Andrea Kimi Antonelli bleibt weiter der Mann der Stunde in der Formel 1. Doch ein Ranking-Sieg ist ihm auch beim dritten Anlauf als GP-Sieger nicht vergönnt. Dafür sind seine Starts nach wie vor zu schlecht. Vor allem aber wird ihm ein vollkommen vermurkster Sprint zum Verhängnis. Stattdessen darf Lando Norris am Montag das nachholen, was ihm im Rennen verwehrt blieb.

Bester Formel-1-Fahrer in Miami: Der Weltmeister wieder auf seinem Thron

Norris feierte seinen ersten Ranking-Sieg der Saison. Wohl eher kaum aus Mitleid über die falsche Strategiewahl an der McLaren-Boxenmauer, sondern in erster Linie, weil er sich am ganzen Wochenende beinahe gar nichts zuschulden hat kommen lassen und sich in weltmeisterlicher Verfassung präsentierte - Sprint-Sieg am Samstag inklusive. Die Redaktion honorierte das geschlossen mit einer 1.

In den Augen der Leser war er mit einer 1,61 nur der zweitbeste Fahrer des Wochenendes. Ihre Gunst hatte sich Antonelli mit 1,44 gesichert, aber die Redaktion ging strenger mit dem Rennsieger ins Gericht. Er wurde sogar nur Dritter, da Franco Colapinto ebenfalls ausschließlich Bestnoten von den drei Formel-1-Redakteuren erhielt, was ihm eine Gesamt-Benotung von 1,57 einbrachte.

Das Wiedererstarken von Williams brachte auch Carlos Sainz eine Gesamtnote unter 2 ein, wobei er aus der Redaktion nur einmal nicht mit einer 1 belohnt wurde. Dahinter klafft eine größere Lücke, ehe mit Oliver Bearman, Pierre Gasly und Gabriel Bortoleto gleich ein Trio an Fahrern zum Zug kommt, das am Rennsonntag leer ausgegangen war. Ein schwacher Trost. Punkte gab es im Miami-Ranking auch für Oscar Piastri, Fernando Alonso und Sergio Perez. Ein historischer Moment für den Mexikaner, denn es war der erste Zähler von Cadillac in der Formel 1. Gut, natürlich nur bei uns im Ranking, aber wir wollen mal nicht päpstlicher sein als der Papst.

P.FahrerNote
1Norris1,30Bester GP seit Brasilien 2025 (1,25)
2Colapinto1,57Beste Ranking-Note seiner bisherigen Karriere
3Antonelli1,72Dritter GP in Serie unter 2

Schlechtester Formel-1-Fahrer in Miami: Das alte Red-Bull-Leid

Am unteren Ende der Tabelle findet sich ein Szenario wieder, das wir schon aus den letzten Jahren kennen. Nämlich, sobald Max Verstappen wieder mit seinem Red Bull zurechtkommt, geht die Lücke zu seinem Teamkollegen auf. Das galt nun erstmals auch für Isack Hadjar, der sich bereits vor seinem unerzwungenen Unfall fernab der Pace des Vierfach-Weltmeisters befand - was sich fairerweise zum Teil auf technische Probleme zurückführen lässt.

Dabei sind sich die Redaktion und die Leser bei der Bewertung seiner Vorstellung fast bis auf die zweite Kommastelle einig (4,67 vs. 4,70). Liam Lawson bleibt als zweiter Fahrer aus dem Red-Bull-Kosmos über der 4er-Marke. In der MSM-Redaktion gehen aber die Meinungen auseinander: Kann man ihm die Kollision mit Pierre Gasly, die in einem Überschlag mündete, anlasten? Valtteri Bottas wurde für seinen farblosen Auftritt im Cadillac ebenfalls mit 3,94 abgekanzelt, und das, obwohl er im Qualifying erstmals Perez besiegt hatte.

Von den hintersten Positionen verschont blieben hingegen die gefallenen Topfahrer, welche im Rennen - und zum Teil sogar darüber hinaus - keine gute Figur abgegeben haben. George Russell (P18) wurde sein schwacher Auftritt marginal schwerer angelastet als Charles Leclerc (P17) seine katastrophale letzte Runde (3,59 zu 3,54). Lewis Hamilton konnte auch ein Schaden in Runde 1 nicht retten. Für ihn blieb nur P15 übrig, während Max Verstappens Aufholjagd auf P5 beinahe seinen Dreher am Start ausbügelte (P11).

