Zuletzt hatte Audi an vier Wochenenden in Serie gepunktet, doch vor Monza war schon klar, dass diese Serie höchstwahrscheinlich hier zu Ende gehen würde. Start-Probleme und Leistungsdefizit provozierten auf dieser Strecke in Kombination dann am Sonntag das erwartet schwierige Formel-1-Rennen. Dass Gabriel Bortoleto in Sichtweite der Punkte ankam, ist da noch positiv.

"Wir wussten, dass wir hier nicht so konkurrenzfähig sein würden, besonders mit dem langen Weg hin zur ersten Kurve, wo wir doch wissen, dass wir im Bereich der Starts zurückliegen", sagt Rennleiter Allan McNish nach dem Rennen. Genau die Startphase machte es Bortoleto und Nico Hülkenberg am Sonntag direkt wieder schwierig.

Zwei stehende Starts gab es, beim zweiten nach der roten Flagge blieb diesmal wieder Bortoleto kleben und fiel von Platz 11 auf 19 zurück: "Dann musst du alles aufholen, was du in der ersten Runde verlierst, und das tut jedes Mal weh. Wir sind nicht gerade jedes Rennen eine Sekunde schneller als alle anderen."

"Sich zurückzukämpfen war schwierig, ich musste alle überholen, und dabei habe ich sicher die Reifen etwas zu stark rangenommen", weiß Bortoleto. Und so ein Comeback wird dann vom Leistungsdefizit erschwert, akzeptiert McNish: "Die Streckenkonfiguration hilft uns dabei auch nicht unbedingt."

Auch Strategie-Split hilft Audi in Monza nicht

Auch für Nico Hülkenberg war das Rennen ein Krampf. Immerhin brachte er einen guten Restart zusammen und lag nach einer halben Runde in der Ascari-Schikane kurz auf P9 hinter Kimi Antonelli, aber plötzlich ohne Leistung: "Die nächsten zwei oder drei Runden hatte ich irgendein Problem, ich weiß nicht, dann gingen zwei Autos wieder vorbei, und ab da war der Zug abgefahren."

Nachdem Hülkenberg wieder auf P11 zurückgefallen war, wurde er dann in Runde 16 sogar von Bortoleto und kurz darauf von Esteban Ocon überholt. Bortoleto schaffte es sich im weiteren Rennverlauf festzubeißen. Obwohl er auf Medium losgefahren war und den beim Comeback hart rangenommen hatte, entschied Audi dann, ihn beim Virtuellen Safety Car kurz nach Rennhalbzeit draußenzulassen, schließlich lag er zu dem Zeitpunkt kurz auf Platz 10.

Auf der anderen Seite hatten die Audi-Strategen währenddessen Hülkenberg trotz harter Reifen für einen Wechsel auf Medium an die Box beordert. "Es gab kaum Optionen", meint McNish. Draußenzubleiben hätte nichts gebracht. Man versuchte also mit dem Billig-Stopp mit Hülkenberg und dem Draußenbleiben mit Bortoleto alle Eventualitäten abzudecken, mit denen man vielleicht noch einen Punkt ergattern könnte.

Bortoleto konnte aber beim Ende es VSC Franco Colapinto im mit Mercedes-Motor ausgestatteten Alpine nicht halten und verlor den zehnten Platz wieder. Hülkenberg schloss bis zu Rennende mit den neuen Reifen bloß wieder zu Bortoleto auf. "Realistisch gesehen waren die Plätze 11 und 12 nach der ersten Runde das Beste, was wir hier erreichen konnten", meint McNish. Die Racing Bulls und Alpines waren hier außer Reichweite.

Audi arbeitet im Rennen gut - folgt Lohn nach der Berufung?

Positiv war bei alldem aber vor allem die operative Ausführung. Im Rahmen der Möglichkeiten setzten Fahrer und Team das Rennen gut um, meint McNish, und hebt auch hervor, dass das Team beim zweiten Grand Prix in Folge den schnellsten Boxenstopp des Rennens abliefern konnte. Und Monza war wohl letztendlich das schwierigste Rennen des Jahres im Angesicht der Einschränkungen des Pakets.

Ganz fix ist das Ende der Punkteserie dabei außerdem noch nicht. Nach dem Rennen reichte Audi die Absicht auf ein Berufungsverfahren bei der FIA ein. Es geht um einen Freispruch für Yuki Tsunoda für ein angebliches Fehlverhalten beim Restart. Eventuell könnte man so eine Tsunoda-Strafe, und damit den zehnten Platz für Bortoleto am grünen Tisch erstreiten. Mehr dazu gibt es hier: