An diesem Wochenende steigt erstmals ein Formel-1-GP auf dem neuen Madring und damit gehen in diesem Jahr gleich zwei Rennen in Spanien über die Bühne. Dadurch kommt dem Land auf der iberischen Halbinsel ein sehr seltener Status zu, nämlich, dass es gleich zwei F1-Rennen parallel hat - auch wenn eines davon nur alternierend im Kalender ist.
Eine Präsenz von Spanien in der Formel 1, die noch zu Beginn des Jahrtausends undenkbar war. Damals hatte die Königsklasse in dem südeuropäischen Staat nur ein Nischendasein. Dass schon 1994 und 1997 je zwei GPs in Spanien ausgefahren wurden, war nur eine Notfalllösung. Dann kam die 'Alonsomania' Anfang der 2000er-Jahre. Fernando Alonso denkt vor dem Rennwochenende in Madrid an die Zeit vor dem Hype zurück.
Er erinnert sich daran, wie schwierig es zu seiner Anfangszeit überhaupt war, in Spanien Formel 1 zu schauen. Kurioserweise habe seine Familie sogar deutsches Fernsehen schauen müssen, um ihn in Aktion zu sehen. "In meinem Debütjahr, 2001, schaute meine Familie die Rennen auf RTL, weil es in Spanien nicht übertragen wurde", erinnert er sich. "Da sieht man, wie klein Formel 1 damals [in Spanien] noch war."
Inzwischen ist es natürlich undenkbar, dass das Publikum in Spanien auf Formel-1-Übertragungen aus dem Ausland angewiesen ist. Erst am Dienstag verlängerte die Königsklasse den TV-Vertrag von DAZN für Spanien, Portugal und Andorra bis 2030. Im Rahmen dieser Verlängerung schrieb die Königsklasse davon, dass man auf der iberischen Halbinsel über eine Fanbasis von 17,9 Millionen Zuschauern verfüge. Bei circa 58 Millionen Einwohnern entspricht das einer Quote von über 30 Prozent.
Alonso steht in der Formel 1 inzwischen schon bei 438 Starts - Rekord! Wie viele werden noch dazukommen? Das steht in den Sternen, denn Alonso lässt es aktuell noch offen, ob er nach 2026 noch weiterfährt. In diesem Artikel findet ihr mehr Infos dazu:
Nicht die WM-Titel: Das ist Fernando Alonsos größtes Vermächtnis in der Formel 1
2001 fuhr Alonso noch bei Minardi. Die große Renault-Zeit, in der er zunächst um Poles, Podien und Siege mitfuhr und schließlich zwei Weltmeister-Titel abräumte, begann erst zwei Jahr später. Und damit auch der Hype, der inzwischen über den Routinier hinaus anhält. "Das war vor 20 Jahren und man sieht, wie sich die Dinge geändert haben…", denkt Alonso zurück. "Die Leidenschaft. Es gab [seitdem] so viele spanische Fahrer in der Formel 1. Und es hört nicht hinter dem Lenkrad auf. Ich denke, fünf bis sieben, wenn nicht sogar zehn Prozent der Mechaniker und Ingenieure in der Formel 1 sind jetzt Spanier", vermutet der aktuelle Aston-Martin-Pilot.
Er betrachtet diese Bestandsaufnahme als eine der größten Errungenschaften seiner Karriere - vollkommen losgelöst von allen Titeln, Rennsiegen oder sonstigen Erfolgen. "Es gibt kaum etwas, das mich so mit Stolz erfüllt. Eine Meisterschaft zu gewinnen, wenn man im richtigen Moment im richtigen Auto ist, diese Gelegenheit haben zwanzig Fahrer, und ich hatte das Glück, diese Erfahrung zu machen. Aber ich denke, das größte Vermächtnis meiner Karriere ist die Veränderung, die Spanien in der Formel 1 durchgemacht hat."
