Die Rennstrecke in Madrid ist für die Formel-1-Fahrer an diesem Wochenende eine ganz neue Herausforderung. Erstmals seit 2023 Las Vegas im Formel-1-Kalender debütierte, mussten sich die Teams ohne reale Daten auf einen Austragungsort vorbereiten. Die Simulator-Arbeit war in den vergangenen Wochen eines der wichtigsten Tools. Wohl dem, der diese Ressource technologisch ausschöpfen kann. Bei den Ferrari-Kunden Haas und Cadillac steht man in dieser Hinsicht brutal auf dem Schlauch. Oliver Bearman findet zudem recht neumodische Ansätze für einen Formel-1-Piloten, Streckenkenntnis zu erlangen.

"Wir bekommen die Informationen von Ferrari immer erst kurz vor dem Wochenende. Sie sind diejenigen, die es testen und wir haben darüber nicht viele Daten", erklärt Sergio Perez, dass Cadillac vor dem Rennwochenende beim Energie-Management ihrer Power Unit von Ferrari praktisch im Dunkeln tappt. Der Mexikaner absolvierte seine Simulator-Session für die Premiere auf dem Madring schon vor Monza.

Ähnlich sieht es bei Haas aus, wo Oliver Bearman den direkten Vergleich zur Scuderia ziehen kann. Der Brite wurde 2022 in die Ferrari Academy aufgenommen und debütierte 2024 in Jeddah spontan für den krankheitsbedingt ausgefallenen Carlos Sainz mit Ferrari. Seit 2025 ist er Stammpilot bei Haas. Die US-Amerikaner nutzen immer noch den Simulator der Scuderia, richten derzeit an ihrem Standort im britischen Banbury aber den eigenen ein, der bis Ende des Jahres fertig sein soll.

Formel-1-Simulator für Ferrari-Fahrer praktisch 'ready to race'

"Wenn ich unseren Simulator mit dem von Ferrari vergleiche, gibt es ein paar Unterschiede in der Hardware. Die Software ist größtenteils dieselbe aber ihr Simulator läuft acht Tage die Woche und unserer einen Tag im Monat", so Bearman. In seiner Rolle als Entwicklungsfahrer war er in Maranello eng in die Simulatorarbeit eingebunden. Als Einsatzpilot bei Haas erkennt er jetzt, wie einfach es Charles Leclerc und Lewis Hamilton, sofern Letzterer sich zu seiner Simulator-Session hinreißen lassen kann, im Gegensatz zu ihm haben.

"Jedes Mal, wenn ich jetzt in den Simulator gehe, ist es der Job des Fahrers, das Reifenmodell zu fixen und all die Fehler zu beheben. Als Simulator-Fahrer bei Ferrari war das damals mein Job, damit die Fahrer, wenn sie am Dienstag oder Mittwoch reinkamen, zu 90 Prozent alles ready hatten und sich nur auf die Setuparbeit konzentrieren konnten", erklärt er. "Für uns ist das eine ziemliche Aufgabe. Wenn du sowieso nur einen Tag im Simulator hast, verbringst du die erste Hälfte davon nur damit, all die Dinge zu erledigen, die sonst ein Simulator-Fahrer macht."

Obwohl Haas mit Toyota-Werksfahrer Ryō Hirakawa einen offiziellen Ersatzfahrer nominiert hat, der auch in FP1-Sessions zum Einsatz kommt, verfügt das Team laut Bearman nicht über einen festen Simulator-Fahrer. "Wir haben diesen Luxus nicht und das macht es schwierig. Aber es ist natürlich immer noch besser, als gar keinen Simulator zu haben. Dennoch würde ich sagen, dass wir im gesamten Grid, abgesehen von Lewis vielleicht, am wenigsten im Simulator fahren."

Oliver Bearmans unorthodoxer Trainingsansatz: Erst crashen, dann lernen

Die wenige Simulatorzeit weiß der 21-Jährige allerdings effizient zu nutzen, gerade wenn es um das Erlernen einer neuen Rennstrecke geht. "Du kannst dir nicht wehtun und das Auto nicht kaputtmachen, also ist das Ziel im Simulator in etwa, möglichst jede Wand zu erwischen. Damit lernst du schnell, wo die Limits sind und findest sie auf dem direktesten Weg. Dadurch passiert dir das dann auf der realen Rennstrecke hoffentlich nicht", erklärt er einen Ansatz, der eigentlich selbst unter Simracern verpönt ist, für seine Generation F1-Fahrer aber scheinbar genauso gut funktioniert.

"Es ist definitiv eine schwierige Rennstrecke, aber es ist für mich eigentlich auf jedem Stadtkurs im Simulator erstmal normal, von einer Wand gegen die andere zu fliegen. Das ist das Schöne am Simulator", sagt er. Der Fokus lag in der Vorbereitung diesmal vor allem auf dem Qualifying, denn Track-Position erwartet Bearman in Madrid als ausschlaggebenden Faktor. "Aus Basis des Simulators würde ich sagen, dass es ein Rennen wie Budapest, Monaco oder Zandvoort wird, wo es nur ums Qualifying geht. [...] Und für ein gutes Qualifying brauchst du von deiner ersten Runde am Freitag an volles Selbstvertrauen."

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