Seit dem Brasilien-GP im Vorjahr wartet der in der Zwischenzeit zum Formel-1-Weltmeister gekrönte Lando Norris auf einen Sieg in der Königsklasse. Eine Unserie, die in Belgien hätte reißen können, zumindest wenn man dem McLaren-Fahrer Glauben schenkt. Er kalkulierte nach dem Rennen: "Ich denke, unsere Pace war gut genug für ein Podium, vielleicht sogar für den Sieg. Es ist schade, dass wir heute nicht mitkämpfen konnten."

Für den Fahrer, der in diesem Jahr öfter aufgrund von Defekten nicht ins Ziel kam, als er in den Top-3-gelandet ist, wäre das ein großer Befreiungsschlag gewesen. Umso bitterer ist es, dass sich in Spa diese starke Pace schon seit den Trainings ankündigte, gleichzeitig aber auch schon seit dem Freitag feststand, dass ihm seine Startposition wohl einen Strich durch die Rechnung machen würde. McLaren hatte in Spa nämlich den Motorenjoker gezogen und dem Briten damit eine Startplatz-Strafe von zehn Positionen eingebracht. Gegen Antonelli und Co. eine praktisch unaufholbare Hypothek.

Motorstrafe, Strategie & Boxenstopps: Hat McLaren Lando Norris' Siegchance geraubt?

Norris' Aufholjagd am Rennsonntag liest sich auf den ersten Blick alles andere als spektakulär. Von P13 war er gestartet und auf P7 ins Ziel gekommen. Mit dem Aus von George Russell auf der ersten Runde entspricht das dem Ende des Spitzenfeldes. Dienst nach Vorschrift eben. Doch in der Realität sieht es schon ganz anders aus. Lando Norris war der einzige Fahrer unter den Topteams, der mit dem Hard ins Rennen gegangen ist und eine klassische 1-Stopp-Strategie fuhr.

Eine alternative Strategie, die sich nicht auszahlte, nicht zuletzt weil das Safety Car zu Rennbeginn und die beiden VSCs kurz vor der Rennmitte dieser Herangehensweise nicht in die Karten spielten. "Die VSCs waren schlecht getimet für mich. Sie kamen den [Medium-Startern] perfekt zugute und waren ein bisschen zu früh für mich", erklärte Norris. Ein Reifenwechsel auf die Mediums unter dem VSC noch vor Rennhalbzeit erschien dem Team zu heikel. Laut Teamchef Andrea Stella wäre es wohl rückblickend betrachtet die bessere Wahl gewesen.

Er rechnete vor: "Ich verlor deshalb zehn Sekunden und ich verlor weitere fünf oder so Sekunden bei meinem Boxenstopp. Da sind schon 16 Sekunden, die wir von der Rennzeit hätten nehmen können. Das machte mir das Leben unfassbar schwer." Bei Norris' einzigem Boxenstopp hatte es nämlich am Hinterrad geklemmt und der Stopp dauerte 7,78 Sekunden. Das warf ihn zwischenzeitlich sogar hinter Gabriel Bortoleto zurück und kostete Norris in der Endabrechnung die Position gegen Isack Hadjar.

Norris überquerte die Ziellinie mit 24 Sekunden Rückstand auf Rennsieger Kimi Antonelli, 22 Sekunden auf Leclerc und 13 Sekunden hinter Max Verstappen. Seiner eigenen Mathematik zufolge, wäre also P3 drin gewesen. Was in der Rechnung von Norris allerdings nicht vorkommt, ist, dass Verstappen und Antonelli gar nicht von der VSC-Phase profitiert hatten.

Oscar Piastri nach Schaden chancenlos

Es lässt sich also wohl nur mutmaßen, was Norris aus einer anderen Startposition heraus hätte ausrichten können. Vor allem, da keine strategische Referenz vorhanden war. Teamkollege Oscar Piastri kann auch nicht herhalten. Der Australier war das ganze Wochenende klar langsamer als Norris und bestritt dazu auch noch nach einer Kollision mit Charles Leclerc den Großteil des Rennens mit einem stark beschädigten Unterboden.

"Im ersten Stint spielte der Schaden eine große Rolle, denn ich verlor eine ordentliche Menge an Downforce und es beeinflusste die Balance des Autos stark", analysierte Piastri sein Rennen. Im zweiten Stint sei es dank Frontflügel-Anpassungen zwar besser gelaufen, aber der Schaden ließ sich trotzdem nicht ganz kompensieren. So fuhr der WM-Dritte des Vorjahres letztendlich auf der fünften Position über die Linie.