Die Konkurrenz meint gute Gründe zu haben, Ferrari vor dem Monaco-GP starkzureden. Und auch bei Ferrari selbst können Charles Leclerc und Lewis Hamilton einen gewissen Grad an Optimismus vor dem Stadtkurs-Klassiker nicht verbergen. Aber Favoriten? Ist das etwas zu hoch gegriffen?
Oberflächlich betrachtet kommt Monaco 2026 Ferrari perfekt entgegen. Der SF-26 ist stark in den Kurven, in langsamen Ecken, und vor allem in langgezogenen Kurven. Alles perfekt für den engen langsamen Kurs im Fürstentum. Zugleich kommt das Fehlen der Geraden entgegen, hat doch die neue Power Unit der Scuderia bekanntlich ein Defizit zu Mercedes.
Ein bestimmtes technisches Feature an diesem Ferrari-Motor kommt dafür in Monaco sogar entgegen. Der kleinere Turbo hat ein besseres Ansprechverhalten. Auf den meisten Strecken fällt das nur durch die verlässlich guten Starts auf. Aber in Monaco zählt aufgrund der vielen langsamen Ecken und kurzen Beschleunigungszonen das Ansprechverhalten sehr viel.
"Manchmal, wenn du bei voller elektrischer Leistung den Ladedruck verlierst, bekommst du nicht die volle Leistung vom Verbrenner, und das ist definitiv eine von Ferraris Stärken, dass es für sie nicht so kritisch ist, das zu managen", meint McLaren-Pilot Oscar Piastri am Donnerstag in Monaco.
Für sich genommen mögen das alles Kleinigkeiten sein, insgesamt aber könnte die Summe es ausmachen. Abschließend kann man schließlich noch den Faktor Charles Leclerc hinzurechnen. Leclerc ist vielleicht der beste Stadtkurs-Pilot der Formel 1, und auf seiner Heimstrecke in Monaco besonders herausragend. Leclerc holte drei der letzten fünf Poles. Nur eine resultierte in einem Sieg, aber nicht seine Pace, sondern ein Strategie-Murks 2022 und ein übersehener Antriebswellen-Schaden nach einem Crash 2021 waren der Grund für die anderen beiden Niederlagen.
Ferrari in Monaco: Mercedes ebenbürtig - aber nicht schneller?
"Wenn es eine Strecke gibt, auf der ich auf uns wetten müsste, dann wäre es wahrscheinlich Monaco", räumt Leclerc am Donnerstag ein. Das soll aber keine voll Selbstvertrauen strotzende Ansage sein: "Aber ich glaube dennoch, dass Mercedes seit Saisonbeginn einen signifikanten Vorteil hat. Sie werden sehr stark sein, McLaren wird sehr stark sein, Red Bull wird sehr stark sein."
"Mercedes bleibt das Team, das es zu schlagen gilt", legt sich Leclerc fest. Ähnlich Lewis Hamilton: "Wir werden wettbewerbsfähig sein. Das heißt nicht, dass wir die Schnellsten sein müssen, besonders nach dem Mercedes-Upgrade vom letzten Mal, mit dem waren sie in langsamen Ecken recht schnell."
Mercedes hatte in Kanada sein erstes großes Update-Paket des Jahres gebracht und war damit dem Rest der Formel 1 wieder etwas enteilt. In Monaco haben die WM-Führenden außerdem ein besonders spektakuläres Aero-Special im Gepäck, mit einem wilden Aufbau auf dem Heckflügel. Ferrari scheint als einziges Team der Spitzengruppe kein so ein Monaco-Special gebaut zu haben. Mehr dazu gibt es hier:
Wird Monaco an der Spitze der Formel 1 eine ganz enge Kiste?
Vonseiten Mercedes beschwört man trotzdem Angst vor der Konkurrenz. "Ferrari passen die Streckencharakteristiken, und fairerweise muss man sagen, dass sie in der Vergangenheit immer schnell hier waren, selbst wenn sie sonst kein schnelles Auto hatten", meint WM-Leader Kimi Antonelli und blickt eben auf 2021 zurück.
Leclerc hatte damals den Großteil der Saison im Mittelfeld verbracht. Aber auf seinen Paradestrecken Monaco und Baku stellte er den Ferrari mit schon fast unglaublichen Leistungen trotzdem auf Pole.
Außerdem kalkuliert Mercedes auf der anderen Seite bereits mit einem schwierigen Wochenende, verrät Antonelli: "Miami war noch eines, bei dem wir Schwierigkeiten erwarteten." Dort hatte er am Ende nur knapp Lando Norris geschlagen. "Aber wir werden versuchen, für alles gewappnet zu sein. Und wir werden versuchen, das Beste aus dem zu machen, was wir haben."



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