Es war vielleicht das beste Rennen seiner Formel-1-Karriere. Und das sind große Worte, wenn man bedenkt, dass Kimi Antonelli erst vor Kurzem 20 Jahre alt wurde und erst in seiner zweiten Saison fährt. Doch viel besser als ein Sieg von Startplatz 19 aus beim Heim-GP in Monza geht es kaum. "Das war der beste Tag meines Lebens", schwärmt Antonelli ein paar Tage später in Madrid.
"Es war ein unglaublicher Moment für mich. Die Fans machten das Rennen noch besonderer. In den letzten zehn bis 15 Runden konnte ich sehen, wie sie jedes Mal aufstehen, wenn ich durch die erste Schikane fuhr. An das werde ich mich für immer erinnern", erzählt der Mercedes-Fahrer.
Seine Siegertrophäe benutzte er nach seinem siebten Karriere-Sieg – damit zog er mit George Russell gleich, der sein F1-Debüt 2019 gab – für genau das, woran viele beim Anblick des aus Schüsseln und Tassen bestehende Kunstobjekt 'Fragile' gedacht hatten: In Champagner getränkt aß er auf dem Podium Pasta daraus. "Ich habe die Trophäe richtig genutzt", lacht er beim Auftakt des Spanien-GPs.
Sinner, Bezzecchi, Rossi und Vettel feiern mit Antonelli
Sein Sieg war ein Volksfest für die versammelten Tifosi, die trotz der Ferrari-Pleite noch ihre Hymne hörten. Am Sonntag wurde Antonelli mit Glückwünschen von allerlei Bekannten aus Italiens Sportwelt überflutet: Jannik Sinner, Tennisprofi und Nummer 1 auf der Weltrangliste, sowie die MotoGP-Fahrer Marco Bezzecchi und Valentino Rossi meldeten sich bei ihrem Landsmann. "Tatsächlich hat sich mein WhatsApp aufgehängt, weil ich so viele Nachrichten bekommen habe", macht Antonelli keine gute Werbung für den Kommunikationspartner von Mercedes.
Ein Glückwunsch, der hoffentlich nicht unterging, kam sicherlich von Sebastian Vettel. Der vierfache Formel-1-Weltmeister war in Monza vor Ort, um vor dem Rennstart einen Showrun im 2002er-Ferrari von Michael Schumacher zu fahren. Im Zuge dessen wurde er auch gefragt, wie er es finden würde, wenn Antonelli am Ende der Saison die WM gewinnt. Schließlich würde der 20-Jährige damit Vettels Titel als jüngster Champion übernehmen.
"Es gibt dieses alte Sprichwort: Rekorde sind da, um gebrochen zu werden", lachte der Deutsche am Sonntag. "Ich würde mich für ihn freuen. Er hatte ein großartiges Jahr und hat noch so viele Jahre vor sich. Als Zuschauer würde ich mir wünschen, dass die anderen noch aufholen und im Mix sind. Aber ich weiß, wie viel Arbeit in so eine Leistung hineinfließt. Wer auch immer es am Ende gewinnt, hat es sich verdient."
"Seb ist unglaublich", antwortet Antonelli in Madrid auf das Lob des ehemaligen Ferrari-Fahrers. "Er ist mein Freund und schickt mir nach jedem Rennen Nachrichten, auch manchmal davor. Es ist schön, so eine Unterstützung und Wertschätzung von ihm zu erhalten. Seine Hilfe macht an einem Wochenende sicherlich einen kleinen Unterschied." Antonelli ist nicht der einzige F1-Fahrer, zu dem Vettel regelmäßigen Kontakt pflegt: Charles Leclerc, Lando Norris und Max Verstappen kommunizieren ebenfalls oft mit dem vierfachen Weltmeister.
66 Punkte Vorsprung: So bleibt Antonelli am Boden
Der Mercedes-Pilot konnte mit dem sensationellen Sieg seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf 66 Punkte ausweiten – und laut Experten wie Christian Danner auch seinen Rivalen George Russell brechen. Für viele ist er daher der größte Kandidat auf den Titelgewinn. Mit noch zehn Rennen und einem Sprint zu fahren, sind maximal 258 Zähler offen. Von einem sicheren Titelgewinn zu sprechen, ist also definitiv zu früh.
Deshalb möchte Antonelli auch noch gar nicht an die WM denken: "In Monza bin ich nur gefahren, um zu gewinnen. Das ist das Mindset. Ich will um jeden Preis verhindern, dass ich für ein Training oder Qualifying auf die Strecke gehe und mich dann um die Weltmeisterschaft sorge. Ich will daran nicht denken." Manchmal werde es wohl vorkommen, dass er vor manchen Entscheidungen an den Titel denkt, beispielsweise bei einem riskanten Überholmanöver. Das soll aber nicht zur Gewohnheit werden.
Um nach seinem beflügelnden Monza-Sieg wieder in die Realität zurückzukommen, ging er am Tag danach mit seinem Team auf die Kartstrecke: "Das hat mir geholfen, wieder auf den Boden zu kommen, und hat mich an meine Wurzeln erinnert, an die Reise, die hinter mir liegt. Es ist manchmal schwer, ruhig zu bleiben und nicht übermütig zu werden. Aber das war ein gutes Training, hat viel Spaß gemacht und mich wieder geerdet."
Seine Erfolgsserie auf dem neuen Formel-1-Kurs in Madrid weiterzuführen, wird nicht leicht. Antonelli sprach davon, dass auf den Straßen der spanischen Hauptstadt die "komplizierteste Strecke des Jahres" auf die 22 Piloten wartet. Was die Fahrer noch zum Madring sagen, erfahrt ihr im folgenden Artikel:



diese Formel 1 Nachricht