"Alles vom Kartsport in den Formelsport, verschiedene spanische Teams, die im Formelsport fahren, selbst zu einem Teil im Rallyesport und in anderen Kategorien", zählt Alonso auf. Wie groß die Formel-1-Begeisterung und auch der Trubel um ihn selbst nach wie vor ist, merkt er nicht zuletzt aufgrund der Besucherzahlen, die das ihm gewidmete Museum in seiner Heimatstadt verzeichnet. "All diese Dinge außerhalb des Autos machen mich vielleicht noch stolzer auf meine Karriere als die Ergebnisse selbst", fasst der 32-fache Grand-Prix-Sieger zusammen.
Alle Spanier in der Formel 1
| Name | GP-Starts | Jahr[e] | Größte Erfolge |
|---|---|---|---|
| Fernando Alonso | 438 | 2001–2001, 2003–2018, 2021–2026 | 2× Weltmeister |
| Carlos Sainz Jr. | 242 | 2015–2026 | 4x GP-Siege |
| Pedro de la Rosa | 105 | 1999–2012 | 1x Podium |
| Jaime Alguersuari | 46 | 2009–2011 | Beste Platzierung: P7 |
| Marc Gené | 36 | 1999–2004 | Beste Platzierung: P5 |
| Luis Pérez-Sala | 32 | 1988–1989 | Beste Platzierung: P6 |
| Adrián Campos | 17 | 1987–1988 | Beste Platzierung: P14 |
| Francisco "Paco" Godia | 13 | 1951–1958 | Beste Platzierung: P4 |
| Roberto Merhi | 13 | 2015 | Beste Platzierung: P12 |
| Alex Soler-Roig | 6 | 1970–1972 | - |
| Alfonso de Portago | 5 | 1956–1957 | 1x Podium |
| Emilio de Villota | 2 | 1976–1977 | Beste Platzierung: P13 |
| Antonio Creus | 1 | 1960 | - |
Aufgelistet sind alle Spanier, die an einem Formel-1-Rennen teilgenommen haben (DNQs und DNS nicht berücksichtigt)
Carlos Sainz' Kindheitserinnerungen: "Eines Tages will ich so sein wie Alonso"
Mit Carlos Sainz brachte das Land inzwischen sogar einen zweiten GP-Sieger nach Alonso hervor. Der Sohn des gleichnamigen Rallye-Weltmeisters ist nicht nur generationenmäßig ein Kind des Alonso-Hypes der Nuller-Jahre, wie der Madrilene feststellt. "Ich erinnere mich, als ich etwa zehn Jahre alt war, sagte ich zu meinem Vater: 'Ich will eines Tages wie Fernando Alonso sein.' Er war also ein zentraler Faktor, dass wir jetzt einen zweiten spanischen Fahrer in der Formel 1 haben, aber auch für das Wachstum des Motorsports in Spanien und der Formel 1 in Spanien."
Für ihn hat das Rennen in Madrid natürlich noch einmal einen viel höheren Status als für den Asturier. Denn während für Alonso sowohl der Madring als auch der Circuit de Barcelona-Catalunya hunderte Kilometer von seinem Geburtsort entfernt liegen, steigt der Grand Prix auf der neu angelegten Stadtstrecke quasi im Wohnzimmer von Sainz. "Das zehnjährige Kind von damals hätte wohl niemals gedacht, dass er eines Tages ein Formel-1-Fahrer sein und an einem Grand Prix in Madrid teilnehmen würde. Deshalb ist es so besonders und emotional", sagte er.
Als Lokalmatador war Sainz auch stark in die Entwicklung des Stadtrennens und der Strecke involviert. Der Williams-Fahrer drehte im Mai in einem Ford Mustang als erster F1-Fahrer ein paar Runden auf der Strecke, die seiner Meinung nach eine Kombination aus Jeddah, Baku und sogar Macau ist. Hier könnt ihr diesen etwas gewagten Vergleich im Wortlaut nachlesen:



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