Nach drei äußerst schwierigen Wochenenden zum Auftakt in die Formel-1-Saison wirkte Max Verstappen im Red Bull beim Qualifying in Miami wie ausgewechselt. Nur ein entfesselt auftretender Andrea Kimi Antonelli verhinderte eine überraschende Pole Position für den Niederländer, der mit Startplatz 2 aber immer noch eine exzellente Ausgangslage für das Rennen vorweisen kann.

Einen ersten Hoffnungsschimmer bot schon das Sprint-Qualifying am Freitag, wo Verstappen auf P5 gelandet war. Seine beste Platzierung auf eine Runde in diesem Jahr, die er am Samstagvormittag im Sprint bestätigen konnte. Ein klarer Schritt nach vorne, nachdem der RB22 zuletzt in Japan nicht einmal das Mittelfeld anführen konnte. Geschweige denn, unter den Topteams mitmischen.

Max Verstappen (fast) wieder in seinem natürlichen Habitat

Im Qualifying von Miami war Verstappen anschließend vom ersten Versuch an voll im Kampf um die Spitze dabei und überraschte damit nicht nur seinen Teamboss Laurent Mekies, der im ORF-Interview meinte, dass er das "nicht in diesem Ausmaß" erwartet hätte. Nachdem schon der Freitag ein Schritt nach vorne war, habe man mit den höheren Temperaturen die Lücke weiter verkleinert, schlussfolgerte der Franzose.

"So viele Dinge haben bis zu diesem Wochenende nicht funktioniert, um dem Auto eine gute Balance zu geben. Für mich haben sich im Auto ein paar Dinge geändert und es fühlte sich gleich viel komfortabler zu fahren an", erklärte Verstappen in der Pressekonferenz nach dem Qualifying. An den ersten Wochenenden dieser Saison war es vor allem dieser Punkt gewesen, den er häufig kritisiert hatte.

Die Balance des Autos schwankte oft unberechenbar zwischen Über- und Untersteuern - undenkbar dabei die letzten Zehntel aus dem Auto zu quetschen. Dieses Problem schien jedenfalls bisher in Miami der Vergangenheit anzugehören. "Ich spüre viel mehr Vertrauen. Ich fühle mich nicht mehr wie ein Passagier im Auto", sagte Verstappen.

Und vor allem: Dieses Gefühl bestätigte sich nun nach dem Freitag und dem Sprint am Vormittag bereits ein drittes Mal unter wechselnden Außenbedingungen. Ein gutes Signal, dass das Arbeitsfenster nicht mehr so spitz ist, aber natürlich noch lange kein Beweis.

Red Bull wieder Spitzenteam? Langsame Kurven machen den Unterschied

"[Im Sprint] konnte ich endlich den Autos vor mir folgen, anstatt dass sie nur von mir weggefahren sind. Dann haben wir ein paar winzige Veränderungen für das Qualifying vorgenommen, und das scheint weiter geholfen zu haben", erklärte der aktuelle Vize-Weltmeister. Den größten Sprung scheint Red Bull in den langsamen Kurven gemacht zu haben, dort war Verstappen im Qualifying verglichen mit dem Sprint-Qualifying am Freitag zwei bis fünf km/h schneller.

Neben der verbesserten Balance, die Verstappen das richtige Gefühl vermittelt, mehr pushen zu können, ist der vierfache Formel-1-Weltmeister auch überzeugt, dass Red Bull Fortschritte beim Einsatz der Elektro-Power gemacht hat: "Jeder lernt an jedem einzelnen Wochenende, genau wie wir. Wir sind natürlich ein komplett neuer [Motor]-Hersteller, also ist die Lernkurve bei uns wahrscheinlich ein bisschen steiler."

In der Energie-Einteilung lassen sich nach wie vor ein paar deutliche Unterschiede zu Polesetter Antonelli ausmachen. Mercedes investiert viel mehr in der Gerade nach Kurve 3 und den darauffolgenden schnellen Kurve bis Turn 7. In jenem Abschnitt büßt der Niederländer über vier Zehntelsekunden ein. Da kann ihn auch nicht der stärkere Power-Schub auf der langen Gerade zu Kurve 11 und auf Start-Ziel retten.

Hier zur besseren Veranschaulichung auch der direkte Vergleich gemessen an der Rundenzeit:

Mit der Wiederauferstehung von Red Bull ging allerdings auch wieder teamintern die Lücke zwischen Max Verstappen und seinem Teamkollegen auf. Bisher hatte sich Isack Hadjar ja achtbar aus der Affäre gezogen, aber nun erlitt auch er einen Rückschlag. So lief sein Qualifying: