"Kimi, du bist ein Spektakel!", titelte die Gazzetta letzten Sonntag, als Kimi Antonelli seinen dritten Grand Prix überhaupt und in Folge gewann. Seit seinem ersten Formel-1-Sieg in China überschlagen sich die italienischen Medien förmlich mit Lobgesängen auf den erst 19-jährigen Bologneser. Liest man manche Schlagzeilen, hat der neue Nationalheld den WM-Titel – es wäre der erste für einen Italiener seit Alberto Ascari 1953 – bereits nach vier von 22 Rennen sicher in der Tasche.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff tut jedes Wochenende sein Bestes, um den Hype um seinen Schützling im Zaum zu halten. Schließlich ist Antonelli ein gebranntes Kind, was zu hohe Erwartungen angeht. 2025 brach seine Performance ab dem Emilia Romagna GP, seinem Heimrennen, schlagartig ein und erholte sich erst, als er europäischen Boden verließ. Wolff machte damals schon unter anderem Leistungsdruck von der italienischen Presse verantwortlich.
Aber seit Antonelli in Japan zum jüngsten WM-Leader der F1-Geschichte wurde, ist die Aufregung explodiert. Wolff versucht deshalb kontinuierlich, den 19-Jährigen vom Abheben abzuhalten. "Sicherzustellen, dass er mit dem Team beide Füße am Boden behält, ist der einfachste Teil. Seine Eltern haben gute Arbeit geleistet, um ihn bodenständig zu halten", so der Teamchef bei Sky Sports. "Das größere Problem ist die italienische Öffentlichkeit."
Wolff erklärt: Was haben Antonelli, Sinner und die Fußball-WM miteinander zu tun?
Ein interessanter Fakt, den Fans von Formel 1 und Tennis bereits kennen dürften: Jannik Sinner, derzeit in der Tennis-Weltrangliste Nummer eins und zufällig auch Formel-1-Botschafter, hat an jedem Tag eines Antonelli-Siegs auch ein ATP-Finale gewonnen. Das ist in dieser Hinsicht relevant, weil Sinner als Südtiroler ebenfalls zu den sportlichen Nationalhelden Italiens zählt.
Durch den kuriosen Zufall und die derzeitige Popularität der beiden sieht Wolff Antonelli und Sinner in der gleichen Situation. Er hat eine Vermutung, warum das mediale Interesse in Italien plötzlich so enorm ist: "Jetzt, wo sie sich nicht für die Fußball-WM qualifiziert haben, geht es nur noch um Sinner und Antonelli. Es sind die beiden Superstars. Das ist etwas, das wir eingrenzen müssen."
Kontext für alle Nicht-Fußball-Fans: In den Qualifikationsspielen verpasste die italienische Männer-Fußballnationalmannschaft zum dritten Mal in Folge die WM-Teilnahme. Es war ein bitterer Schlag für die italienische Bevölkerung, die als sehr passionierte Sportfans gelten. Besonders was die Formel 1 angeht. Man nehme nur das jährliche Spektakel in Monza als Beispiel. "Offenbar lenkt das viel Aufmerksamkeit auf Kimi", mutmaßte Wolff daher.
"Es gibt so viele Anfragen für seine Zeit. Jetzt liegt es an uns, das mit angezogener Handbremse anzugehen. Wir müssen wirklich ruhig bleiben", appellierte der Mercedes-Teamchef an die italienischen Medien. "So ein Erfolg für so einen jungen Mann an diesem Punkt in seiner Karriere… Ganz Italien wird auf ihn schauen."
Zumindest basierend auf dem letzten Jahr, sollte Antonelli der nächste Grand Prix liegen. In Kanada fuhr er 2025 sein erstes Podium ein. Würde er in zwei Wochen in Montreal wieder gewinnen, wäre er der erste F1-Pilot, der seine ersten vier GPs in Folge gewinnt. Im Fahrerranking von Motorsport-Magazin.com bleibt ihm der Sieg in diesem Jahr noch verwehrt:



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