Als Charles Leclerc am Mittwoch seine Vertragsverlängerung mit Ferrari verkündete, haben sich wohl einige Formel-1-Fans die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Nach acht Jahren mit schwachen Boliden und teils peinlichen Strategie-Entscheidungen halten es viele für höchste Zeit, dass sich Leclerc anderswo nach einem Cockpit umsieht. Fehlte es ihm schlichtweg an anderen Optionen?
Nein. Er hätte weitere Angebote gehabt, wie er am Donnerstag in Monaco preisgab. "Ich werde nicht verraten, welche Teams. Das können sie selbst sagen, wenn sie möchten", war Leclercs einziger Kommentar dazu. Einen Wechsel habe er sich aber nie vorstellen können: "Es war sehr klar. Ich bin seit insgesamt zehn Jahren bei Ferrari. Sie waren die Ersten, die an mich geglaubt haben. Ferrari war immer meine Wahl."
Leclercs Beziehung zu Ferrari ist so emotional wie kaum eine andere in der Formel 1. Seit seiner Kindheit wollte der Monegasse in Rot fahren. Schon sein Patenonkel Jules Bianchi hatte einen Fördervertrag mit der Scuderia und war von 2011 bis zu seinem tragischen Unfall 2014 ihr Testfahrer. "Meine Liebe für das Team ist sehr groß, das ist offensichtlich. Gewinnen ist wichtig, dafür fahren wir Rennen. Aber in Rot zu gewinnen, ist für mich ein besonderes Gefühl und etwas, dem ich all meine Jahre in der Formel 1 gewidmet habe", beschrieb Leclerc.
Wieso bleibt Leclerc bei Ferrari?
Aber wie lange reicht Leclerc diese Liebe und Loyalität, die er von Ferrari und den Tifosi zurückbekommt, ohne nennenswerte Resultate? In den letzten acht Jahren fuhr er lediglich acht Siege ein, sein bestes Saisonergebnis war der Vizeweltmeister-Titel 2022. Ob es in seinem neuen Vertrag Bedingungen gibt, die Ferrari verpflichten, ihm in einem gewissen Zeitraum ein WM-fähiges Auto zu liefern, wollte Leclerc nicht kommentieren. "Es war aber natürlich Teil der Diskussion", sagte er dennoch.
In der Formel 1 sind solche Performance-Klauseln gang und gäbe. Sie könnten es Leclerc ermöglichen, Ferrari zu verlassen, sollte die Leistung und sportliche Perspektive nicht stimmen. Doch genau das ist einer der Gründe, warum der Monegasse noch länger in Maranello bleibt: "Ich glaube an dieses Projekt. Es war ein guter Start in die Saison – natürlich nicht so gut, wie wir ihn gerne gehabt hätten. Wir wollen um die WM kämpfen. Aber es gibt viel Innovation am Auto."
"Wir wissen, woran es uns fehlt", führte er fort. "Das ist hauptsächlich der Motor. Aber wir haben einen Plan und hoffentlich kommen wir damit wieder dorthin zurück, wo wir sein möchten. Deswegen und weil ich dieses Team liebe, machen wir zusammen weiter."
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur als Hoffnungsbringer? Leclerc: Glaube an ihn!
Der größte Faktor, wieso Leclerc so viel Hoffnung für das Projekt Ferrari hat, ist Fred Vasseur. "Ich bin sehr überzeugt von seiner Vision. Ich glaube wirklich an Fred. Wir haben eine sehr gute Beziehung und ich gehe stark davon aus, dass er der Mann ist, der Ferrari wieder an die Spitze bringt", schwärmte Leclerc. Der SF-26 ist die erste rote Göttin, die der seit 2023 angestellte Teamchef mitentwickelte.

Vasseur habe eine langfristige Vorstellung – aber nicht zu langfristig. "Wir wollen natürlich so schnell wie möglich wieder gewinnen und vorne dabei sein", versicherte der Ferrari-Pilot. Ob ihnen das noch in dieser Saison gelingt, traute sich Leclerc nicht zu sagen. Aber: "Wir haben viel Motivation und wir pushen sehr hart in der Fabrik, um näher an Mercedes zu kommen. Das ist das Ziel. Wir werden sehen, ob wir es erreichen."
Bei seiner tiefgreifenden Liebe zum Team gehen einige davon aus, dass Leclerc die Scuderia gar nicht mehr verlässt. "Ich bin noch jung, erst 28", meinte er darauf angesprochen, ob er seine Karriere bei Ferrari beenden möchte. "Ich habe noch viele Jahre vor mir. Ich weiß nicht, wie mein Leben in fünf, sechs, sieben oder zehn Jahren aussieht. Es fühlt sich jetzt richtig an und ich werde mich darauf fokussieren, mit dem Team, das ich liebe und das an mich glaubt, zu gewinnen."



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