfällst", sagte er. "Man kann keine Meisterschaft mit Ausfällen gewinnen."
Tatsächlich ziehen sich Probleme an der Mercedes-Power-Unit schon durch die ganze Saison. Kundenteam McLaren hatte auch schon eine Serie an Defekten zu vermelden, zuletzt gleich zwei verschiedene am Auto von Lando Norris beim Formel-1-Wochenende in Monaco. Häufig war dabei die Batterie der Auslöser. Nicht immer lässt sich dabei beurteilen, ob es vom Motor direkt ausgeht oder von dessen Interaktion mit dem Chassis. Beim Werksteam erklärte Wolff die Zuverlässigkeit nach dem Barcelona-Defekt zur obersten Priorität: "Wir werden nichts unversucht lassen, um [diese Defekte] zu verstehen."
Doch der Defekt war nur ein Baustein, der Mercedes teuer zu stehen kam. Den Sieg hatte man bei dem Formel-1-Rennen in Katalonien schon davor verloren, und zwar dadurch, dass Lewis Hamilton auf einer 3-Stopp-Strategie unterwegs war, die Mercedes hingegen nur mit zwei Reifenwechseln durchfuhren. Dem Ferrari-Fahrer war auch ein günstig getimetes VSC gelegen gekommen.
Mercedes-Fahrer sind sich selbst im Weg: Toto Wolff stellt Teamorders in Aussicht
Pech in letzter Konsequenz, aber eben auch ein Resultat der Strategie bis dahin: "Wir hätten die Strategie ändern können. Einer auf 2-, einer auf 3 [Stopps] um Norris und Lewis zu covern. Wir haben uns entschieden, mit beiden Norris zu covern", so Wolff. Dass sich stattdessen Russell und Antonelli an der Spitze des Feldes auch noch duelliert hatten, war erst recht nicht hilfreich.
Antonelli war im zweiten und dritten Stint des Formel-1-Rennens deutlich schneller gewesen als Russell. Er verlor aber sehr viel Zeit, ehe er in Runde 61 doch noch am WM-Dritten vorbeikam. Teamorders waren bisher für Mercedes angesichts des direkten WM-Duells in der Formel 1 2026 ein rotes Tuch. Doch nach Barcelona stellt Wolff ein Umdenken in Aussicht.
"Wir griffen in den Kampf nicht ein, denn so sind wir immer Rennen gefahren. Aber es ist eine Situation, die wir uns für die Zukunft mit beiden Fahrern anschauen müssen", sagte Wolff. Schon in Kanada hatte er nach dem Duell zwischen seinen Piloten in Kanada gesagt, dass Russell und Antonelli frei fahren dürfen, solange man keine direkte Konkurrenz befürchten muss. Jetzt war diese Konkurrenz in Form von Hamilton allerdings da.
"Wir müssen uns anschauen: Wie gehen wir mit einer Situation um, wenn es einen Pace-Unterschied gibt, falls wir um einen Sieg kämpfen und gleichzeitig Risiko laufen, den Sieg zu verlieren", verlangte der Österreicher. "Das wird eine interessante Diskussion werden, die aber immer total transparent im besten Interesse des Teams geführt wird."



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