Schon länger standen Fragezeichen hinter der Fahreraufstellung von Peugeot in der WEC für die Saison 2027. Gleich mehrere Fahrer wurden mit einem Abschied aus dem Le-Mans-Programm der Franzosen in Verbindung gebracht. Jetzt setzte die Stellantis-Marke den ersten Schritt und verkündete einen ersten Neuzugang für das kommende Jahr.

Dabei handelt es sich um niemand Geringeren als um Robert Shwartzman. Shwartzman, der bis 2022 mit einer russischen Lizenz gestartet ist, und seitdem unter israelischer Flagge fährt, war von 2017 bis 2022 Juniorfahrer bei Ferrari. Im Nachwuchs war er somit gleich im doppelten Sinne ein direkter Konkurrent von Mick Schumacher, mit dem er sowohl 2018 in der europäischen Formel 3 als auch 2020 in der Formel 2 gemeinsam bei Prema an den Start ging.

Jetzt für Peugeot: Robert Shwartzman kehrt in die WEC zurück

Seine größten Erfolge feierte Shwartzman im Nachwuchs-Rennsport als erster Champion in der 2019 neu formierten FIA Formel 3 und dem Vize-Meistertitel in der Formel 2 zwei Jahre später. Im Gegensatz zu Schumacher gelang Shwartzman aber nie der große Durchbruch in Form eines Formel-1-Cockpits. Zwischen 2022 und 2024 absolvierte er in Summe sechs FP1-Einsätze bei Ferrari bzw. bei Sauber in der Königsklasse.

Gleichzeitig baute sich Shwartzman schon andernorts eine vielversprechende Langstrecken-Karriere auf. 2023 startete er mit AF Corse in der GT World Challenge in einem Ferrari 296 GT3, ein Jahr später bestritt er seine erste WEC-Saison im von AF Corse privat eingesetzten Ferrari 499P #83. Eine Saison, die er an der Seite der beiden späteren Le-Mans-Sieger Robert Kubica und Yifei Ye mit dem Sieg beim 6h-Rennen in Austin krönte. Bei den 24 Stunden von Le Mans schied das Trio damals jedoch aus.

IndyCar-Abenteuer nach nur einem Jahr vorbei

2025 wagte Shwartzman allerdings ein vollkommen neues Abenteuer und wechselte mit Prema in die IndyCar. Dort fuhr er sensationell auf die Pole Position für das Indy 500, die restliche Saison gestaltete sich mit dem Neueinsteiger-Team abgesehen von einzelnen Top-10-Ergebnissen allerdings schwierig. Nachdem Prema sich für 2026 aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten wieder aus der IndyCar zurückzog, blieb Shwartzman für das laufende Jahr ohne ein Cockpit in irgendeiner bedeutenden Meisterschaft.

Robert Shwartzman: Alle Karriere-Stationen

Jahr Serie Team Position
2014 Italienische Formel 4 Cram Motorsport 16.
2015 Italienische Formel 4 Mücke Motorsport 3.
2015 ADAC Formel 4 ADAC Berlin-Brandenburg / Mücke Motorsport 4.
2016 Formel Renault Eurocup Josef Kaufmann Racing 8.
2016 Formel Renault NEC Josef Kaufmann Racing 6.
2017 Formel Renault Eurocup R-ace GP 3.
2018 Toyota Racing Series M2 Competition 1. / Meister
2018 Europäische Formel 3 Prema Racing 3.
2019 Formel 3 Prema Racing 1. / Meister
2020 Formel 2 Prema Racing 4.
2021 Formel 2 Prema Racing 2.
2023 GT World Challenge Europe Endurance Cup AF Corse Ferrari 8.
2024 WEC AF Corse Ferrari 9.
2025 IndyCar Prema Racing 24.

Mit ihm angelt sich Peugeot einen Fahrer, der sein Können bereits in zahlreichen Serien unter Beweis gestellt hat, nicht zuletzt eben auch schon in einem Hypercar in der WEC. "Ich freue mich extrem darüber, nach meiner Zeit in den USA in die Langstrecken-Weltmeisterschaft zurückzukehren. Langstrecken-Rennen sind etwas, das ich in den letzten beiden Saisons vermisst habe und ich finde es aufregend, jetzt zu Peugeot zu kommen", wird er bei der Bekanntgabe zitiert.

"Schon bei meinen allerersten Gesprächen mit dem Team fühlte ich mich aufrichtig willkommen und sofort als Teil des Projekts – in einem äußerst professionellen und ambitionierten Umfeld", so Shwartzman weiter. Peugeot-Teamchef Emmanuel Esnault sagte bei der Verkündung: "Er ist zweifellos eines der vielversprechendsten Talente seiner Generation und verfügt bereits über einen reichen Erfahrungsschatz, den er auf höchstem Niveau sowohl in Formelautos als auch im Langstreckenrennsport gesammelt hat."

Peugeot auf Fahrersuche: Wen ersetzt Robert Shwartzman?

"Sein natürlicher Speed, seine Anpassungsfähigkeit und seine Reife machen ihn zur idealen Besetzung für unser Projekt. Er ist bereits voll und ganz in die Vorbereitung für unser Programm 2027 eingebunden und wird eine wichtige Rolle in der Zukunft des Teams spielen", so Esnault weiter. Mit wem Shwartzman sich 2027 bei Peugeot ein Auto teilen wird und wer überhaupt alles im Sextett der Franzosen unterkommt, ist noch nicht bekannt.

Denn die Zeichen stehen bei Peugeot auf Umbruch. Sowohl der Däne Malthe Jakobsen als auch Stoffel Vandoorne werden nach dieser Saison wohl den Franzosen den Rücken zukehren. Jakobsen wird mit einem Wechsel ins WEC-Team von McLaren in Verbindung gebracht, Vandoorne könnte in der Formel E bei Jaguar unterkommen.

Auch der weitere Verbleib von Theo Pourchaire ist unklar. Er wird sich aller Voraussicht nach 2026/27 auf die Formel E konzentrieren, wo er für Konzernschwester Opel an den Start geht. Wer die weiteren offenen Posten füllen könnte, ist noch nicht bekannt. Entwicklungsfahrer Alex Quinn wäre die logische Wahl für einen Aufstieg ins Stammcockpit. Aktuell fahren neben den Genannten auch Nick Cassidy, Paul di Resta und Loic Duval in der WEC einen Peugeot 9X8.