Carlos Sainz freut sich auf das Debüt des Madring in der Formel 1 in dieser Woche wie kaum ein anderer Fahrer. Wenig überraschend, schließlich findet das Rennen praktisch im Wohnzimmer des gebürtigen Madrilenen statt. Sainz pflegt direkte Beziehungen zu den Promotoren des Events, das bereits vor seiner ersten Ausgabe über einen 10-Jahres-Vertrag verfügt.
Der Williams-Pilot hielt auf dem Messegelände, auf dem die Strecke errichtet wurde, letztes Jahr einen Showrun ab und fuhr im Mai als erster F1-Pilot überhaupt in einem Ford Mustang eine Runde um die damals noch nicht einmal final asphaltierte Strecke.

Carlos Sainz: "Eine der größten Herausforderungen in der Formel 1"
Da mag es auch nicht überraschen, dass Sainz gehörig die Werbetrommel für sein erstes 'echtes' Heimrennen rührt und mit hoch angesetzten Erwartungen nicht geizt. "Mit der Art, wie die Mauern stehen und wie das Design der Strecke ist, wird es eine der größten Herausforderungen in der jüngeren Zeit in der Formel 1 sein", prognostizierte er am vergangenen Wochenende in Monza für den Spanien-GP.
"Ich denke, die Strecke erinnert mich sehr an Jeddah und sie erinnert mich sehr an Baku", vergleicht er den 5,416-Kilometer langen Kurs mit zwei aktuellen Straßenstrecken der Königsklasse. Ein breit angelegter Vergleich. Denn der GP von Aserbaidschan wird auf einem eckigen und abschnittsweise engen Kurs mit zahlreichen 90-Grad-Kurven und einigen langen Geraden ausgefahren, der Austragungsort des Saudi-Arabien-GPs ist eine vollblütige Highspeed-Strecke mit zahlreichen schnellen Passagen.
Der Madring versucht beides zu sein. Mehrere langsame bis mittelschnelle Schikanen auf der ersten Hälfte der Runde werden gefolgt von der 'Monumental' – einer um 13,5 Grad überhöhten Highspeed-Kurve, die am Limit zu Vollgas liegen soll – und einer zweiten Rundenhälfte, in der sich schnelle und 90-Grad-Kurven flott aufeinanderfolgend abwechseln. Gemessen an den Simulationen und den hochgerechneten Zeiten des Formel-3-Tests vor einigen Wochen zählt der Kurs zu den langsameren im Rennkalender.
Welche Ähnlichkeiten hat der Madring mit Macau?
Sainz geht sogar noch weiter. "Es erinnert mich ein bisschen an Macau", so der 32-Jährige, der von 2011 bis 2013 jeweils beim legendären Grand Prix der Formel 3 in der ostasiatischen Zockermetropole am Start stand. "Das in einem Formel-1-Auto zu fahren, mit tausenden PS, wird eine ziemlich interessante Herausforderung sein."
Was ihn zu diesem Vergleich bewegt, führte er nicht genauer aus. Denn auf dem Papier ist der für Straßenstrecken nicht übertrieben enge temporäre Kurs von Madrid kaum mit Macau vergleichbar, wo extrem schmale Straßenschluchten und enge Kurvenradien mit starken Höhenunterschieden und einem schnellen Highspeed-Sektor kombiniert werden, auf dem man in Formelautos fast zwei Kilometer lang voll auf dem Gas bleibt. Madrid verfügt zwar auch über ein paar An- und Abstiege und über zwei etwas längere Geraden, die 589 bzw. 837 Meter lang sind, aber nichts, das in seinen Dimensionen auf den legendären Guia Circuit hinweisen würde.

Madring: Die wichtigsten Daten und Fakten zur Formel-1-Strecke
- Streckenname: Madring
- Streckenlänge: 5,416 km
- Kurven: 22
- Runden im Rennen: 57
- Renndistanz: 308,524 km
- Meereshöhe: 671 bis 697 m
- Formel-1-Vertrag: 2026 bis 2035
Chaos-Rennen in Madrid? Carlos Sainz von F3-Test gewarnt
Was allerdings auf beiden Strecken ähnlich ist, ist das hohe Risiko für Unfälle und damit auch für Safety-Car-Phasen oder rote Flaggen. Beim zweitägigen Formel-3-Test am 25. August soll es nicht weniger als 19 Unterbrechungen gegeben haben. "Ich habe mir die Strecke angeschaut und davon [vom F3-Test, d. Red] gehört. Ich denke, wir können derartige Dinge wie Safety Cars, rote Flaggen und gelbe Flaggen im Qualifying erwarten", betonte auch Sainz.
Er denkt aber nicht, dass sich das unbedingt für die Formel 1 prognostizieren lasse. "Die Formel 1 hat die Tendenz, vermehrt auf Strecken wie Jeddah, Baku oder zuletzt Miami zu gehen, wo es mehr Mauern gibt. Wir hatten damit keine Probleme und die Rennen scheinen an jedem Ort, an den wir kommen, gut zu laufen."
Er zog die Formel 1 in Baku als Beispiel hervor. Auch dort rechneten viele vor dem ersten Rennen mit Chaos. Doch der Premieren-GP im Jahr 2016 verlief weitestgehend ereignisarm, ohne nennenswerte Unfälle und ohne eine einzige Safety-Car-Phase. "Wir [F1-]Fahrer tendieren dazu, ein bisschen disziplinierter zu sein. Wir haben mehr Verantwortung, schon alleine deshalb, da wir tausende Menschen aus der Fabrik repräsentieren, die unsere Autos bauen, und wir ein bisschen vorsichtiger mit unserem Material sein müssen", erklärt Sainz.



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