Die beinharten Duelle von Kimi Antonelli und George Russell erst im Sprint und dann im Rennen von Kanada hielten die Formel 1 in Atem, vor allem aber die Mercedes-Garage. Ohne Nachbesprechung ging es natürlich nicht. Doch vor dem nächsten Grand Prix in Monaco stellen die Fahrer klar, dass die nächste Runde im Duell nur eine Frage der Zeit ist.
"Natürlich, wenn du an der Seitenlinie beziehungsweise an der Boxenmauer sitzt, oder wie Toto, dann ist es stressig und angespannt, weil du keine Kontrolle darüber hast, was gleich passieren wird", akzeptiert Russell. "Und du willst es kontrollieren. Aber letztendlich muss man uns vertrauen. Und man vertraut uns. Und dabei bleibt es."
Gespräche ohne Teamorder-Folgen bei Mercedes vor Monaco
"Ein paar Tage bevor wir angereist sind, hatten wir ein Gespräch, haben uns alle Episoden des Rennens angesehen", verrät Antonelli ein paar Details aus der internen Reaktion des Teams rund um Teamchef Toto Wolff. "Das Ende der Diskussion war: Ihr könnt gegeneinander fahren, frei fahren, solange der Respekt da ist. Und solange ihr euch in keine Situation bringt, die beiden von euch schaden könnte."
"Das Team will keine Regeln aufstellen", unterstreicht Antonelli. "Natürlich wollen sie, das ist verständlich, beide Autos im Ziel sehen und dass das Team so viele Punkte wie möglich holt. Das haben wir absolut im Kopf. Wir wollen gewinnen, aber wir wollen auch für das Team fahren, für die über 2.000 Mitarbeiter in Brackley und Brixworth, für die wollen wir auch gewinnen."
Zumindest das scheint dem Duo allerdings mit etwas Nachdruck in den letzten Tagen nachhaltig eingebläut worden zu sein. Denn Antonelli räumt schließlich ein: "Sicher werden wir weiter wie in Kanada gegeneinander fahren. Etwas smarter natürlich. Aber das Team will definitiv, dass wir frei fahren. So soll es schließlich sein. Du kannst einen Fahrer, der um Siege und Titel fährt, nicht an die Leine legen."
Dieses Zitat könnte Antonelli fast direkt von Toto Wolff übernommen haben, der schon nach dem Sprint-Showdown der beiden in Kanada direkt im Anschluss davon sprach, er wolle Löwen, keine Welpen. Ein paar haarige Situationen und etwas Funk-Stunk waren dem Team letztendlich zu viel. Darüber hinaus will einer wie Wolff, der schon Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg viel Raum gab, wohl kaum eingreifen.
George Russell cool: Jeder hat einmal Pech
Psycho-Spielchen wie einst zwischen Hamilton und Rosberg haben beim 2026er-Duo indessen noch nicht eingesetzt. Russell lieferte bisher nicht mehr als die Ansage, dass es bei 43 Punkten Rückstand jetzt an Antonelli läge, die WM zu verlieren. Der Italiener lässt sich gar nicht darauf ein: "Weil es so früh in der Saison ist, es sind noch 17, vielleicht mehr Rennen zu fahren."
"Schwierig, etwas zu verlieren, was man noch gar nicht hat", so Antonelli. Russell klingt am Donnerstag in Monaco, gute zwei Wochen von seinem defektbedingten Ausfall in Kanada entfernt, auch nicht mehr ganz so schwarzmalerisch: "Schaut zurück auf alle Titel in der Formel 1 oder in allen anderen Serien. Ich glaube nicht, dass je jemand ganz ohne Pech durchgekommen ist."
"Diese Dinge passieren im Motorsport immer, und Kimi wird denke ich am Ende der Saison nicht hier stehen und sagen, dass er nie Pech gehabt hat", rechnet Russell vor. Und in Sachen Pace sieht er sich absolut fähig, mit Antonelli mitzuhalten, das hat er sich in Kanada bewiesen: "Ich bin mit einem Ziel nach Kanada. Jede Session anführen. Das war wichtig. Und das habe ich geschafft."
"Ich habe beide Poles geholt, habe den Sprint gewonnen, habe geführt, hatte einen guten Kampf mit Kimi, habe vor dem Defekt geführt, und ich meine, es gab nichts mehr, was ich in Kanada noch hätte tun können", urteilt Russell. Das Jahr ist noch lang, viel kann passieren. Findet er in Monaco zurück auf die Siegerstraße? Oder hält statt Antonelli diesmal sogar Ferrari dagegen? Mehr zur Favoriten-Frage im Fürstentum gibt es hier:



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