Extremes Energiesparen siegt: Mitch Evans gewinnt das zweite Rennen der Formel E in Berlin an diesem Wochenende. Für den Jaguar-Werksfahrer ist es der 16. Sieg in der Elektroweltmeisterschaft und der zweite in dieser Saison. Damit untermauert Evans, der erst in dieser Woche seinen Abschied von Jaguar nach zehn Jahren bekanntgegeben hatte, seinen Status als Rekordsieger der Formel E.

Evans war nur von Startplatz 17 ins Rennen gegangen und hatte am Ende des Feldes zu Beginn eine extreme Energiesparstrategie gewählt, was Teamchef Ian James in der Startaufstellung schon gegenüber Motorsport-Magazin.com angekündigt hatte. Die Strategie zahlte sich aus: Mit mehr Energie als die Konkurrenz arbeitete sich Evans im weiteren Rennverlauf nach vorne und übernahm in der 33. von 37 Rennrunden ein zweites Mal die Führung und gab diese im Anschluss nicht wieder her.

Pascal Wehrlein nach Podium wieder WM-Führender

„Das Team hat gesagt ich soll geduldig bleiben und es hat sich ausgezahlt“, freute sich Evans im Anschluss. Schlussendlich überquerte er die Ziellinie mit 0,822 Sekunden auf den Zweitplatzierten Oliver Rowland (Nissan), der von Startplatz 18 aus eine ähnliche Strategie wählte.

Für Rowland begann das Rennen mit einem Schreckmoment. Am Start kam er nicht direkt vom Fleck und fiel von Startplatz 18 auf die letzte Position zurück. Wie Evans konnte er sich aber im Anschluss nach vorne arbeiten und wie am Samstag Platz zwei feiern. Zusätzlich erhielt Rowland auch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde. Das Podest komplettierte mit Porsche-Werksfahrer Pascal Wehrlein einer der zwei deutschen Piloten im Feld. Wehrlein übernimmt damit auch wieder die WM-Führung, die er am Samstag verloren hatte. Denn sein ärgster Konkurrent Edoardo Mortara (Mahindra) kam im Rennen nicht über Rang sieben hinaus.

WRC Rallyeauto vs. Formel-E-Bolide - wer gewinnt? (01:16 Min.)

Kontroverse um verlorenen zweiten Platz: Überholmanöver unter Gelber Flagge?

Dennoch dürfte Porsche nicht vollends zufrieden mit P3 sein. Denn im finalen Überholmanöver von Rowland gegen Wehrlein deuteten Onboard-Aufnahmen darauf hin, dass dies trotz einer zu diesem Zeitpunkt geschwenkten Gelben Flagge geschah. Die Rennleitung untersuchte den Vorfall jedoch zunächst nicht. „Es war ziemlich klar“, kommentierte Wehrlein die Situation. Hinter Wehrlein konnte Sebastien Buemi (Envision-Jaguar) Platz vier erreichen. Die Top-5 komplettierte Rowland-Teamkollege Norman Nato, der sein mit Abstand bestes Ergebnis der bisherigen Saison einfuhr.

Jake Dennis im Kundenporsche von Andretti, Mortara und Jean-Eric Vergne (Citroen-DS) belegten die Positionen sechs bis acht. Felipe Drugovich im zweiten Andretti und Buemi-Teamkollege Joel Eriksson komplettierten die Punkteränge. Der zweite Deutsche im Feld, Maximilian Günther, verpasste hingegen auf Rang 15 wie am Vortag die Top-10.

Samstags-Sieger Nico Müller verpasst Top-10 nach Kollision

Selbiges galt auch für den zweiten Porsche-Werksfahrer Nico Müller, der am Samstag sein erstes Formel-E-Rennen überhaupt gewonnen hatte. Auf Start/Ziel hatte Müller nur wenige Runden vor Schluss im Kampf um Punkte noch einen Kontakt mit seinem Porsche-Vorgänger Antonio Felix da Costa, bei dem Müller von Letzterem in die Wand gedrückt wurde. Während Müller mit ramponiertem Frontflügel zwar weiterfahren konnte, die Punkteränge aber auf P13 verpasste, musste Felix da Costa zu einem Reifenwechsel an die Box kommen und beendete das Rennen auf dem letzten Platz. Der Vorfall wird von der Rennleitung untersucht.

Formel E Berlin Sonntag: Ergebnisse

Für das deutsche Team Abt Sportsline mit Partner Lola Yamaha gab es auch am Sonntag beim Berlin-Heimrennen nichts zu holen – und das trotz des bisher besten Qualifyings der Saison durch Zane Maloney. Dieser hatte mit dem vergleichsweise ineffizienten Lola-Antrieb aber keine Chance und beendete das Rennen nur auf dem 17. Platz. Wenig besser erging es Veteran Lucas Di Grassi, der den achten Saisonlauf direkt vor seinem Teamkollegen beendete.

Das zweite Rennen in Berlin verkam, wie im Vorfeld erwartet, zu einem extremen Energiespar-Angelegenheit, wodurch die Fahrer wild Positionen wechselten und fast in jeder Kurve teilweise zu viert nebeneinander fuhren. Anders als zuweilen in den Vorjahren stellten sich die Piloten dabei aber über weite Strecken gesittet an, wodurch größere Kontakte weitestgehend ausblieben.

Im extrem engen Racing kam es aber dennoch unvermeidbar schnell zu einem ersten Zwischenfall, als in Kurve 6 vier Autos nebeneinander fuhren. Außen kam es dabei zum Kontakt zwischen Nick Cassidy (Citroen-DS) und Nyck de Vries im Mahindra. Letzterer erlitt dabei einen Aufhängungsschaden. Zwar konnte er seinen Boliden noch an die Box zurückschleppen, musste das Rennen aber vorzeitig beenden. Für den ehemaligen Formel-1-Piloten ist es die Fortsetzung einer frustrierenden Saison. Während sein Teamkollege um den Titel kämpft, ist de Vries mit nur drei Ergebnissen in den Top-10 weit in der unteren Tabellenhälfte zu finden.

Für Cassidy ging es zwar zunächst weiter, in der achten Runde kam es für den amtierenden Vizeweltmeister jedoch zum nächsten Kontakt als er mit dem Heck von Sebastien Buemi kollidierte und seinen Frontflügel verlor. Cassidy musste an die Box kommen und fiel auf die letzte Position zurück, wobei er sich am Funk über ‚Moving under Braking‘ vonseiten Buemis beschwerte. Mangels Safety-Car hatte Cassidy im Anschluss keine Chance auf den Rest des Feldes aufzuschließen und stellte sein Fahrzeug so vorzeitig ab.

Formel E 2026: So geht es weiter

Nach einer zuletzt wieder langen Pause vor dem Berlin-Rennen ist diesmal deutlich weniger Warten angesagt. Bereits in zwei Wochen steht am 16./17. Mai der nächste Double-Header auf der legendären Rennstrecke in Monaco ePrix an. Insgesamt finden 2026 17 Saisonrennen an 11 Austragungsorten an.