Wie tough der Fight von Startplatz sieben auf das Podium gewesen ist, war Kimi Antonelli nach dem Ungarn GP ins Gesicht geschrieben. Bevor er sich den Fragen von Indycar-Pilot James Hinchcliffe im Parc Fermé stellte, musste er sich erst einmal hinsetzen und kurz durchatmen. "Heute ging es vor allem um Schadensbegrenzung", betonte der Mercedes-Pilot, der nach dem Qualifying eine Gridstrafe kassierte, die ihn drei Plätze zurückversetzte.

Doch selbst ohne die Strafe glaubt er nicht, dass er Lando Norris im Formel 1-Rennen hätte herausfordern können. "Lando hatte an diesem Wochenende die Oberhand – selbst uns gegenüber. Was den reinen Speed angeht, glaube ich nicht, dass ich ihn hätte herausfordern können, vor allem weil das Hinterherfahren so schwierig war und die Reifen dabei stark überhitzten. Deshalb wäre es sehr schwer geworden."

Wolff: Hätten es besser machen müssen

Während er sich bei seiner Mannschaft für die starke Leistung bedankte, die ihn überhaupt ins Rennen um ein Podium brachte, fiel die Bilanz von Toto Wolff deutlich negativer aus: "Wenn ich jetzt zurückblicke, dominiert das Gefühl, dass wir es besser hätten machen müssen – das gilt aus Sicht des Teams. Die Fahrer haben nichts falsch gemacht." Dass Antonelli mit dem dritten Platz in Ungarn seine Führung in der WM gegenüber Lewis Hamilton, der nur Fünfter wurde, auf 50 Punkte ausbauen konnte, mildert Wolffs Stimmung kaum: "Dass uns das gelungen ist, ist großartig."

In der Frühphase des Rennens blieb Antonelli unscheinbar. Er ließ zwar keine Lücke zu Ferrari und Max Verstappen aufreißen, war aber auch nie nah genug dran, um Druck ausüben zu können. Nach dem Rennen verriet er auch warum: Ursprünglich war er auf einer Ein-Stopp-Strategie unterwegs gewesen. "Aber dann sagte mir das Team, dass die Reifen am Limit sind. Also haben wir gestoppt", erzählte Antonelli. Seinen ersten Stopp absolvierte er in Runde 22 als Letzter der Spitzengruppe, wodurch er kurzzeitig das Rennen anführte.

Was für ein herzerwärmender, aber auch hochgradig chaotischer Ungarn GP auf dem Hungaroring! Stunk zwischen Carlos Sainz und Oscar Piastri sorgt für Action. Mehr im Video:

Sainz schießt Piastri fast bei Überrundung ab! Nächste Hamilton-Strafe bei Ferrari-Pleite (09:41 Min.)

Wolff trauert verpasster Chance in Ungarn nach

Damit gelang ihm ein weiterer Meilenstein in seiner F1-Karriere: Er ist der erste Nicht-Weltmeister, der zehn Rennen in Serie anführte. In Runde 54 folgte der zweite Stopp, der ihn wie schon zuvor zurück auf Platz sechs katapultierte. Als kurz darauf ein Getriebeschaden an Piastris McLaren ein virtuelles Safety Car auslöste und beide Ferraris an die Box kamen, spülte es ihn auf P3 nach vorne. Trotzdem trauerte Wolff der verpassten Chance nach: "Es hätte ein zweiter Platz werden können. Hätten wir ein fehlerfreies Wochenende gehabt, hätten wir meiner Meinung nach um den Sieg gekämpft oder zumindest zwei Autos auf dem Podium gehabt."

Antonelli hatte in diesem Moment jedoch ganz andere Sorgen, denn er musste seine Position bis Runde 70 gegen zwei Ferraris auf Softs verteidigen. "Ich wusste, dass es sehr schwer werden würde, da ich auf harten Reifen fuhr", verriet der 19-Jährige. Zusätzlich musste er sich seinen Weg durch den Verkehr bahnen, wobei er auch noch von Gabriel Bortoleto aufgehalten wurde. Der Audi-Pilot stand aufgrund eines Problems mit dem Überrundungs-System Antonelli praktisch den ganzen Mittelsektor im Weg, während sich in seinem Heck Hamilton immer breiter machte. Eine Situation, die Wolff gehörig aufstieß und im Anschluss des Rennens zu einem Vergleich mit den Teletubbies führte.

Für seinen Fahrer hatte der Teamchef hingegen nur Lob übrig: "Kimi hat sich auf den harten Reifen gegen Lewis auf den weichen Reifen brillant verteidigt." Der Youngster verabschiedet sich damit mit neun Podien in elf Rennen in die Sommerpause. Während viele bereits davon sprechen, dass nur noch viel Pech verhindern kann, dass es erstmals seit 73 Jahren wieder einen italienischen Formel-1-Weltmeister gibt, versucht Wolff den Ball weiterhin flach zu halten: "Auch wenn der Vorsprung 50 Punkte beträgt, stehen noch so viele Rennen aus. Ein oder zwei Ausfälle können das Kräfteverhältnis komplett verändern, und bei der Zuverlässigkeit waren wir bislang nicht gerade überragend."

Kein Formel-1-Rennen ohne ein George-Russell-Debakel: In Ungarn passiert ein fataler Start-Fehler. Nicht dem Fahrer, schwört Mercedes. Die Motor-News werden immer schlechter. Mehr dazu in diesem Artikel

F1-Entwicklungsrennen 2026: Mercedes schlägt anderen Weg ein

Eine entscheidende Rolle im Titelkampf spielt auch das Entwicklungsrennen. Mercedes schlug dabei einen gegensätzlichen Weg zur Konkurrenz ein. "Wir müssen sehr strategisch vorgehen, wann wir Updates bringen und wann sie den größten Einfluss auf die Performance haben – anstatt einfach bei jedem Rennen neue Teile ans Auto zu schrauben, wie wir es früher gemacht haben. Das kann man heute nicht mehr so machen", erklärte Wolff.

Während die Konkurrenz in der ersten Saisonhälfte teils massive Entwicklungspakete an die Strecke gebracht haben, setzt man in Brackley auf einen kontinuierlichen Strom kleinerer Modifikationen an jedem einzelnen Rennwochenende. De facto hat Mercedes von den vier Top-Teams bislang die wenigsten Updates an die Strecke gebracht. "Wir haben bewusst versucht, mehr Entwicklung für die zweite Saisonhälfte aufzusparen. Mal sehen, ob das am Ende ausreichen wird", so Wolff.

Frische Updates für dich! Neuer Audio-Service, Google-Tipps und mehr: Wir entwickeln Motorsport-Magazin.com ständig weiter. Hier gibt es alle Neuerungen auf einen Blick!