Lando Norris beendete den Grand Prix von Miami auf dem zweiten Platz und holte sich damit sein 45. Karriere-Podium. Zufrieden ist der amtierende Weltmeister damit aber absolut nicht, denn der Sieg wäre in Florida durchaus möglich gewesen - zumindest bis zu seinem Boxenstopp. Denn danach kam er knapp hinter Kimi Antonelli wieder auf die Strecke zurück und der Sieg war verspielt.
"Wir wurden in der Box überholt. Keine Entschuldigung, wir hätten einfach zuerst stoppen sollen", resümierte Norris nach dem Rennen.
Mercedes-Undercut kostet Norris den Sieg
Mit dieser Aussage trifft der Brite voll und ganz ins Schwarze. Denn bis zu seinem einzigen Boxenstopp sah er wie der sichere Sieger aus und schien das Rennen zu kontrollieren. In Runde 27 holte Mercedes aber Kimi Antonelli an die Box und versuchte es mit einem Undercut.
Eine Runde später kam auch Norris an die Box - zu spät, wie sich danach herausstellte. "Wir haben uns schlichtweg undercutten lassen. Das tut weh, denn der Sieg wäre möglich gewesen", ärgerte sich Norris über die Strategie. "Ich bin aus der Box raus und er [Antonelli, Anm. d. Red.] hat mich überholt, weil er schon wärmere Reifen hatte. Wir hätten nie in diese Situation kommen dürfen."
Auch McLaren-Teamchef Andrea Stella weiß, dass der verspielte Sieg heute auf die Kappe des Teams geht. "Wir haben die Möglichkeit für einen Sieg heute durch Ausführungs- und Optimierungsprobleme im Rennen verpasst", so Stella. "Einen Grand Prix, den du anführst, möchtest du natürlich auch gewinnen, aber wir müssen uns auch eingestehen, dass Mercedes sowohl das Timing des Pitstops, den Pitstop selbst als auch die Inlap für Kimi perfekt ausgeführt hat. Den Sieg haben sie sich also verdient."
McLaren-Sieg auch ohne Undercut nicht sicher gewesen
Obwohl McLaren mit 2,43 Sekunden Standzeit schon einen ordentlichen Boxenstopp ablieferte, legte Mercedes mit 2,16 Sekunden Standzeit bei Antonelli noch eine Schippe drauf. Das ist aber noch lange nicht die Zeit, die Antonelli durch den eine Runde früheren Boxenstopp aufgeholt hat. Interessant wird es erst so richtig, wenn wir uns die In- und Outlaps der beiden ansehen.
Bemühen wir dafür einen kleinen Exkurs in Formel-1-Mathematik: Wir addieren für jeden der beiden Fahrer die In- und Outlaps und ziehen jeweils die durchschnittlich verbrachte Zeit in der Boxengasse (Durchfahrtszeit plus Standzeit) von 22,565 Sekunden ab. Dadurch erhalten wir für beide Fahrer eine Gesamtzeit der beiden Runden exklusive Boxenaufenthalt. Wenn wir nun die Differenz dieser Gesamtzeiten von Antonelli und Norris bilden, ergeben sich rund 2,18 Sekunden - also in etwa der Rückstand, den Antonelli vor dem Boxenstopp auf Norris hatte.
Diesen Zeitverlust bestätigte auch Stella, der im Großen und Ganzen aber zufrieden mit der Leistung seines Teams ist. "Wir sollten nicht vergessen, dass wir heute an der Spitze mitgefahren sind. Das ist sehr positiv, wenn man bedenkt, wo wir am Anfang der Saison waren. Aber natürlich fehlen uns noch ein paar Zehntelsekunden auf Mercedes."
Norris gibt seinem Teamchef in diesem Fall recht und reist mit gemischten Gefühlen aus Miami ab. Obwohl er frustriert über den verlorenen Sieg war, kamen ihm in der Pressekonferenz Zweifel daran, ob er Antonelli das ganze Rennen über hinter sich hätte halten können. "Ich sage nicht, dass wir ohne diesen Boxenstopp das Rennen gewonnen hätten. Kimi ist wirklich ein exzellentes Rennen gefahren und seine Pace war stark", lobte der amtierende Weltmeister den derzeitigen WM-Führenden. "Aber zumindest hätten wir die Chance gehabt, um den Sieg zu kämpfen. Die haben wir uns dadurch genommen."
Miami-Updates zeigten geplante Wirkung
Dennoch kann McLaren mit einem positiven Fazit aus Miami abreisen. Mit einer Sprint-Pole, einem Doppelsieg im Sprint und einem Doppelpodium im Rennen kam McLaren in den USA stark aus der April-Pause zurück und kann durchaus zufrieden mit der eigenen Leistung sein.
"Ich hätte nicht gedacht, dass wir zu diesen Ergebnissen fähig sind, aber die Updates haben genauso gewirkt, wie sie sollten! Ein großes Dankeschön an das Team, das dies möglich gemacht hat", freut sich Stella, dessen Team durch sieben Updates gestärkt nach Miami reiste und bereits in Kanada die nächsten Verbesserungen für das Auto plant. "Jetzt brauchen wir noch ein paar mehr Zehntel im Auto und die Dinge werden noch einfacher für uns."
Leichter gesagt als getan. Der nächste Grand Prix findet in Montreal, Kanada statt - eine designierte Mercedes-Strecke, wie auch Norris weiß. "Ich bin mehr der 'Glas-halb-leer-Typ und wir müssen bedenken, dass wir für das nächste Rennwochenende auf eine Strecke kommen, auf der Mercedes die letzten fünf oder sechs Jahre immer das beste Team war", meint er. "Wir bringen zwar Updates, aber wir müssen schauen, wie wir uns über verschiedene Strecken und Rennen schlagen. Erst dann beurteilen wir."



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