Das Rennen war kaum zehn Minuten alt, da beging Max Verstappen in Miami seinen zweiten Fehler innerhalb von nur sieben Runden. Doch obwohl die Stewards sofort eingeschaltet wurden, sollte es nicht weniger als viereinhalb Stunden bis zum Aussprechen einer Strafe dauern. Diese 5-Sekunden-Strafe hat obendrauf dank Charles Leclerc keine Folgen.

Verstappen hatte bei der Formel 1 in Miami eine grottenschlechte Startphase. Am Start hatte er sich, nachdem er von P2 losgefahren war, von selbst gedreht und war deshalb nur mehr auf P9 aus der ersten Runde zurückgekommen. Als in Runde 6 ein frühes Safety Car kam, lag er immer noch erst auf P8. Das bewog Red Bull zu einem sehr frühen Boxenstopp.

Verstappen übernimmt sich im Rennen gegen Lance Stroll

Beim Rausfahren versuchte Verstappen das Übliche. Zwischen dem Ende des Tempolimits und der zweiten Safety-Car-Linie darf man für ein paar Meter auch unter Safety Car unbeschränkt pushen. Wer aus der Box kommt, für den gilt erst ab der Safety-Car-Linie Überholverbot.

Verstappen zog raus aus der Boxengasse also das Tempo an, weil er sich unbedingt vor dem Aston Martin von Lance Stroll wieder einsortieren wollte. Damit wollte er etwas zu viel - und kam am Ende der Boxenausfahrt zu weit nach links, wobei er die weiße Trennlinie überfuhr. Das ist bekanntlich streng verboten.

Der Verdacht der Rennleitung war auch sofort da, und die Stewards warfen gleich einen Blick darauf. Wie konnte es nun sein, dass sie aber dann für eine so simple Angelegenheit erst eine Anhörung um 15:30 Uhr Ortszeit - über zwei Stunden nach dem Zwischenfall - ansetzten, und dann erst um 17:46 Uhr Ortszeit - über viereinhalb Stunden nach dem Vergehen - die 5-Sekunden-Strafe aussprachen?

Stewards fehlt Bildmaterial für Verstappen-Strafe im Rennen

Die Rechtfertigung der Stewards: Man habe keinen eindeutigen Kamerawinkel während des Rennens zur Verfügung gehabt. Bei grenzwertigen Fällen mit Linien ist es aus der klassischen T-Cam über dem Cockpit oft sehr schwer einzuschätzen, wo genau ein Reifen relativ zur Linie positioniert war. So auch hier. Verstappens linker Vorderreifen kam der Linie erst auf ihrem letzten Meter richtig nahe.

Tatsächlich bekamen die Stewards bis nach dem Rennen andere Einstellungen der Szene. Auch wenn sie in ihrem Urteil diese nicht näher definieren. Es könnte sich dabei beispielsweise um andere Onboard-Winkel von Verstappens Auto handeln. Live wird während des Rennens nämlich meist nur eine Einstellung übermittelt. Die restlichen werden aufgezeichnet und nach dem Rennen manuell heruntergeladen.

Wie dem auch sei, auf dem zusätzlichen Bildmaterial war Verstappens Verstoß klar zu sehen, was schließlich in fünf Strafsekunden mündet. Verstappen hat aber Glück, oder kann sich eher bei Charles Leclerc bedanken. Der Ferrari-Pilot war ursprünglich zwei Zehntel hinter ihm ins Ziel gekommen, doch nach einer letzten Chaos-Runde wurde mehrfach gegen ihn ermittelt, am Ende kassierte er 20 Strafsekunden. Verstappens magere 5 kosten ihm also keine Position.