Klimafreundliche Formel 1: So weit ist die Königsklasse auf dem Weg zur Klima-Neutralität
Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das sich die Formel 1 gesetzt hat. 2030 will die Königsklasse die CO2-Emissionen auf netto Null gesenkt haben.
Katrin Dökel
Die Formel 1 bestreitet ihren Weg zu mehr Nachhaltigkeit, Foto: Motorsport-Magazin.com
Nachhaltigkeit im Motorsport
Die Formel 1 hat sich ein hohes Ziel gesetzt: Bis 2030 will die Königsklasse des Motorsports klimaneutral werden, die CO2-Emissionen auf Netto-Null senken.
+++ Wo gibt es 2025 bereits Fortschritte? Updates +++
Umweltinitiative F1 Forest – drawn together
Der vierfache F1-Weltmeister Sebastian Vettel hat in Sao Paulo seinen alten Arbeitsplatz besucht, um auf die Umwelt-Initiative "F1 Forest – drawn together" aufmerksam zu machen. Dabei handelte es sich um eine Collage an gezeichneten Bäumen, die an der Strecke in Interlagos ausgestellt wurde.
Dafür reiste er im Vorfeld des GP durch das Land und traf sich mit Menschen aus allen Altersgruppen – darunter auch der britische Thronfolger Prinz William. Das Projekt soll auf die Biodiversität und Artenvielfalt der Wälder aufmerksam machen. Vettel setzt sich schon seit einigen Jahren für Klima- und Artenschutz ein und involviert dafür immer wieder seine Formel 1-Fahrerkollegen.
Vettel wurde von seinen Ex-F1-Kollegen unterstützt, Foto: IMAGO/PsnewZTsunoda und Verstappen malten unter der Aufsicht von Vettel, Foto: IMAGO/PsnewZ
Abdeckung von 99 % mit nachhaltigen Kraftstoffen
Das Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team teilte mit, dass man während der Europa-Saison 2025 eine Abdeckung von 99 Prozent bei der Logistik der Renn- und Marketing-Trucks mit HVO100-Biokraftstoff erreicht hat. HVO100 ist ein Drop-in-Biokraftstoff der zweiten Generation und erzielt im Vergleich zur Verwendung von Standarddiesel eine Emissionsreduzierung von 81 %.
Mercedes verwendet erstmals biobasierte Kohlefaserverbundwerkstoffe an den Hinterradabdeckungen des W16
Beim Großen Preis von Aserbaidschan in Baku kam zum ersten Mal ein bahnbrechender, biobasierter Carbonfaserverbundwerkstoff an den Formel 1-Boliden von Mercedes zum Einsatz. Die hinteren Bremsluftkanal-Radabdeckungen des W16 wurden mithilfe eines neuen Harzes entwickelt, das zu 30 Prozent aus biobasierten Materialien besteht. Damit hat Mercedes zum ersten Mal nachhaltige Carbonfaserverbundwerkstoffe in einem aus technischer Sicht performance-relevanten Bauteil unter Rennbedingungen eingesetzt.
Materialinnovationen sind ein wichtiger Schritt, um das Ziel der Netto-Null-Emissionen in allen Bereichen bis 2040 zu erreichen, Foto: Mercedes AMG F1
Mercedes nutzt elektrische Energie, um seine Boliden nach Zandvoort zu transportieren
Mercedes hat seine W16-Rennwagen mit einem vollelektrischen Mercedes-Benz Truck eActros 600, einem der ersten seiner Art auf der Straße, zum Großen Preis der Niederlande 2025 transportiert. Die 673 Kilometer lange Fahrt vom Teamstandort in Brackley zum Austragungsort eines der nachhaltigsten Rennen im Kalender folgte auf einen ersten Pilotversuch beim Großen Preis von Großbritannien 2025. Die Mercedes-Benz Trucks eActros 600 sind mit einer leistungsstarken 600 kWh (nutzbar) Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) ausgestattet und haben eine Mindestreichweite von 500 km pro Ladung.
Die Mercedes-Benz Trucks eActros 600 sind ein , Foto: Mercedes AMG F1
Net Zero by 2030: Formel 1 ist auf dem besten Weg Ziel zu erreichen
Wie die Formel 1 mit ihrem neuesten Sustainability Report verdeutlicht, ist es gelungen bis Ende 2024 eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 26 % gegenüber dem Basisjahr 2018 zu erzielen. Am Ende der Saison 2024 lag der CO2-Fußabdruck des Sports bei 168.720 tCO2e, gegenüber 228.793 tCO2e im Jahr 2018. Die wichtigsten Punkte, die zu der Reduzierung geführt haben, sind:
Durch die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen für die Stromversorgung der Formel-1- und F1-Teams wurden die Emissionen aus Fabriken und Anlagen im Vergleich zu 2018 um über 34.000 tCO2e reduziert.
Durch die verstärkte Einführung von Fernübertragungen und Investitionen der F1-Teams in nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) wurden die Emissionen aus dem Reiseverkehr im Vergleich zu 2018 um fast 20.000 tCO2e reduziert.
Die Emissionen aus der Logistik sind im Vergleich zu 2018 um 6.438 tCO2e gesunken. Die Formel 1 hat erheblich in neue Frachtcontainer investiert, um den Einsatz effizienterer 777-Flugzeuge zu ermöglichen, in SAF für den Frachtbetrieb investiert und den Einsatz von Biokraftstoff-Lkw für den Frachtverkehr in Europa ausgeweitet.
Die Emissionen aus dem Veranstaltungsbetrieb sind pro Rennen um 12 % gesunken. Diese Reduzierung ist auf die kontinuierlichen Bemühungen aller Formel-1-Akteure (Umstellung auf erneuerbare Energiequellen, Anpassung der Betriebsabläufe) zurückzuführen.
Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team präsentiert Nachhaltigkeitsbericht 2024
Der Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2024 spiegelt die Fortschritte wider, die Mercedes bei der Schaffung einer nachhaltigeren Zukunft erzielt hat, sowie die Ambitionen des Formel 1-Teams. "Die Formel 1 ist das schnellste Testlabor der Welt. Hier kommen die klügsten Köpfe, modernste Technologie und eine globale Plattform zusammen, um die Grenzen des Möglichen zu erweitern. Unser Ziel ist es, eines der nachhaltigsten Profi-Sportteams der Welt zu werden. Ich bin stolz darauf, ein Team zu führen, das sich für Veränderungen auf und abseits der Rennstrecke einsetzt", erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.
Sauber setzt auf Technologie und Nachhaltigkeit
Sauber setzt gemeinsam mit seinem langjährigen Partner R-M, einer Premiummarke für Lacke von BASF, neue Maßstäbe für Geschwindigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit in der Autoreparaturlackierung. Der RACE Finish-R, ein Klarlack der nächsten Generation, stellt ein starkes Zeichen für die Umwelt dar. RACE Finish-R wird mit der Ccycled®-Technologie hergestellt, bei der Rohstoffe aus Altreifen als Ersatz für fossile Brennstoffe verwendet werden, und trägt mit bis zu 40 % weniger CO₂ pro kg Produkt zu einer Kreislaufwirtschaft bei.
Österreichs Grand-Prix-Strecke erhält ISO 14001 Zertifikat
Der Red Bull Ring ist Österreichs Aushängeschild im internationalen Motorsport. Als bedeutender Wirtschaftsfaktor im Herzen der Steiermark ist es dem Spielberg ein Anliegen, ein Sustainability Role Model auch im Motorsport zu sein. Nach systematischer, unabhängiger und objektiver Überprüfung hat der TÜV Süd der Projekt Spielberg GmbH & CO KG vor kurzem das ISO 14001 Zertifikat verliehen. Mehr dazu hier:
Europas F1-Rennen im Zeichen der Nachhaltigkeit
Der Große Preis der Emilia-Romagna 2025 in Imola ist das erste von neun Europa-Rennen, bei dem ein kohlenstoffarmes Energiesystem im gesamten Fahrerlager eingesetzt wird. Dieses soll die entsprechenden Emissionen um etwa 90 % senken. Geliefert wird das System vom Formel-1-Partner Aggreko. Nach erfolgreichen Tests beim Großen Preis von Österreich 2023 sowie bei den Rennen in Österreich, Ungarn und Italien 2024 wird es nun auf alle europäischen Veranstaltungen ausgeweitet – mit nachgewiesenen CO2-Einsparungen in Boxengasse, Paddock und technischen Veranstaltungszentren. Die Rückkehr der mit Biokraftstoff betriebenen Lkw-Flotte von DHL für die europäischen Rennen ist ein weiterer Beitrag der Formel 1 zur nachhaltigeren Logistik.
