Nicht wenige erwarteten in den letzten Monaten für das Formel-1-Wochenende in Madrid, dass hier endlich Klarheit zur Zukunft von Fernando Alonso geschaffen würde. Schließlich hat es in der Königsklasse durchaus Tradition, dass günstig im Kalender positionierte Heimrennen für große Ankündigungen genutzt werden - also für eine etwaige Vertragsverlängerung oder einen Rücktritt.
Doch nichts davon lieferte Alonso am Donnerstag vor seinem zweiten Heim-GP in dieser Saison. Ganz im Gegenteil. In Madrid präsentierte er sich schmallippig, als er auf seine Zukunft in der Formel 1 angesprochen wurde. "Nicht bald", lautete seine Antwort auf die Frage, wann mit Neuigkeiten zu seiner Zukunft zu rechnen sei.
Aston Martin kein attraktives Team: Deshalb hat Fernando Alonso alle Zeit der Welt
Alonso spannt Aston Martin schon länger auf die Folter, wie und ob er weitermachen will. Gleichzeitig hat er keine anderen Optionen in der Formel 1. Kurze Gerüchte, die im Sommer rund um ein Comeback bei Alpine aufkamen, erwiesen sich schnell als Strohfeuer und erledigten sich spätestens mit der Bekanntgabe von Franco Colapinto vor dem Monza-Wochenende.
Warum er so lange wartet, will er nicht ernsthaft kommentieren. "Weil es Spaß macht", grinste er bei der Pressekonferenz in Madrid nur. Alonso hat aktuell aber auch alle Zeit der Welt, denn hochkarätige Anwärter auf sein Cockpit sind keine vorhanden. Potenzielle Kandidaten hätten "im Sommer Lawrence besucht. Also [gibt es] keine Dringlichkeit" für ihn, so Alonso. Er kann sich also in Ruhe anschauen, wie sich die Mannschaft aus Silverstone schlägt, die nach einem desaströsen Saisonstart erst seit Ungarn den Anschluss geschafft hat.
Aktuell ist das Formel-1-Team von Lawrence Stroll noch damit beschäftigt, dieses Paket setupmäßig auszureizen. Wie viel Alonso aber in den letzten Monaten der laufenden Formel-1-Saison auf der Strecke über seine Zukunftsaussichten lernen kann, ist fraglich. Denn der große Schwachpunkt ist auch nach den Nachbesserungen von Zandvoort der Honda-Motor, und dieser wird 2026 keine Verbesserungen mehr bekommen. Das Schicksal von Aston Martin für 2027 und damit auch für die Zukunft von Alonso könnte sich also hinter geschlossenen Türen in Sakura entscheiden, wo im Moment alle Ressourcen auf einen neuen Motor für den Saisonstart hinarbeiten.
Aston-Verbleib wahrscheinlich – aber in welcher Rolle?
Wie auch immer seine Entscheidung ausfällt, scheint es sehr wahrscheinlich, dass Alonso auch im kommenden Jahr in den Diensten von Aston Martin Honda aktiv sein wird – nur eben nicht unbedingt als Fahrer. Schon seit Jahren betont der Asturier, dass er es sich gut vorstellen kann, im Anschluss an seine aktive Karriere bei dem Formel-1-Team in eine andere Rolle zu schlüpfen.
Diese Absicht betonte er auch am Donnerstag: "Ich muss gleichzeitig darüber nachdenken, was das Beste für das Programm für nächstes Jahr ist. Ob ich hinter dem Lenkrad oder in einer anderen Rolle am meisten helfen kann. Das ist das Wichtigste, das wir gemeinsam entscheiden." Die Antwort von Teamseite scheint dabei ziemlich klar zu sein. Chief Trackside Officer Mike Krack betonte noch im Juni, dass Fernando Alonso zu schnell sei, um aufzuhören. Aus Kracks Aussagen der letzten Wochen geht auch hervor, dass der Ball im Moment bei Alonso selbst liege. Der F1-Rekordstarter selbst sieht das anders...
Formel-1-Regeln wichtiger Entscheidungsfaktor: Geht Alonso sonst in die WEC?
Alonso hatte ursprünglich grob "die Sommerzeit" als Deadline für seine Zukunft gesetzt. Noch in Zandvoort war die Rede davon, dass eine Entscheidung "in den kommenden Wochen" fallen werde. Sobald er einmal Zeit fände, sich mit Lawrence Stroll oder Teamchef Adrian Newey zu unterhalten.
Potenziell gibt es auch eine weitere Variante. Fernando Alonso könnte anstelle der Königsklasse auch in der Langstrecken-WM bei Aston Martin andocken. Für den zweifachen Le-Mans-Sieger eine gute Alternative zur Formel 1. Er selbst bestätigte, dass das eine Möglichkeit ist, ging aber in Madrid nicht weiter darauf ein. In der Hypercar-Klasse wartet Aston Martin in der zweiten Saison noch auf ein erstes Podium, auch wenn man performance-mäßig einen klaren Schritt zum Debütjahr hingelegt hatte.
Ein großer Vorteil wäre aber, dass Alonso in der WEC mit dem Valkyrie ein echtes V12-Monster ohne Hybridisierung steuern könnte. Dass er mit der aktuellen Motorformel in der Formel 1 überhaupt keine Freude hat, betont er seit Saisonbeginn unermüdlich. "Ich denke, es kommt viel darauf an, welchen Einfluss die Regeländerungen für nächstes Jahr auf das Racing und auf das Fahrerische haben. Wie ich schon oft gesagt habe, sind diese Autos nicht die besten, um Spaß damit zu haben. Aber nächstes Jahr gibt es einen Schritt, der in die richtige Richtung geht - hoffentlich", beteuerte Alonso.



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