Schon gewusst? Dr. Helmut Marko ging mit Jochen Rindt zur Schule und wäre fast anstelle von Niki Lauda bei Ferrari gelandet. Wir blicken auf die Erfolge, aber auch Tiefschläge des 82-jährigen Österreichers zurück.
Eigene Rennfahrerkarriere
Marko war 28 Jahre alt, als er 1971 auf einem Porsche 917 die 24 Stunden von Le Mans gewann. Nur wenige Tage später saß er in einem Formel 1-Auto. Beim Großen Preis von Deutschland 1971 scheiterte er im B.R.M. allerdings in der Qualifikation für das Rennen. Nur zwei Wochen später stand er bei seinem Heimrennen in Österreich am Grid und beendete das Rennen als Elfter. Sein bestes Ergebnis holte er beim Monaco GP 1972 mit Rang acht.
Der Vertrag mit Ferrari war bereits ausformuliert, als seine Karriere 1972 beim Frankreich GP in Clermont-Ferrand binnen einer Sekunde zerstört wurde. Der vor ihm fahrende Ronnie Peterson wirbelte mit seinem March einen Stein auf, der Markos Visier durchschlug und sein linkes Auge traf. "Es war klar, dass du mit einem Auge oder einer deutlich verminderten Sehkraft nicht mehr auf dem Niveau von früher unterwegs sein kannst. Bevor ich da irgendwelche Kompromisse eingehe, habe ich den Entschluss gefasst, dass es für mich vorbei ist", erzählte Marko später.
| Rennen | Jahr | Startplatz | Rennergebnis |
| Deutschland GP | 1971 | nicht qualifiziert | |
| Österreich GP | 1971 | 17 | 11 |
| Italien GP | 1971 | 12 | Ausfall (Motorschaden) |
| Kanada GP | 1971 | 19 | 12 |
| USA GP | 1971 | 16 | 13 |
| Argentinien GP | 1972 | 19 | 10 |
| Südafrika GP | 1972 | 23 | 14 |
| Monaco GP | 1972 | 17 | 8 |
| Belgien GP | 1972 | 23 | 10 |
| Frankreich GP | 1972 | 6 | Unfall |
Erfolgreicher Rennstall-Besitzer
Nach seiner aktiven Zeit gründete er sein eigenes Team, RSM Marko. 1984 trat er mit seinem Rennstall in der DTM und der deutschen Formel-3-Meisterschaft an. Mitte der 90er Jahre ging er mit seinem Team auch in der Formel 3000 an den Start und holte 1996 auf Anhieb den Titel mit Jörg Müller. Auch Juan Pablo Montoya entdeckte Marko einst in der britischen Formel 3 und verpflichtete ihn für sein Formel-3000-Team.
Weltmeister-Entdecker
Als Verantwortlicher des Red Bull-Nachwuchsprogramms war Marko für zahlreiche F1-Karrieren (mit)verantwortlich. Mit Sebastian Vettel und Max Verstappen brachte er zwei Weltmeister hervor. Vettel fuhr noch im Kartsport, als ihn Marko 1998 in das Nachwuchsprogramm von Red Bull aufnahm. 10 Jahre später gewann Vettel seinen ersten GP für Toro Rosso, im Jahr darauf wurde er zu Red Bull befördert. Zusammen gewannen sie viermal in Folge die Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft.
2015 holte er dann den erst 17-jährigen Formel-3-Fahrer Max Verstappen zu Toro Rosso. "Was er dort [F3-Rennen, Nürburgring] aufgeführt hat ... dieses Rennen war der Ausschlag, dass wir gesagt haben: Vergessen wir all die Alternativen - gehen wir direkt den Schritt in die ", erinnerte sich Marko. Eine Entscheidung, die Mut und Weitblick verlangte - und die mit vier WM-Fahrer- und zwei Konstrukteurstiteln reichlich belohnt wurde.
Absolventen der Doktor-Schule der Formel 1
| Fahrer | Siege | WM-Titel |
|---|---|---|
| Max Verstappen | 71 | 4 |
| Sebastian Vettel | 53 | 4 |
| Daniel Ricciardo | 8 | - |
| Carlos Sainz | 2 | - |
| Pierre Gasly | 1 | - |
WM-Titel verloren & Red-Bull-Aus
Der knapp verpasste fünfte Fahrertitel in Abu Dhabi - es wäre sein neunter als Teil des Red-Bull-Teams – schmerzte Marko. "Wenn man mit zwei Punkten nach diesem Flow verliert, dann schmerzt es." Zwei Tage später ging die offizielle Meldung über die Trennung von Red Bull und Dr. Helmut Marko raus, obwohl der 82-Jährige noch einen Vertrag bis einschließlich 2026 hatte.
Das Aus hatte sich schon angedeutet, wenn man sich anhört, was Teamchef Laurent Mekies beim Saisonfinale über die Teamstruktur zu sagen hatte. "Die Formel 1 ist keine statische Umgebung. Man muss seine Organisation immer anpassen – sowohl auf der technischen als auch auf der sportlichen Seite. Da ist es ganz normal, dass wir immer überlegen, wie wir uns operativ verbessern können", so Mekies.
Gegenwind für Wortäußerungen
Marko ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. In einer F1-Welt, die zunehmend von PR kontrolliert wird, war der Österreicher für Journalisten damit eine erfrischende Ausnahme. Doch das brachte Marko auch in die Bredouille. 2023 hatte er nach dem Italien GP die Formschwankungen von Sergio Perez damit erklärt, dass "er Südamerikaner ist, und halt im Kopf nicht so völlig fokussiert ist, wie es beispielsweise Max oder wie es Sebastian war." Für seine als rassistisch aufgenommene Aussage wurde er von der FIA schriftlich verwarnt.
Zuletzt hatte er in Katar angedeutet, dass Kimi Antonelli den in der WM gegen Verstappen kämpfenden Lando Norris einfach vorbeifahren ließ. Der Mercedes-Pilot erhielt daraufhin Morddrohungen und Red Bull sah sich gezwungen eine offizielle Entschuldigung zu veröffentlichen.
Todesfälle
Zwei Mal dachte Marko daran, dem Rennsport den Rücken zu kehren und keiner davon hatte mit dem Verlust seines linken Auges zu tun. Stattdessen waren es die Todesfälle von Helmut Koinegg und Markus Höttinger. Koinegg starb mit 25 Jahren beim F1-Rennen in Watkins Glen 1974 an den Folgen eines Horror-Crashs. Höttinger starb vier Monate vor seinem F1-Debüt in Zeltweg bei einem Unfall in der Formel 2. "Schiache Momente gab es leider viele. Markus Höttinger, eine Riesen-Hoffnung, wurde vom abgerissenen Hinterrad von Derek Warwick erschlagen. Helmut Koinigg ist in Watkins Glen gestorben. Beide Male war ich involviert, da ich beide unterstützt habe", erzählte Marko.



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