Die Logistik bei Europa-Rennen leistet eine von Biokraftstoff betriebene Lkw-Flotte, Foto: Motorsport-Magazin.com
McLaren entwickelt Leitfaden für Kreislaufwirtschaft
McLaren präsentiert sich nun als Vorreiter für die Königklasse und hat einen Leitfaden für die Formel-1-Teams entwickelt. Mit diesem soll die Kreislaufwirtschaft eines Formel-1-Teams messbar gemacht werden. Das Projekt steckt bisher in den Kinderschuhen, trotzdem plant die FIA den Leitfaden zeitnah den anderen Teams zur Verfügung zu stellen. Alle Infos gibt's hier:
Die Formel 1 hat es sich groß auf ihre Fahnen geschrieben, bis 2030 CO2-neutral zu sein. Um das Ziel zu erreichen, setzt die FIA auf drei strategische Maßnahmen.
1. Maßnahme: Klimaschutz
Mit der Unterzeichnung der UNFCCC-Initiative "Sports for Climate Action" bekräftigt die FIA ihr Engagement für den Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und für die klare Strategie, die die globale Sportgemeinschaft gemeinsam zur Bekämpfung des Klimawandels entwickelt hat. Die FIA übernimmt Verantwortung für ihren CO2-Fußabdruck und hat sich zum Ziel gesetzt, die Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu senken.
Die 24 Formel-1-Rennen tragen nur minimal zu den Gesamtemissionen bei. Der Anteil beträgt gerade einmal ein Prozent. Der größte Brocken ist die Logistik und die Reisen zu den Rennen rund um den Globus. Entsprechend wurde u.a. die Anzahl der Mitarbeiter, die zu den Rennen reisen, reduziert. Für die Logistik bei den Europa-Rennen ist seit 2023 eine Flotte von mit Biosprit betriebenen Trucks zuständig. Damit hat man CO2-Ausstoß um 83 Prozent reduziert.
Weitere geplante Maßnahmen sind:
Modernisierung von Gebäuden durch die Installation von Solaranlagen (PV) und die Förderung weiterer energiesparender Verhaltensweisen
Investitionen in nachhaltige Flug-, Schiffs- und Straßentreibstoffe.
Weitere Begrenzung der Anzahl der Reisenden zu Rennen sowie Optimierung der Austragungsorte für FIA-Veranstaltungen
2. Maßnahme: Technologie und Innovation
Die FIA ist davon überzeugt, dass der Motorsport ein wichtiges Instrument ist, um das Bewusstsein für das Potenzial disruptiver Technologien zu schärfen, und wird verstärkt nachhaltige und innovative Lösungen präsentieren und die Zusammenarbeit für eine nachhaltige Zukunft stärken.
3. Maßnahme: Nachhaltige Praktiken
Die FIA ist sich bewusst, dass ihre Aktivitäten und Veranstaltungen Auswirkungen auf die Umwelt haben und arbeitet mit ihren Stakeholdern zusammen, um diese zu minimieren und positive Verhaltensweisen zu fördern. Inzwischen werden Austragungsorte von Formel-1-GPs auch vertraglich für die Einhaltung gewisser Klimaziele verpflichtet, was zur Folge hat, dass bei 75 Prozent aller Grands Prix bereits auf erneuerbare Energien gesetzt wird. Als erfolgreiches Pilotprojekt gilt der Große Preis von Österreich am Red Bull Ring. Durch CO2-arme Energielösungen wie Solarpaneelen wurden die Emissionen um über 90 Prozent reduziert.
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