Zwei schwierige Formel-1-Wochenenden hatte Ferrari erwartet, als es im Juli auf die Power-Strecken von Silverstone und Spa-Francorchamps ging. Die Bilanz von Charles Leclerc hebelt diese Ahnung aus. Auf einen Sieg in Silverstone folgt ein zweiter Platz in Spa mit nur 1,952 Sekunden Rückstand auf Kimi Antonelli. Die Ergebnisse verblüffen vor allem den Fahrer.
"Am Donnerstag gingen wir von einem großen Rückstand irgendwo im Bereich von vier bis fünf Zehntel aus", berichtet Leclerc nach dem Rennen. "Im Qualifying hat das gestimmt. Aber im Rennen waren wir etwas näher dran als gedacht." Eine Wiederholung von Silverstone. Dort hatte man ebenfalls mit deutlichem Rückstand kalkuliert, sogar aufwärts von einer halben Sekunde.
Ein glückliches Virtuelles Safety Car kam Leclerc in Belgien natürlich zu Hilfe. Am Start hatte er sich erst bei chaotischem Energiemanagement seinen Weg von P4 auf P2 gebahnt, in Runde 6 nach dem frühen Safety Car aber den zweiten Platz wieder an Max Verstappen verloren.
Ferrari wacht nach VSC-Glück in Spa erst richtig auf
An dem Punkt schien der Ferrari im Rückwärtsgang. In Runde 8 wurde Leclerc auch von Oscar Piastri attackiert, drängelte den McLaren aber mit Kontakt am Eingang von Les Combes hinaus auf den Kerb. Piastri war beschädigt und verärgert, forderte nach dem Rennen eine Strafe oder wenigstens eine Verwarnung. Leclerc lässt es kalt: "Es war zu knapp. Zum Glück hatte es für mein Rennen keine Konsequenzen."

Eher waren es positive Konsequenzen. Der beschädigte Piastri fiel schnell hinter Leclerc und Lewis Hamilton zurück. Eine versuchte Attacke von Hamilton wusste Leclerc - an der gleichen Stelle, diesmal nur knapp ohne Kontakt - erneut zu verhindern. Dann sortierte sich das Duo und zog den Start-Stint in die Länge, als vorn Antonelli und Verstappen zum Boxenstopp kamen.
Das Gamble wurde in Runde 20 mit einem Virtuellen Safety Car belohnt. "Natürlich hatten wir mit dem VSC etwas Glück", räumt Leclerc ein. "Aber die Pace war recht stark." Er kam dank des unter VSC kürzeren Boxenstopps zwei Sekunden vor Antonelli als Führender zurück auf die Strecke und konnte sich doch tatsächlich bis Runde 34 auch dort halten.
Charles Leclerc glaubt bis ins Ziel an Spa-Sieg
"Es waren fünf oder sechs Runden auf dem Hard, in denen ich mit der Vorderachse Probleme hatte, aber das wurde wieder besser", so Leclerc. Antonelli konnte ihn in Runde 34 zwar endlich überholen, mühte sich auf dem Weg ins Ziel dann jedoch vergeblich, den Ferrari auch dauerhaft abzuschütteln. Vier Runden blieb Leclerc sogar innerhalb von einer Sekunde im Overtake-Bereich, bis ins Ziel wuchs die Lücke nie über drei Sekunden.
"Ich habe bis zum Schluss an den Sieg geglaubt", schwört Leclerc. Der zweite Platz ist trotzdem ein großer Erfolg: "Auf zwei Strecken, die auf dem Papier für uns ziemlich schlecht waren, haben wir einmal gewonnen und wurden einmal Zweite. Mit etwas Glück, aber trotzdem, es war sehr gut vom Team."
"Rein nach Pace war Kimi schneller, aber es zeigt, dass wir kämpfen können, wenn wir das Rennen gut umsetzen, und zukünftige Strecken passen unserem Paket besser", freut sich Teamchef Fred Vasseur und blickt gespannt in Richtung Budapest und Zandvoort. Das sind keine Power-Strecken mehr: "Aber nichts ist garantiert. Jeder entwickelt, wir müssen jedes Wochenende gut umsetzen, du beginnst immer bei null."
Charles Leclerc wieder in Form? Noch nicht auf dem gewünschten Level
Zwei aufeinanderfolgende Top-Ergebnisse untermauern währenddessen auch Leclercs wiedergefundene Form. So scheint es zumindest. "Ich bin zuversichtlich, wenn ich sage, dass ich einen Schritt vorwärts gemacht habe", ist Leclerc aber vorsichtig. "Ob ich auf dem Level bin, auf dem ich sein will? Noch nicht."
"Es gibt immer noch Dinge in diesem Auto, die ich umfahren muss", gesteht Leclerc. "Komplett natürlich kann ich es nicht fahren, und das bremst mich in Teilen des Rennens ein. Das muss ich noch aussortieren. Aber auf jeden Fall war es ein Schritt vorwärts, und darüber bin ich happy. Ich werde es weiter Rennen für Rennen angehen, weil es mit diesen Autos sehr schwierig zu sagen ist, dass das nächste Rennen gut sein wird, nur weil dieses gut war, weil es an so vielen kleinen Details hängt."



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