Der nächste Formel-1-Fall für das Internationale Berufungsgericht der FIA steht. Motorsport-Magazin.com konnte am Donnerstag in Madrid über mehrere Quellen bestätigen, dass Audi tatsächlich weiter gegen den Freispruch von Yuki Tsunoda wegen der Verwirrung beim ersten Restart-Versuch in Monza vorgehen wird.
Audi hatte am Sonntagabend in Monza erst die Absichtserklärung dazu eingereicht. Damit begann eine 96-Stunden-Frist zu laufen. Innerhalb dieser 96 Stunden hat man entweder diese Absicht in eine tatsächliche Berufung umzuwandeln, oder man zieht die zurück.
Bei einigen im Fahrerlager herrschten am Donnerstag Zweifel vor, ob der Fall rechtliche Substanz hätte, um ihn weiterzuverfolgen. Zur Erinnerung: Es ging darum, dass Tsunoda beim Restart nach der roten Flagge so schief in seiner Startbox gestanden war, dass die Rennleitung den Startversuch abgebrochen und eine zusätzliche Formationsrunde ausgelöst hatte.
Das Reglement verlangt von einem Fahrer, der einen Start-Abbruch auslöst, einen Start aus der Boxengasse, was Tsunoda nicht tat. Zu Recht, urteilte die nach dem Rennen folgende Stewards-Ermittlung. Tsunoda war schief gestanden, aber immer noch innerhalb der Markierungen. Der Abbruch des Rennleiters erfolgte aus Vorsicht. Tsunoda könne das nicht angelastet werden.
Gabriel Bortoleto will den Monza-Punkt: Sehr simpel in den Regeln
Audi sieht das nach wie vor anders. Das wird auch klar, als Gabriel Bortoleto am Donnerstagnachmittag in Madrid dazu angesprochen wird: "Es ist sehr simpel in den Regeln. Wenn ein Fahrer eine zusätzliche Formationsrunde auslöst, muss er aus der Box starten, und das tat Yuki in diesem Fall nicht."
"Deswegen gegen wir in Berufung", so Bortoleto. Audi möchte mit dem Prozess eine nachträgliche Durchfahrtsstrafe für Tsunoda erwirken. Das ist die Standard-Strafe für einen Fahrer, der einen Startabbruch auslöst und dann nicht an die Box kommt. Diese Strafe würde ausreichen, damit Bortoleto und nicht Tsunoda den letzten Monza-Punkt bekommt.
"Für uns zählt jeder Punkt, und das ist am Ende des Tages richtig", meint Bortoleto. Audi liegt in der Konstrukteurs-WM momentan mit 16 Punkten auf dem achten Platz. 5 Punkte fehlen auf Haas, die man im Sommer zumindest in Sachen Performance auf der Strecke weit hinter sich gelassen hat. 46 fehlen auf Alpine, mit denen man seit mehreren Wochen regelmäßig kämpft.
Dieser eine Punkt wird nun aber voraussichtlich erneut Wochen dauern. Eine Berufung wird von unabhängigen Richtern des Internationalen Berufungsgerichtes der FIA ausjudiziert. Der von McLaren und Red Bull angestrengte Prozess um das Podium von Pierre Gasly in Monaco ging erst am 25. August - zweieinhalb Monate nach dem Rennen - in die erste und einzige Anhörung. Am 3. September wurde das Urteil verkündet.

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