P.FahrerNote
20Bottas3,94Schlechtestes Rennen seit dem F1-Comeback
21Lawson4,11Erstes Mal über 4 seit Singapur 2025
22Hadjar4,68Schlechtester GP seiner F1-Karriere

Härtefälle in Miami: So denken die F1-Redakteure

Christian Menaths positiver Härtefall: Kimi Antonelli
Ja, er macht Fehler. Vielleicht zu viele. Antonellis Sprint war gar nichts. Eine Strafe für Track-Limits darf man im Sprint nicht kassieren. Erst recht nicht, wenn man nicht in Bedrängnis ist. Aber Antonelli ist einfach sauschnell. Das bekommt George Russell derzeit zu spüren. Und Antonelli lässt sich nicht mehr so einfach aus der Bahn werfen. Letztes Jahr hätte der Sprint wohl eine mittlere Lebenskrise bei ihm ausgelöst. Jetzt holt er wenige Stunden später die Pole und einen Tag später nach dem nächsten vergeigten Start den Sieg.

Christian Menaths negativer Härtefall: Isack Hadjar
Blickt man nur auf die Ergebnisse in Miami, ist Isack Hadjar endlich als Nummer 2 angekommen - und das ist kein Kompliment. Aber bei ihm war es nicht irgendeine ältere Aero-Spezifikation, die ihn angeblich eine Sekunde kostete. Sein Antriebsstrang spielte ihm wirklich einen Streich an diesem Wochenende. Dann kam auch noch die Disqualifikation im Qualifying. Trotzdem: Er verlor erstmals auch in den Kurven deutlich auf Verstappen. Es dürfte kein Zufall sein, dass das zeitgleich mit dem großen Update passierte. Das klingt gefährlich. Hadjars Fehler im Rennen war schlicht überflüssig. Die Reaktion in den nächsten Rennen wird zeigen, ob Hadjar das nächste Opfer oder doch zu Höherem berufen ist.

Florian Niedermairs positiver Härtefall: Franco Colapinto
In seiner kompletten Alpine-Zeit (immerhin schon ein komplettes Jahr) war Miami das erste wirklich gute Wochenende von Franco Colapinto. Und mit gut meine ich in diesem Fall, dass er mindestens genauso schnell war, wie sein Teamkollege Pierre Gasly und in der Umsetzung kaum Fehler beging. Nur der schlechte Start, der sich dank Verstappen als Segen erwies, lässt sich ihm kritisch anheften. Viel wichtiger ist, dass endlich die Pace passt. Ob die Auferstehung des Argentiniers jetzt am neuen Chassis lag? Oder am Selbstvertrauen, das er bei Hunderttausenden Fans im Rahmen eines Showruns tanken konnte? Egal! Wichtig wäre nur, dass die Pace so bleibt.

Florian Niedermairs negativer Härtefall: George Russell
In den fünf Wochen Pause seit Japan hatte ich schon glatt vergessen, dass George Russell bereits dort mein negativer Härtefall war… Aber sei es drum, in Miami hat er alles dafür getan, um das Double zu erringen. Anstatt sich auf irgendwelche Konjunktiv-Szenarien herauszureden, wie noch in Suzuka, blieb ihm bei der bodenlosen Pace von Miami auch so nichts mehr anderes übrig, als bereits proaktiv die weiße Fahne zu schwingen. Kimi Antonelli war vom Training am Freitag bis zur letzten Runde im Rennen weit voraus. 'Nicht meine Streckencharakteristik, nicht mein Belag', sind beides legitime Aussagen, aber als WM-Favorit darf man sich vom Teamkollegen nicht so krass abhängen lassen.

Markus Steinrissers positiver Härtefall: Lando Norris
Das war eine weltmeisterliche Vorstellung von Lando Norris. Im Sprint war er der erste Mann, der Mercedes überhaupt bezwingen konnte, und im Rennen hatte er eine realistische Chance, die sich primär wegen einer mäßigen McLaren-Strategie verlief. Oscar Piastri hielt er das ganze Wochenende deutlich auf Abstand. Mehr geht nicht, mehr war, denke ich, auch nicht im McLaren, und ich gehe fest davon aus, dass wir diesen Norris 2026 noch öfter sehen werden.

