Wer schon länger die Formel 1 verfolgt, der kennt solche Freitage. Im Vorlauf sind alle Augen auf ein großes Update und technische Umbauten am Ferrari geliefert. Im Rückblick am Freitagabend bleibt ein ernüchterndes Ergebnis zurück. In Barcelona kann die Scuderia nach 120 Trainings-Minuten am Freitag noch sehr wenig bis gar keine Fortschritte zeigen.
0,373 Sekunden fehlten Charles Leclerc als abgeschlagenen Vierten auf die Top-3, die am Freitag in Barcelona nicht nur Mercedes beinhaltete, sondern vor allem auch zwei McLaren. Drei bis vier Zehntel, das entspricht in etwa jene Lücke, die Ferrari im Qualifying-Trimm auch in Miami und in Kanada zu beklagen hatte.
Dabei hat Ferrari als einziges Top-Team in Barcelona ein großes Update am Start. Der Frontflügel ist eine komplette Design-Evolution, mit neuen Leitelementen plus einem äußeren Zusatz-Diveplane wie es eigentlich schon fast alle anderen Teams vor Wochen eingeführt hatten. Der Straight-Mode-Aktivierungsmechanismus wurde adaptiert, die Nase selbst angepasst und unten abgeflacht.
Der verbesserte Luftfluss wird von einem großflächig adaptierten Unterboden aufgegriffen. Die Floor-Board-Elemente neben dem Cockpit haben ein neues Profil, das Kiel-Volumen ist kleiner, die vorderen Katen haben neue Profile, und hintenraus wurden die Leitelemente im Diffusor modifiziert. Das geht einher mit einer angepassten Seitenkastenform. Statt der eleganten Kurve ist die Seitenwand nun merklich flacher und soll besser mit der geänderten Luftströmung rundherum funktionieren.



Ferrari testet Update, Charles Leclerc optimistisch aber langsam
Der Frontflügel wurde im 1. Training sehr schnell an beiden Autos montiert. Unterboden und Seitenkasten nutzte erst einmal nur Charles Leclerc. Das zweite Auto, in FP1 noch mit Juniorpilot Dino Beganovic zum Ableisten eines der vier verpflichtenden Rookie-Trainings am Steuer, wurde für Vergleichstests hergenommen.
Im 2. Training fuhren dann sowohl Leclerc als auch Lewis Hamilton das Update. "Wir haben einen Schritt vorwärts gemacht", ist Leclerc generell danach zuversichtlich. Das Auto mag sich besser anfühlen, aber ist es schneller? "Es ist noch zu früh, das zu sagen. Ich denke, unsere Konkurrenten sind ein ziemliches Stück vor uns."
Es ist nicht gerade ungewöhnlich, dass ein großes Update-Paket (bei allem Hype in Italien) am ersten Trainings-Tag noch nicht das volle Potenzial entfaltet, besonders wenn man eines der Trainings bloß mit dem Validieren von Daten verbringt und dafür auch noch einen unerfahrenen Junior-Fahrer einsetzt. Das wirft einen im Setup-Findungs-Prozess oftmals etwas zurück.
Abgesehen davon ging viel Zeit wieder auf den Geraden verloren. Der Großteil der Zeit sogar. In den Kurven ist der SF-26 in Barcelona bekannt schnell. Die Hintergründe lassen sich nach nur einem Tag schwer eruieren. Fuhr man mit heruntergedrehtem Motor? Oder hat man den bekanntlich schwachen Motor mit noch mehr Abtrieb zusätzlich belastet?
Leclerc zufrieden mit Brems-Umbau, Hamilton-Frust mangels Fahrtzeit
Auf Leclerc-Seite gab es dafür zwei Trainings ohne Probleme. Auch nicht bei den Bremsen, nachdem er infolge der durchwachsenen letzten Rennen den Bremsscheiben-Hersteller wechselte. "Sicher hat er ein paar Runden gebraucht, um sich anzupassen, aber am Ende hat alles geklappt, keine Probleme", berichtet Teamchef Fred Vasseur.
So sauber lief Lewis Hamiltons Tag nicht. Zuerst einmal hatte er bei wegen Hitze diffiziler Bedingungen mit sehr wenig Grip nur ein Training, da eben Beganovic in FP1 sein Auto bewegte. In FP2 kamen dann Probleme mit dem Frontflügel: "Das hat die Dinge etwas verkompliziert, besonders in Sachen Reifen-Vorbereitung, und nachdem ich FP1 verpasst hatte, war ich etwas im Hintertreffen."
Wegen der Hitze konnte man in Barcelona am Freitag mit jedem Reifen praktisch auch nur eine richtig schnelle Runde fahren: "Schwierig, in FP2 loszulegen und quasi nur zwei Runden zu haben. Ich weiß nicht wirklich, was ich mit dem Auto tun soll. Hoffentlich bekommen wir morgen eine bessere Vorstellung." Vorerst aber unfähig, eine solide Runde zusammenzustoppeln, landete Hamilton mit 1,205 Sekunden Rückstand auf P9.
Deswegen kann sich Hamilton erst recht nicht zum Update äußern. Nur zum generellen Eindruck nach dem Blick auf die Zeitentabelle: "Charles hatte zwei Sessions und liegt vier Zehntel hinter McLaren und Mercedes. Wir sind also eindeutig noch immer ein ganzes Stück weg. Hoffentlich können wir morgen die Lücke schließen."
Leclerc fuhr immerhin am Ende in FP2 einen brauchbaren Longrun. Wie das Kräfteverhältnis nach dem Freitag in Barcelona einzuordnen ist, erklärt die Trainings-Analyse von Motorsport-Magazin.com.



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