Er soll der neue Dr. Helmut Marko bei Red Bull werden: Gwen Lagrue. Der 50-jährige Franzose, der unter anderem maßgeblich an der Entdeckung und Förderung des aktuellen WM-Leaders Kimi Antonelli beteiligt war, steht vor einem Wechsel von Mercedes zu Red Bull. Angesprochen auf die Medienberichte ließ sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff in Belgien nur so viel entlocken: "Wir sind mit Gwen in Gesprächen über die Zukunft, aber es ist noch nichts vereinbart oder entschieden."
Heißt übersetzt: Es wird wohl noch über eine Ablösevereinbarung verhandelt, die Lagrue vorzeitig aus seinem bestehenden Mercedes-Vertrag als Berater für Fahrerentwicklung freistellt. Bei Mercedes plant man derweil bereits die Post-Lagrue-Ära. "Gwen hat ein fantastisches Team aufgebaut. Wir haben etwa sieben, acht oder neun Leute, die das Junior-Programm in Zukunft gemeinsam leiten werden - zusammen mit einer Handvoll vielversprechender Junioren. Wir wollen das gemeinsam mit Gwen angehen und werden dann weitersehen", erklärte Toto Wolff.
Lagrue-Verpflichtung wichtiger Coup für Mekies
Die Verpflichtung von Lagrue ist ein wichtiger Coup für Red Bull und stellt den ersten großen Formel 1-Neuzugang in der Führungsriege unter Laurent Mekies dar. Lagrue soll künftig die Leitung des Red-Bull-Junior-Teams übernehmen - jene Schlüsselrolle, die bis Ende 2025 die Handschrift von Dr. Helmut Marko trug. Seit 2016 bekleidete Lagrue diesen Posten bei Mercedes. Unter seinen Fittichen gelang George Russell und Esteban Ocon der Sprung in die F1. Auch Fred Vesti, der aktuell als dritter Fahrer bei Mercedes fungiert, entdeckte Lagrue im Kartsport.

Über seinen Auswahlprozess verriet Lagrue: "Wir müssen die Fahrer mit Potenzial identifizieren, wenn sie elf oder zwölf Jahre alt sind, weil sie in dem Alter alles Wissen wie ein Schwamm aufsaugen." Dabei geht es ihm längst nicht nur um den reinen Speed: "Was mich an den jungen Talenten interessiert, ist die Art, wie sie Rennen fahren, und ihre Konstanz. Aber das Wichtigste ist, dass sie schon früh die richtige Einstellung mitbringen, damit wir sie an die Spitze führen können."
Für Red Bull ist die Verpflichtung des Franzosen ein wichtiges Signal nach außen. Nachdem das Team in den vergangenen zwei Jahren namhafte Abgänge wie Adrian Newey (Aston Martin), Chefstratege Will Courtenay (McLaren) und Renningenieur Gianpiero Lambiase verkraften musste, beweist die Verpflichtung des Mercedes-Talentscouts, dass Red Bull nach wie vor eine enorme Strahlkraft für Top-Personal besitzt.
Spannendes Detail am Rande: Als Alex Albon 2016 von Dr. Marko aus dem Nachwuchsförderprogramm von Red Bull entlassen wurde, war es ausgerechnet Lagrue, der das Talent auffing. Er half Albon bei der Sponsorensuche und beriet ihn bei Karriereentscheidungen, ehe er 2019 mit Toro Rosso sein F1-Debüt feierte. Lagrue weiß aus eigener Erfahrung, wie steinig der Weg an die Spitze ist.
Auch Russell lernt gerade die Schattenseiten einer Rennfahrer-Karriere kennen. In Spa erlebte er wieder ein Drama. Mehr dazu im Video:
Wer ist Gwen Lagrue?
Sein Vater war Amateur-Rennfahrer, weshalb er schon als kleiner Junge auf den Tribünen der Rennstrecken saß. Sein eigener Weg führte ihn vom Kart über die Formel Ford bis in den Rallyesport. Doch irgendwann musste der Franzose einsehen, dass Leidenschaft allein nicht für eine Profikarriere reicht. Nach einer kurzen Zeit beim Militär und als Autohändler drückte er noch einmal die Schulbank.
Er studierte Jura, Wirtschaftswissenschaften sowie Sportmanagement und baute von 2009 bis 2015 das erfolgreiche Fahrerentwicklungsprogramm des Lotus-F1-Teams auf. Seine Philosophie hat sich bis heute nicht geändert: "Wir sehen uns nicht als klassische Manager - ich mag diesen Ausdruck gar nicht. Wir sind Verantwortliche für die Karrieren unserer Nachwuchsfahrer. Es geht um absolutes Engagement, Hingabe, Performance und Ergebnisse."
Kimi Antonelli, ebenfalls ein Schützling von Lagrue, holte sich ein Jahr nach seinem Formel-1-Tiefpunkt in Belgien seinen 6. Saisonsieg. Mehr dazu in der News:



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