Markus Steinrissers negativer Härtefall: Charles Leclerc
Mehrere Minuten habe ich mit dem Kollegen Menath heute in der Redaktion damit verbracht, die Schwere von Charles Leclercs verhunzter letzter Runde zu debattieren. Beide finden wir es gut, dass Leclerc immer alles versucht. Aber ich weigere mich, solche Verzweiflungstaten - die er immer wieder mal reitet - einfach damit zu entschulden, dass es ein guter Versuch war. Dieser Versuch ging ja nicht nur ein bisschen schief, er ging katastrophal schief, Leclerc machte sich das Auto kaputt, verlor mehrere Plätze, fing sich eine Strafe ein und verlor noch mehr Plätze. Ein Musterbeispiel dafür, wie man noch auf der letzten Runde ein davor sehr gutes Rennwochenende völlig entwerten kann.

Alle Noten der F1-Redakteure zur Formel 1 in Miami

P.FahrerMenathNiedermairSteinrisser
1Antonelli222
2Norris111
3Piastri333
4Russell443
5Verstappen334
6Hamilton433
7Colapinto111
8Leclerc355
9Sainz121
10Albon333
11Bearman222
12Bortoleto222
13Ocon333
14Lindblad343
15Alonso232
16Perez232
17Stroll333
18Bottas443
19Hülkenberg333
20Lawson353
21Gasly221
22Hadjar455
Rennen112

Wie gut war das Formel-1-Rennen in Miami?

Selten, aber doch kommt es vor, dass die Redaktion ein Formel-1-Rennen besser bewertet als die Leser. In Miami war das aber ziemlich eindeutig der Fall. Während es bei den Lesern nicht einmal zu einer 2 reichte, waren sich fast alle F1-Redakteure einig, dass eine Bestnote angebracht ist. Nur Markus Steinrisser tanzte aus der Reihe.

  • Lesernote Rennen: 2,15
  • MSM-Note Rennen: 1,33
  • Gesamtnote Rennen: 1,74

Bester F1-Fahrer 2026: Die Jahreswertung im MSM-Ranking

Im Gegensatz zur echten WM haben sich in der Ranking-Wertung noch immer keine echten Favoriten für diese Formel-1-Saison herausgebildet. Entsprechend turbulent geht es zu. Nach Notenschnitt hat Pierre Gasly die Spitze übernommen, während Oliver Bearman diese gemessen an den Punkten zurückerobert hat. WM-Leader Kimi Antonelli befindet sich hier in einer Lauerstellung. So langsam müsste er auch Ranking-Siege und nicht nur Rennsiege feiern, um die Spitze übernehmen zu können.

So funktioniert das MSM-Fahrerranking

Langjährige MSM-Leser kennen das Ranking bereits, das inzwischen bewährte System der Vorjahre geht 2025 bereits in sein siebtes Jahr. Direkt nach dem Zieleinlauf jedes Grand Prix rufen wir euch in unserem Formel-1-Liveticker zum Rennen und hier im Artikel zur Benotung aller 22 Piloten auf. Fahrer, die den Grand Prix aus technischen Gründen nicht starten können, werden von der Bewertung ausgenommen. Bis zum nächsten Mittag könnt ihr bewerten, was das Zeug hält.

Aus dem Mittelwert eurer Noten ergibt sich für jeden Fahrer eine Lesernote. Parallel zu euch benoten auch wir, die MSM-F1-Crew rund um Christian Menath, Florian Niedermair und Markus Steinrisser, ebenfalls die Leistungen aller Fahrer an dem betreffenden Wochenende. Auch aus unseren Urteilen bilden wir einen Mittelwert - die MSM-Note. Die Gesamtnote entsteht im letzten Schritt durch den Mittelwert aus User- und MSM-Note zu gleichen Teilen. Bei Gleichstand im finalen Ranking entscheidet die beste Einzelnote.

Als kleines Extra liefert jeder Redakteur seine persönlichen Härtefälle des Wochenendes, indem er wählt und erklärt, welcher Fahrer ihm besonders aufgefallen ist. Einmal im positiven und einmal im negativen Sinn. Online geht das Gesamtergebnis immer um 18:00 Uhr am Tag nach dem Rennen.