Das Wetter spielt heute im Rennen der Formel 1 in Miami voraussichtlich eine Schlüsselrolle. Zum einen fürchten alle ein echtes Unwetter. Deshalb wurde der Start auf 19:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit vorverlegt. Generell soll es aber den ganzen Tag immer wieder in unterschiedlicher Intensität regnen. Das Thema Regen ist aufgrund von einer Handvoll Sondertests nur ein kontroverses.
Denn grundsätzlich gab es noch keinen Wettbewerbskilometer im Nassen mit den neuen 2026er-Autos, und der neuen Power-Unit-Generation, und den neuen Intermediates und Regenreifen. Das macht Sorgen. Sowieso ist niemand scharf drauf, erste Gehversuche gleich in einem Rennen zu machen. Die neuen Autos machen das aber noch besorgniserregender.
Der erhöhte Elektro-Anteil der neuen Power Units sorgt nämlich für deutlich mehr Vortrieb raus aus den Kurven. So viel, dass die Autos - die nebenbei weniger Abtrieb und damit weniger Grip als die letzte Generation haben - richtig schwierig zu fahren werden könnten. So groß sind die Sorgen, dass die FIA im Regen schon den Boost-Knopf verbietet, die maximale Elektro-Einspeisung auf 250 kW limitiert (statt 350 kW), die Straight-Mode-Zonen verkürzt und nur mehr das Flachstellen des Frontflügels erlaubt.
Diese geänderten Vorgaben plus die völlig anderen Grip-Bedingungen erzwingen im Regen ein Anpassen der Elektro-Systeme. Wer da beim ersten Mal gleich ins Schwarze trifft, könnte zumindest in Miami einen klaren Vorteil haben. "Ich würde erwarten, dass Power-Unit-Optimierung ein Faktor beim Ausnutzen des ganzen Pakets von Chassis und Power Unit sein wird, wenn es nass ist", kündigt McLaren-Teamchef Andrea Stella an.
Drei Formel-1-Teams haben schon im Regen getestet - Vorteil?
Das Problem ist nur, dass nicht alle 11 Teams mit dem gleichen Erfahrungsstand ins Rennen gehen. Drei Teams sind schon echte Testprogramme im Regen gefahren. Ferrari und Red Bull nutzten den einzigen nassen Tag beim Shakedown in Barcelona. Red Bull und die Racing Bulls fuhren dann für Pirelli einen privaten Regenreifen-Test in Japan. Und dann fuhr auch Lewis Hamilton einen solchen Pirelli-Test mit über 300 Runden verteilt auf zwei Tage auf der Ferrari-Hausstrecke Fiorano. Die ist für Regentests beliebt, weil sie bewässert werden kann.
"Nur Ferrari hatte den Luxus eines unlimitierten Tests mit Pirelli", mault Fernando Alonso da am Samstagabend. "Wir müssen uns an Rennwochenenden einschießen, wir sind nicht Ferrari." Mehrere Fahrer blicken dem Regen da nicht erfreut entgegen. "Ich habe das Auto nie im Regen gefahren, andere schon", so Sprint-Sieger Lando Norris. "Vorerst ein bisschen ein Nachteil."
Was also haben die Bevorteilten gelernt? "Es ist ziemlich knifflig, das wird nicht einfach", sagt Max Verstappen. Hamilton schließt sich an: "Es war richtig schlimm! Kein lustiger Tag, sehr rutschig mit den 350 kW." Hier ist aber schon ein wichtiger Zusatzpunkt vermerkt: Alle diese Regentests wurden noch mit bis zu 350 kW an Elektro-Power gefahren, sowie mit anderen Vorgaben für Heizdecken-Temperaturen.

Nach negativem Feedback von Fahrern wie Hamilton wurde die Elektro-Leistung im Regen erst vor wenigen Tagen gekürzt und die Heizdecken-Temperaturen wurden nach oben gesetzt. Die aktuelle Konfiguration hat noch niemand gefahren. Abgesehen davon ist Miami eine ganz andere Strecke. "Ein Stadtkurs, anderes Setup, andere Autos", meint Pirelli-Sportchef Mario Isola. "Ich bin mir nicht sicher, ob sie einen echten Vorteil haben."
Mercedes-Vorteil in Miami im Trockenen immer noch da?
Wo starten die Regen-Tester? Max Verstappen und Charles Leclerc lauern direkt hinter Polesitter Kimi Antonelli auf den Plätzen zwei und drei. Lewis Hamilton muss nach einem bislang schwierigen Wochenende mit Startplatz 6 vorliebnehmen. Er hofft unverhohlen auf Regen: "Ich bin zuversichtlich mit der Balance, die ich habe, damit bin ich im Nassen hoffentlich gut aufgestellt."
Und generell scheint die Konkurrenz von Mercedes für das Rennen auf Turbulenzen zu bauen. Obwohl die WM-Führenden am Samstag im Sprint von McLaren erstmals auf der Strecke geschlagen wurden. Doch das war den Umständen geschuldet, meint Lando Norris: "Wegen der freien Fahrt."
Ist es trocken, so ist der Mercedes in Miami immer noch das schnellste Auto. Nicht mehr ganz so schnell wie an den ersten Wochenenden, eben weil McLaren, Ferrari und Red Bull große Update-Pakete brachten. Die Lücke wurde dadurch enger, dürfte aber immer noch so um die zwei Zehntel pro Runde ausmachen. Ferrari, McLaren und Red Bull scheinen in Miami mit diesen zwei Zehnteln Rückstand alle auf einem Fleck zu kleben.
Im Trockenen darf sich Kimi Antonelli dann aber nicht wieder von der Pole aus abziehen lassen. Dann steckt er in der Dirty Air. Auf einer Strecke, auf der die Reifen gerne überhitzen. Thermischer Abbau der Performance ist der limitierende Faktor, auch wenn der Verschleiß an sich niedrig ist und eine Einstopp ermöglicht. Ab Runde 16 sollte man mit dem Hard ins Ziel kommen. Medium-Hard ist die empfohlene Option.
Mercedes ist nüchtern betrachtet also Favorit, wenn es trocken bleibt. Allerdings anfälliger als an den letzten Wochenenden, und würde sich wohl nicht mehr so leicht zurück an die Spitze kämpfen können, wenn die Startphase wieder turbulent wäre. Regnet es, dann kann sowieso alles passieren. Nur haben eben die Red-Bull- und Ferrari-Fahrer wenigstens schon ein Gefühl für diese Generation im Nassen.



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