Einen Tag leuchtete die Formel 1 im Jahr 2026 einmal nicht in Mercedes-Silber. Am Freitag holte Lando Norris die Pole für den Sprint in Miami, am Samstagvormittag folgte auch der Sieg im Kurzrennen, und dieser wurde dank eines verpatzten Starts von Andrea Kimi Antonelli sogar zu einem Doppelsieg für das Papaya-Team.

Doch nach dem Qualifying ist alles wieder fast wie gehabt. Mit Kimi Antonelli steht ein Mercedes auf Pole Position und McLaren darf sich nicht einmal mehr über die Rolle als erster Verfolger freuen, denn mit Max Verstappen und Charles Leclerc schoben sich gleich zwei Fahrer zwischen Antonelli und Norris. Von einer Enttäuschung will der Brite dennoch nicht sprechen. Seiner Ansicht nach war der relative Rückschritt erwartbar.

Lando Norris trotz Qualifying-Rückschlag positiv gestimmt: "Guten Job erledigt"

"Ich denke, wir haben immer noch einen guten Job erledigt", ist er überzeugt. Der maßgebliche Unterschied bestehe darin, dass inzwischen die Konkurrenz auch ihre Boliden besser abgestimmt bekommen hatte: "Ich denke, die anderen haben nur gestern einen schlechten Job erledigt, und heute haben sie das gezeigt, was sie können."

Bereits am Freitag habe er in den Daten erkennen können, dass die zwei Zehntel Vorsprung im Sprint-Qualifying gegenüber Mercedes nicht dem realen Kräfteverhältnis entsprachen, gibt der amtierende Formel-1-Weltmeister an. "In jeder Kurve waren sie ähnlich schnell oder schneller als wir, und sie hatten nur ein paar Probleme", meinte er und fügte hinizu: "Max und Red Bull waren auch sehr stark."

Verstappen ist davon überzeugt, dass ihm noch dazu die heißeren Bedingungen in die Karten gespielt haben. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen:

Dass McLaren auch im Sprint nicht zu schlagen war, schiebt man im Papaya-Lager auf die freie Fahrt an der Spitze, während alle anderen mit Dirty Air und damit auch mit überhitzenden Reifen zu kämpfen hatten.

Doch anschließend gab Norris auch zu, dass McLaren in seinem Fall im Qualifying auch den Energie-Einsatz nicht richtig hinbekommen und somit doch keinen perfekten Job erledigt hatte. "Wir hatten ein paar Probleme mit dem Deployment und diesen Dingen. Ich begann meine letzte Runde aus irgendeinem Grund mit weniger Energie-Einsatz. Ich war also von Anfang an ein bisschen aufgeschmissen."

So ergab sich im Qualifying ein Rückstand von fast vier Zehntelsekunden auf Antonelli. "Es ist nicht wie Tag und Nacht. Die anderen haben sich verbessert und wir hatten vielleicht ein bisschen Probleme und dann entsteht so eine Lücke", fasste Norris zusammen. Dazu kamen noch veränderte Rahmenbedingungen, wie die heißeren Temperaturen oder mehr Gummibelag auf der Streckenoberfläche, auch durch die Rahmenserien. In der Abrechnung verlor nicht nur Norris, sondern auch Oscar Piastri damit sogar den direkten Vergleich mit ihren jeweiligen Runden vom Freitag.

Teamchef Andrea Stella pflichtete seinem Fahrer in dessen Analyse bei: "Wenn man sich an diesem Wochenende nur heute anschaut, dann ist alles normaler." Im Detail stellte er fest: "Wir haben Mercedes auf Pole mit einem ordentlichen Vorsprung, sie sind die schnellsten in den Highspeed-Abschnitten, so wie vorher. Es sieht alles viel normaler aus [als am Freitag]. Gestern haben sie etwas an Performance bei der Ausnutzung der Power Unit liegen lassen."

In Bezug auf McLaren war offenbar das Gegenteil der Fall. "Gestern im Sprint-Qualifying gab es keine Probleme. Heute mussten wir uns in jeder Mini-Session - Q1, Q2, Q3 - mit Abweichungen von einem optimalen Verhalten der Power Unit herumschlagen", erzählte der Italiener. "Das ändert nicht nur die Rundenzeit in Bezug auf die Power Unit, es ändert auch die Referenzpunkte für die Fahrer."

McLaren-Pleite knapp abgewendet: Norris und Piastri zittern sich durchs Qualifying

Entsprechend hatten Norris und Piastri auch im Laufe des kompletten Qualifyings zu kämpfen. P4 und P7 klingen noch nach einer guten Ausbeute, wenn man bedenkt, dass beide zwischenzeitlich um den Aufstieg in Q2 bzw. Q3 zittern mussten. Piastri schaffte es im ersten Qualifying-Segment als 16. gerade so in den nächsten Abschnitt, Norris wurde in Q2 nur Neunter – wenn auch mit deutlichem Vorsprung zu P11.

Während Norris klare Antworten für seine kleinen Qualifying-Schwierigkeiten hatte, fiel es seinem Teamkollegen Oscar Piastri deutlich schwieriger, solche zu finden. Die sieben Zehntel Rückstand auf die Spitze und über drei Zehntel auf Norris, die ihm nur P7 einbrachten, führte er ebenfalls zum Teil auf den Motor zurück. "In Q3 waren beide Runden etwas verhaut und auf der zweiten hatte ich massives Super-Clipping in der Mitte von Kurve 7. Das will man nicht unbedingt zum ersten Mal in Q3 haben", ärgerte er sich.

Immerhin konnte er in diesen Problemen auch eine zufriedenstellende Antwort für seinen Rückstand auf den Teamkollegen finden. "Wenn ich es mit seiner Rundenzeit verglichen habe, als unsere beiden Power Units dasselbe getan haben, dann sah es ein bisschen respektabler aus", tröstete sich Piastri.

Doch welche Aussagekraft haben die Startpositionen überhaupt? Im Rennen könnte ohnehin alles anders werden, denn im Rennen droht Regen. Was das für die Ausgangslage bedeutet: